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Unternehmen & Führung

 
 
 
 
 

Prof. Dr. Wolfgang Saaman

Maschinen übernehmen keine Verantwortung

«Leistungskultur im Fokus der digitalen Transformation»

Wiesbaden / Freiburg i. Br. - Die digitale Transformation ist unvermeidbar. Auf dem Weg dorthin sind Denkbeweglichkeit und Handlungsgeschwindigkeit wie nie zuvor gefragt. Vor allem bezogen auf die Leistungskultur des Unternehmens, die ohne neues Führungsdenken nicht möglich sein wird. Mitarbeiter kann man nicht wie Maschinen programmieren. Man muss sie nicht motivieren, sondern für neue Wege inspirieren und vorbereiten.

«Auf das WIE gibt es zahlreiche praxisnahe Antworten. Viele davon, die sich sofort umsetzen lassen, finden sich in dem neuen Buch Leistungskultur im Fokus der digitalen Transformation des erfolgreichen Wegbereiters für Leistungskultur, Prof. Dr. Wolfgang Saaman aus Freiburg», sagt Oskar Loewe, Vorstand bei Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. aus Wiesbaden. «Eine davon ist die klare Teilung von Funktion (Computer, Roboter) und Rolle (Menschen). Laut Saaman kann und wird die Robotik zukünftig noch unvorstellbare Aufgaben übernehmen», so Loewe weiter.

Hier einige Auszüge aus dem richtungsweisenden Werk:

Wandel mit den Mitteln der Vergangenheit nicht zu bewältigen

Maschinen brauchen keine Unternehmenskultur wenn sie Aufgaben der Betriebswirtschaft und Produktion übernehmen. Menschen dagegen brauchen eine solche Unternehmenskultur, die kreative Leistungen, innovative Prozesse, verantwortungsvolles Denken und Handeln im Setzen von Zielen, Festlegen und Umsetzen von Strategien fördert. Maschinen brauchen Programme, Wartung und Kontrolle. Dann funktionieren sie verlässlich. Menschen brauchen Vertrauen, Entscheidungsspielräume, Werte und Verantwortung. Dann geben sie ihr Bestes. Man hat schneller die Technik als den Menschen umgestellt. Weil das so ist, kommt es auf ein möglichst frühes Einsetzen der Arbeit an den notwendigen Veränderungen an.

Vor allem in der Übergangszeit besteht die große Gefahr, dass Mitarbeiter heute ihre Leistung zurückfahren, weil sie befürchten, schon morgen nicht mehr gebraucht zu werden. Der vor uns stehende Wandel wird mit den Mitteln der Vergangenheit nicht zu bewältigen sein.

Digitale Transformation als Weg in ein neues Zeitalter

Denkbeweglichkeit ist das, was uns auf dem Weg zur Digitalen Transformation am meisten abverlangt werden wird. Diese Denkbeweglichkeit darf sich aber nicht nur auf das Management (Analyse, Zielsetzung, Strategie, Planung, Umsetzung, Prozesssteuerung) beziehen. Sie muss sich in noch stärkerem Maße im Leadership (Potenziale und Motivation identifizieren, inspirieren, vertrauen, Verantwortung erlauben, Empathie leben) wiederfinden. Weder neue Führungsmodelle noch -theorien werden da weiterhelfen, wo Mitarbeiter zum Handlungsverantwortlichen heranwachsen und ihren Chef als Führungsverantwortlichen in einer klaren Rollenteilung erleben wollen. Alle über einen Kamm scheren, das war gestern und hat genau genommen noch nie gut funktioniert.

Chefs müssen die durch Digitalisierung gewonnene Zeit in ihre Führungsbeziehung zu Mitarbeitern investieren, um mittels einer auf die zukünftigen Anforderungen ausgerichteten Leistungskultur mit der ganzen Mannschaft die Spitze im Wettbewerb anführen zu können.

Wir gehen damit in einen offenen Prozess,
dessen Ende noch niemand so genau absehen kann

Fortschritt ist für Menschen der Treiber, der die Gegenwart bewältigen hilft und die Zukunft mit Hoffnung umrahmt. Der Mensch braucht Veränderungen einerseits so sehr, wie er sich andererseits dagegen wehrt. Die jetzt vor uns liegende technologische Veränderung scheint exponentiell voranzuschreiten. E-Mobility, 3D-Druck oder Industrie 4.0. Das Wachstum scheint mit zunehmender Größe immer gewaltiger zur werden. Wirklich neu ist das nicht. Und doch immer wieder ungewohnt. Vom Kerzenlicht zum Schein der Glühlampe sah es ebenfalls nach der Gefahr einer menschlichen Überforderung aus. Und die Postkutsche durch die Dampflok zu ersetzen, hat die Menschen auch an die Grenzen ihrer Vorstellungsfähigkeit geführt. Jetzt haben wir als Digitale Transformation das bewusste Wahrnehmen und Verarbeiten eines neuen Wachstumsschubes durch technologische Erneuerung vor uns.

Diese Digitale Transformation ist ein Anfang zum Übergang in ganz neue Dimensionen. Wir gehen damit in einen offenen Prozess, dessen Ende noch niemand so genau absehen kann.

Unternehmenskultur als Leistungsbrücke für Mitarbeitende

Der Begriff „Unternehmenskultur“ ist jedem geläufig. Ein Unternehmen, eine Behörde, eine Institution, ein Verein ist ohne Kultur nicht denkbar. Die Frage ist nur, ob es sich um eine leistungsfördernde oder leistungsbremsende Kultur handelt. Als Managementmethode eignet sich das Thema in keinem Fall. Unternehmenskultur ist keine Methode, kein Tool, keine Frage der Führungstechnik. Man kann eine Kultur nicht anweisen und auch in keine Strategie packen. Man kann sie als Prozess begreifen und durch Vorleben von Werten diesen Prozess positiv beeinflussen. Die Mitarbeiter in einer Organisation entscheiden auf Basis ihres subjektiven Empfindens, ob sie mit der Kultur ihrer Firma im Einklang sind oder größere Störungen damit haben. Und davon machen sie abhängig, wie sehr sie sich geistig für diese Firma ins Zeug legen oder gegen Bezahlung ihren Körper in die Firma schicken. Unternehmenskultur ist ein existenter Zustand in einem System, der sich durch andere Einflussnahmen herausbildet als durch Managementmethoden.

Es macht auch wenig Sinn Werte zu verordnen, die nicht von oben mit aller Konsequenz vorgelebt werden. Im Gegenteil. Solche Werte-Hülsen richten mehr Schaden an als dass sie Nutzen bringen.

Wer das Spiel mit den Zahlen zu seinem beruflichen Hauptzweck erklärt,
wird bald nicht mehr gebraucht werden.

Leistung aus Kultur ist in einer Organisation gegeben, wenn die zur Organisation Gehörenden weniger durch äußeren Antrieb, geldliche Anreize oder Druck zur Leistung gebracht werden müssen, sondern aus innerem Antrieb heraus – motiviert eben – Best- oder gar Spitzenleistungen erbringen. Wenn Menschen spüren, dass es sich lohnt, für diese Organisation zu arbeiten, merken, dass sie Teil des Erfolgs sind und als solcher auch geschätzt werden, geben sie mehr, als wenn man wie beim Esel mit der Möhre lockt oder wie beim Pferd die Peitsche einsetzt. Eine gesunde Leistungskultur – eine ausgewogene Bilanz zwischen Leistung und Kultur – führt unmittelbar dazu, dass Mitarbeiter ihr Leistungspotenzial bis zur Grenze ausschöpfen. Mittels Leistungskulturspiegel lässt sich messen, ob ein System eher leistungs- oder eher kulturlastig ist. Weder das eine noch das andere kann wirklich beruhigen. In dem einen wie dem anderen Fall werden schlicht die Chancen nicht voll ausgeschöpft. Leistung steht für die Hartfaktoren einer Organisation, ohne die Wirtschaftlichkeit schwer zu erreichen ist. Kultur steht für die Weichfaktoren, ohne die man aus dem Wirtschaftlichkeitsstreben nicht das herausholt, was möglich ist. Soweit unter Hartfaktoren das verstanden wird, was die Betriebswirtschaft dazu bereithält, so werden Betriebswirte, aber auch Ökonomen, schon bald akzeptieren müssen, dass der Anschluss an die Neuzeit bis heute nicht gelungen ist.

Der Betriebswirt von Morgen könnte den Namen „Roboter“ tragen. Er arbeitet zielgenauer, analytisch präziser, schneller, unermüdlicher, braucht keine Kantine, keine Pausen und keine Unternehmenskultur. Wer das Spiel mit den Zahlen zu seinem beruflichen Hauptzweck erklärt, wird bald nicht mehr gebraucht werden.

Das Geschäft im Zeitalter grassierender Digitalisierung

Organisationen müssen sich weiterentwickeln, das ist keine Frage. Agiles Treiben wird die erfolgreichen Unternehmen der Zukunft prägen. Das heißt nicht nur schneller in der Fähigkeit zum Wandel, sondern auch aufgeschlossener gegenüber neuen Gegebenheiten. Agilität ist aber noch mehr, nämlich Gewandtheit (Behändigkeit, Beweglichkeit, Elastizität, Flinkheit, Gelenkigkeit, Geschicktheit, Geschmeidigkeit, Leichtfüßigkeit), Vitalität (Aktivität, Dynamik, Energie, Lebendigkeit, Lebensenergie, Lebensfreude, Lebenskraft, Lebhaftigkeit, Rührigkeit, Spannkraft, Tatkraft, Regsamkeit), Wendigkeit (Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Geschäftigkeit, Geschmeidigkeit). Chancen werden einem nicht mehr wie heute geboten werden, man muss sie erspähen lernen. Das Unternehmen ebenso wie der Einzelne. Das Agile Unternehmen verlangt von allen, nicht nur den Führenden, mehr Verantwortung und Engagement. Es ist ein radikales Umdenken bezüglich des Umgangs mit Verantwortung erforderlich, die noch vor zweihundert Jahren (Agrargesellschaft) im Mittelpunkt des Treibens stand und danach in der Industriegesellschaft immer mehr durch Arbeitsteilungsprozesse ausgetrocknet wurde.

Die Erkenntnis der inneren Kündigung von Arbeitnehmern, die ihren Körper gegen Geld täglich in die Firma gehen lassen und die Verwaltung ihrer Zeitkonten dem engagierten Mitdenken vorziehen, ist auch schon Jahrzehnte alt. Finanzielle Sicherheit führt zur materiellen Anreicherung, die weitestgehend als Sinnersatz ausgelebt wird.

 

22. Juni 2018


Prof. Dr. Wolfgang Saaman

Prof. Dr. Wolfgang Saaman hat Betriebswirtschaft und Psychologie studiert und eine Ausbildung als Psychotherapeut absolviert.
Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der auf Leistungskultur spezialisierten Beratungsgesellschaft SAAMAN AG.

Der Link zum Buch: https://www.springer.com/de/book/9783658197957

Für Fragen zum Thema steht Ihnen Prof. Dr. Wolfgang Saaman unter wsaaman@saaman.de oder +49 761-21680-0 zur Verfügung.