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Wolfgang Thüne, Meteorologe und Autor

Enzyklika „Laudato Si“
Ein Rückfall hinter die europäische Aufklärung

Teil 2

In der Enzyklika wird die große anthropozentrische Maßlosigkeit (116) angeprangert, wird eine „mutige kulturelle Revolution“ (114) gefordert und wird gesagt, dass die weltweite Ökologiebewegung bereits einen langen Weg zurückgelegt hat (166.). Es wird die Notwendigkeit des Vorhandenseins einer „echten politischen Weltautorität“ (175.) für nötig erachtet. Es wird gesagt, dass sich die Politik nicht der Wirtschaft und diese sich nicht dem Diktat der Technokratie unterwerfen darf (189.) Das ist richtig, aber weder die Politik noch die Kirche darf sich dem Diktat der Wissenschaft unterwerfen. Hier fehlt der Enzyklika jedweder kritische Ansatz. Weltreiche gab es bereits in der Antike. Der Wille nach Weltbeherrschung ist nicht neu. Doch sollte man bei dem Ruf nach einer „Weltautorität“ mehr als zurückhaltend sein mit Blick auf Matthäus (16, 26). Da lesen wir: „Wiederum führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan!“ Jesus widerstand dieser Versuchung und beugte sich nicht dem Teufel, dem atheistischen Zeitgeist!

Der Wissenschaft gegenüber herrscht eine sträfliche Leichtgläubigkeit, eine Untertanen-Mentalität, wenngleich bekannt ist: Wissen ist Macht! Es grenzt an eine Selbstaufgabe, wenn dazu aufgerufen wird, durch Erziehung ein „ökologisches Bürgertum“ (211.) zu schaffen und „Leitlinien ökologischer Spiritualität“ (216) zu entwerfen, um zu einer „Versöhnung mit der Schöpfung“ (218) zu kommen. Gleichzeitig heißt es unter 221., „dass Gott die Welt erschaffen und in sie eine Ordnung und Dynamik hineingelegt hat, die der Mensch nicht ignorieren darf“.

Jawohl, die Welt ist dynamisch und nicht statisch. Und am dynamischsten von allen Naturereignissen ist das Wetter. Wie das Wetter so sind auch Erdbeben und Vulkane Naturereignisse, mit denen der Mensch leben muss. Dies sieht auch Papst Franziskus so, denn unter 228. fordert er von uns, „den Wind, die Sonne und die Wolken zu lieben und zu akzeptieren, obwohl sie sich nicht unserer Kontrolle unterwerfen.“ Wir sollten dem Beispiel von Jesus folgen, die Natur verstehen lernen und uns in ihre natürlichen Abläufe fügen. Das pflanzliche, tierische wie menschliche Leben hat sich an die Jahreszeiten angepasst, auch wenn wir im Winter künstlich in „Treibhäusern“ Rosen und Tomaten züchten können. In der Genesis steht mit keinem Wort geschrieben, dass der Mensch „in vollkommener Harmonie mit der Schöpfung“ zu leben habe. Er bekam den Auftrag, die Erde zu hegen und zu pflegen, über den Ackerbau „im Schweiße seines Angesichts“ die Erde zu kultivieren.

Die größte Gefährdung der Freiheit des Menschen liegt in dem Satz 208.: „Wenn wir fähig sind, den Individualismus zu überwinden, kann sich wirklich ein alternativer Lebensstil entwickeln, und eine bedeutende Veränderung in der Gesellschaft wird möglich sein.“ Die Gender-Ideologie ist so eine Alternative. Ist das die neue Vision der römisch-katholischen Kirche, die jeden Menschen als einmaliges Individuum, als Geschöpf Gottes ansieht? Sollen wir Christen unsere Glaubens- und Gewissensfreiheit aufgeben, um in einem kommunistischen Kollektiv aufzugehen? Wer die „Zeit irrationalen Vertrauens auf den Fortschritt und das menschliche Können“ (19.) anprangert, muss auch nach deren Ursache fragen. Diese liegt eindeutig in der Ideologie des Marxismus und Kommunismus!

Wer die Humboldt-Universität in Berlin betritt, dessen Blick fällt automatisch auf Karl Marx und seine Aussage: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Karl Marx deklarierte den Fortschritt zum Geschichtsgesetz. Er frönte dem Materialismus und bereitete dem Konsumismus den Weg. Der Fortschrittswahn wird keineswegs besser, wenn man ihm den Deckmantel „nachhaltig“ umhängt. In der Enzyklika wird die „Kultur des Relativismus“ als „Krankheit“ (123.) bezeichnet. Aber ist das nicht Ausdruck des Relativismus, wenn unter 183. gefordert wird: „Immer ist es notwendig, den Konsens unter den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren einzuholen, die unterschiedliche Perspektiven, Lösungen und Alternativen beisteuern können.“ Wer sich jedwedem Konsens beugt, gibt jeglichen Führungs- und Gestaltungsanspruch auf. Er folgt dem „Zeitgeist“!

Wohl aus falschem Respekt vor dem „Zeitgeist“ hat der Vatikan das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung als Berater bemüht und dessen Leiter, Prof. Dr. Hans Joachim (John) Schellnhuber CBE am Tag vor der Präsentation der Enzyklika „Laudato Si“ zum ordentlichen Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften berufen. Hans Joachim Schellnhuber hat sich selbst offen als Agnostiker bezeichnet. Der Agnostizismus ist nachhaltig „offen“ und sowohl mit dem Theismus als auch dem Atheismus vereinbar. Auch ist der Agnostizismus eine Weltanschauung, die vor allem die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens und Verstehens bzw. Begreifens betont. Wer jedoch die „prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens“ betont, sollte als Orakel, Prophet oder Wahrsager auftreten, nicht als Zukunftsberater. Wer das Wetter kaum mehr als 10 Tage überblicken kann, sollte keine 100jährigen Klimaprognosen abgeben. Dann lobe ich mir Sokrates, der die Demut aufbrachte und die Weisheit hatte zu sagen, dem der Satz zugeschrieben wird: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“!

Die Enzyklika wirft mehrere Sorgen erzeugende Fragen auf: Schleicht sich über das Potsdam-Institut die von Papst Benedikt XVI. angeprangerte „Diktatur des Relativismus“ in die katholische Kirche ein? Wird ob der Fiktion „Klimaschutz“ die individuelle Freiheit auf dem Altar der kollektiven Bevormundung und Knechtung geopfert? Wer garantiert, dass sich in der „Weltregierung“ nur die „guten Hirten“ versammeln? Wer garantiert den „Schafen“ ihre individuelle Freiheit? Wenn der Weltklimarat, der G-7-Gipfel und die Staaten der Vereinten Nationen die unhaltbare Hypothese vom „menschengemachten Klimawandel“ propagieren und das Gespenst einer Weltregierung propagieren, dann sollten sich alle Kirchen und Religionsgemeinschaften vereinen zur Verteidigung der Freiheit und der Würde des Menschen. Für den Klimagipfel in Paris hätte ich mir ein anderes Signal gewünscht, zumal jeder Mensch instinktiv weiß, dass das Wetter sich seine Freiheitsgrade nicht einschränken lässt.

Die Bedrohung der Menschheit geht nicht von dem für alles Leben unverzichtbaren CO2-Molekül aus, sondern kommt von den „Eliten“, welche die Gefahr von der drohenden Klimakatastrophe in die Welt gesetzt haben, um die Menschheit insgesamt in Angst- und Panikstimmung zu versetzen und darauf eine Gutmenschen-Diktatur zu errichten. Wenn die „Dekarbonisierung“ der Weltwirtschaft angestrebt und zum ultimativen Ziel erhoben wird, wie soll dann die „Dekarbonisierung“ der Nahrungsmittel vor sich gehen? Man kann leicht das Kohlenstoffdioxid-Molekül zum Klima bedrohenden „Gespenst“ erklären, doch das Molekül hat weder etwas mit dem Wetter noch den Temperaturen auf der Erde zu tun. Dieses Spurengas in der Luft dient einzig und allein beim Prozess der Fotosynthese als „Nahrungsmittel“ für die grünen Pflanzen. Nach der Schöpfungsgeschichte wurden zuerst die grünen Pflanzen, dann die Tiere und ganz zuletzt, als Gott sah, dass alles gut war, wurde der Mensch erschaffen.

Will der Mensch sich durch „Dekarbonisierung“ selbst abschaffen?

08. Juli 2015
 
   

Wolfgang Thüne

Wolfgang Thüne war bis 1986 Wettermoderator des ZDF und versucht seit langen Jahren, im Rahmen vieler Veröffentlichungen und Bücher gegen die „Klimawandel-Hysterie“ Sach- und Fachkenntnis zu setzen.

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