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Prof. Eduard Schmäing

Komplexität und Freiheit

4 Thesen zur Theorie komplexer Systeme

These 1:

Es ist nicht möglich, ein komplexes System auf ein vorgegebenes Ziel zu lenken oder wünschenswerte konkret beschriebene Verhältnisse herbeizuführen. Obwohl Sozialisten aller Arten (Nationaler Sozialismus {Nationalsozialismus, Faschismus}, internationaler Sozialismus {Kommunismus}, demokratischer Sozialismus {Sozialdemokratie}) sich von einer Zentralsteuerung die allgemeine Gerechtigkeit oder sonstige große Vorteile (für eine Rasse oder eine Klasse oder ein Volk) versprechen, ist sie eine utopische Vorstellung: Sie führt immer zu einer Bevormundung der Menschen und letzten Endes zu unmenschlichem Dirigismus.

These 2:

Die Grundregel lautet: Eine Stabilisierung komplexer Systeme ist in den meisten Fällen lediglich durch antagonistische Regelprozesse möglich: durch Wettbewerb. Das gilt ganz allgemein: für die Verteilung von Gütern oder Dienstleistungen in Volkswirtschaften, für Rechtsfindungsprozesse, für politische Verfahren, für das Bildungswesen und beim Sport.

These 3:

Auch bei Wettbewerbsprozessen ist eine Zielbestimmung in allgemeiner Form oder eine Zweckbestimmung erforderlich. Als Beispiel kann das Fußballspiel gelten: Gewinner in diesem Wettbewerb ist, wer am häufigsten den Ball in das gegnerische Tor befördert. Das ist eine allgemeine Zielformulierung, die für Wettbewerbsprozesse angemessen ist; eine konkrete Zielvorgabe – beispielsweise ein Torverhältnis 3:2 – ist widersinnig. Ein Wettbewerb ohne Zielvorgabe ist ebenfalls irrational.

These 4:

Die allgemeine Zielfestlegung ergibt sich nicht aus dem Wettbewerb; sie ist in vielen konkreten Fällen außerordentlich problematisch und mühevoll, aber dennoch notwendig. Wegen dieser Schwierigkeit werden häufig unzulängliche Ersatzziele vorgeschoben: Karrierestreben ist keine dauerhafte Motivation für eine Einzelperson. Gewinnmaximierung ist keine hinreichende Zielvorgabe für ein Wirtschaftsunternehmen, Wachstum des Sozialproduktes ist kein nachhaltiges Ziel für eine Volkswirtschaft.

 

24. Juni 2015

 
   

Prof. Dr.
Eduard Schmäing

ist Mitgründer der Franz-Böhm-Vortragsreihe