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Management & Führung

 
 
 
 
 

Oskar Loewe

Die vier wichtigsten Megatrends
der Wirtschaft

Wiesbaden - Vier grosse Kräfte führen immer mehr bekannte Mechanismen der Ökonomie ad absurdum. Wirtschaft und Gesellschaft wandeln sich rasend schnell und viele der dafür verantwortlichen Auslöser waren vor 20 Jahren noch garnicht bekannt oder wurden nicht als Herausforderung gesehen. Jetzt müssen wir diesen immer schneller voranschreitenden Entwicklungen ins Auge blicken, die Folgen bedenken und uns mit möglichst smarten Strategien darauf einstellen.

Was Sie über die bisherigen Mechanismen der Wirtschaftswelt wissen oder im Studium gelernt haben, können sie heute zum grossen Teil vergessen. Denn der Wandel auf diesem ist radikal und schnell. Der Grund dafür ist das Zusammenspiel von vier grossen Trends. Sie stellen die Weltwirtschaft auf den Kopf und Konzern-Bosse und Inhaber von Unternehmen jeder Grösse müssen sich an neue Realitäten anpassen, ohne den Überblick zu verlieren. Das Szenario beschreiben McKinsey-Mitarbeiter und Autoren Richard Dobbs, James Manyika und Jonathan Woetzel in ihrem neuen Buch «No Ordinary Disruption». Sie stellen darin vier «fundamentale und störende» Kräfte vor, die schon längst wirken. Dagegen verblasse sogar die industrielle Revolution des späten 19. Jahrhunderts, schreiben sie. Die Autoren schätzen, dass der derzeitige Wandel mindestens zehn mal schneller voranschreitet und die Auswirkungen einige tausend Mal grösser sind.

Das Phänomen der Urbanisierung

Der erste der vier dargelegten Trends umschreibt, das sich ökonomische Dynamik und die Zentren der Wirtschaftswelt zusehends in boomende Schwellenländer verlagern. Im Jahr 2000 seien noch 95 Prozent der weltweit grössten Unternehmen wie IBM, Coca-Cola oder Nestlé in Industrieländern angesiedelt gewesen. 2025 werden mehr Grosskonzerne ihren Hauptsitz in China haben als in den USA oder Europa. Die Autoren schätzen, das über die Hälfte aller Unternehmen auf dem Globus mit einem Umsatz von über USD 1 Mia. ihren Hauptsitz in Schwellenländern haben werden. Desshalb entwickeln sich dortige Grossstädte immer mehr zu globalen Wirtschaftsmetropolen. Fast die Hälfte des globalen Wachstums wird desshalb bis 2025 in insgesamt 440 Städten der Schwellenländer generiert werden. Dabei dürfte es sich nicht nur um bekannte Metropolen wie Shanghai, Dubai oder Mumbai handeln. Viele kleinere oder mittelgrosse Städte werden dann eine weitreichende Rolle im Welthandel spielen, so die Autoren.

Die Geschwindigkeit des technologischen Wandels

Der zweite Trend ist die Geschwindigkeit des technologischen Wandels und dessen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Schon immer hat Technologie die Welt neu definiert. Doch heute passiert dies mit rasender Geschwindigkeit. Es dauerte etwa 50 Jahre, bis gut die Hälfte aller Amerikaner ein Telefon besass. Facebook hingegen hatte nach einem Jahr sechs Millionen Nutzer, nur wenige Jahre später sind es bereits über eine Milliarde. Zwei Jahre nach der Lancierung von Apples iPhone 3 im Jahre 2007 gab es rund 150'000 Apps, heute sind es über 1,2 Millionen. Inzwischen haben Nutzer mehr als 75 Milliarden Anwendungen heruntergeladen. Hinzu kommt eine schier grenzenlose Menge an Informationen, die heute mit einem Knopfdruck abrufbar ist. Das alles bietet Unternehmen wie Alibaba, Apple, Google, Uber und anderen Startups mit ganz neuen Möglichkeiten und Geschäftsmodellen. Die hohe technologische Geschwindigkeit verkürze den Lebenszyklus der Unternehmen, was die Vorstände und Vordenker unter Druck setzt: Sie müssen immer schneller mehr Entscheidungen treffen und vorhandenen Ressourcen schneller einsetzen oder sie neu bereitstellen.

Die alternde Weltbevölkerung

Der dritte Trend: Die Weltbevölkerung wird immer älter. Auslöser ist unter anderem auch die sinkende Fruchtbarkeit. Zwar wächst die Weltbevölkerung derzeit noch immer. Das könnte sich in ein paar Jahrzehnten aber grundlegend ändern. Denn in einigen Ländern sterben schon heute mehr Menschen als neu auf die Welt kommen. Beispiele sind Japan und Russland, in denen die Bevölkerung in den letzten Jahren geschrumpft ist. Dieser Trend greift auch auf China über und wird demnächst auch Südamerika erreichen. Die EU etwa erwartet, dass die Bevölkerung in Deutschland bis 2060 um ein Fünftel sinkt. Die Zahl der arbeitenden Menschen ginge dann auf 36 Millionen zurück. Dies von 54 Millionen im Jahr 2010. Die Überalterung der Menschen wird dramatische Folgen für die Wirtschaft haben, denn es werden Arbeitskräfte fehlen, die Produktion und das Wachstum wird sinken und das ökonomische Potenzial geht zurück. Hinzu kommt, dass sich Staaten vermehrt um ihre ältere Bevölkerung kümmern müssen, was eine immer höhere finanzielle Belastungen bedeutet.

Die Globale Vernetzung

Der vierte Trend beschreibt die immer stärker vernetzte Welt durch Handel, Kapitalfluss, Auswanderung und Informationsaustausch. Für den globalen Handel verantwortlich sind nicht mehr nur ein paar wenige Zentren. Heute ist das Handelssystem ein komplexes und weltumspannendes Netz. So ist Asien zu einem der grössten Handelsregionen geworden. Der Austausch zwischen Schwellenländern ist in der vergangenen Dekade explodiert. Das Volumen zwischen China und Afrika sei von 9 Millionen Dollar im Jahr 2000 auf 211 Millionen Dollar im Jahr 2012 angeschwollen, der globalen Kapitalfluss um das 25-fache gestiegen, so die Autoren. Mehr als eine Milliarde Menschen hätten 2009 ihre Heimat verlassen. Das seien fünf Mal mehr als 1980. Sowohl die Komplexität als auch die Geschwindigkeit der Vernetzung bringe die Globalisierung auf einen völlig anderen Level und liesse ungeahnte Möglichkeiten zu, birgt aber auch enorme Risiken.

Fazit

Die Tatsache, dass alle vier Trend ineinander greifen und bereits heute wirken, werde unsere Welt dramatisch ändern, schlussfolgern die Autoren. In der Vergangenheit habe man von seinen Intuitionen und Erfahrungen auf die Zukunft geschlossen. Auf dieser Basis könne man heute keine verlässlichen Prognosen mehr stellen. Dafür drehe sich die Welt zu schnell, dafür würden die vier Kräfte zu stark wirken. In der auf die neuen Verhältnisse angepassten Welt müssten Top-Manager und politische Entscheidungsträger ihre Entscheidungen schneller treffen, vermehrt hinterfragen und in eine neue Realität adaptieren. Wer die vier Trends nicht berücksichtigt und sich zu sehr auf die Vergangenheit verlässt, schreiben die Autoren, wird in Zukunft bittere Niederlagen einstecken müssen.

Quelle: Erstellt mit Material aus «No Ordinary Disruption» von Richard Dobbs, James Manyika und Jonathan Woetzel, erschienen bei Perseus Book Group, ISBN 978-1-61039-579-3

26. März 2018


Oskar Loewe

Oskar Loewe verantwortet als Vorstand die Organisations- und Personalentwicklung des Verbandes. Zu seinen Aufgaben gehört auch das Marketing, das Unternehmermagazin sowie Koorperationen mit Veranstaltern, anderen Verbänden, Regierungsstellen und der Diplomatie.