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Jasmin Presser-Velder

Generation Y: „So wollen wir arbeiten“

«Wie mache ich das eigene Unternehmen zum wirklich attraktiven Arbeitgeber»

Hamburg - Work-Life-Balance, New Work, Teilzeit, Flexibilität? Die Generation Y dominiert in naher Zukunft den Arbeitsmarkt. Sie ist mit der Globalisierung sowie mit der Digitalisierung aufgewachsen – diese Entwicklungen haben sie demnach maßgeblich geprägt. Dem gegenüber steht die, überspitzt als „Auslaufmodell“ bezeichnete – Generation X der Jahrgänge 1965 bis 75. Noch deutlich anders aufgewachsen, sollten die Werte dieser Generation doch abweichen von denen der Jüngeren. Eine neue Studie beantwortet die zentrale Frage: Müssen sich Unternehmen in naher Zukunft auf Angestellte vorbereiten, deren Wertekanon in Bezug auf die Arbeit sich vollständig von dem bisher Gewohnten unterscheidet? „Die Ergebnisse sind anders als erwartet. Gerade deshalb lohnt sich die Beschaffung der Studie“ sagt Oskar Loewe, Vorstand bei Deutscher Arbeitgeber Verband.

Das Ergebnis ist überraschend: Die Erwartungen an ihren Arbeitgeber, die Arbeitnehmer der Geburtsjahrgänge der frühen 1980er bis 2000er haben, gemeinhin als Generation Y bekannt, ähneln sehr stark denen, die Arbeitnehmer jenseits der vierzig haben. Dies widerspricht der landläufigen Auffassung, jüngere Arbeitnehmer seien per se freiheitsliebender, würden kaum Wert auf Sicherheit im Job legen und jagten nur noch dem New-Work-Konzept hinterher. Gleichwohl gibt es Erwartungen. Doch welche Attribute sind es, die Arbeitnehmer an ihrem Beruf schätzen, was hält sie lange bei ein und demselben Unternehmen? Spielt die Digitalisierung und die damit einhergehende Transformation der Arbeitswelt tatsächlich eine so große Rolle? Was genau sind genau die Erwartungen von jungen Arbeitnehmern gegenüber ihrem Arbeitgeber? Und wie können Unternehmen darauf reagieren, um weiterhin am Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben?

Generationen teilen dieselben Werte

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Unternehmen keine 180-Grad-Wende vollziehen müssen. Denn: In der breiten Masse sind die Einstellungen und Werte gegenüber der Arbeit über Generationen hinweg konstant. Dies gilt sowohl für die Gehaltsvorstellungen als auch für das Bild des perfekten Arbeitgebers, das in den Köpfen schwirrt. Beiden Generationen ist weiterhin gemein, dass sie, nach eigener Aussage, eher an die Zukunft dächten als in der Gegenwart lebten. Dementsprechend liefert die Studie auch das Ergebnis, dass beide Altersgruppen im Durchschnitt dazu tendieren, lieber lange in einem einzigen Unternehmen zu arbeiten als dieses regelmäßig zu wechseln.

Kompromisse statt Flexibilität – junge Arbeitnehmer sind bescheiden

Unabhängigkeit oder Sicherheit? Trotz Digitalisierung und der damit verbundenen Flexibilität ist es die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die im Ranking der Anforderungen an den Job ganz oben zu finden ist. Damit steht sie sogar über flexiblen Arrangements wie bspw. der Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Und: Die Ergebnisse der Studie lassen einen weiteren Schluss zu. Nicht die Ansprüche in puncto Flexibilität und New Work stehen im Fokus, vielmehr ist die Generation Y zu mehr Kompromissen bereit als ihr Vorgänger. So machen gut 29 Prozent der Berufstätigen der Generation Y wöchentlich ein bis zwei Überstunden; bei den älteren Angestellten liegt diese Zahl bei 22 Prozent. Für ganze 39 Prozent der Generation Y sind sogar drei bis vier Überstunden pro Woche durchaus akzeptabel. Damit liegt diese Zahl deutlich über dem Ergebnis der Generation X: Nur ein Viertel wäre demnach bereit, wöchentlich Überstunden in dieser Höhe zu leisten. „Die Bereitschaft zu Kompromissen kann einerseits mit dem Alter und geringerer Reputation zusammenhängen, andererseits könnte es daran liegen, dass jüngere Arbeitnehmer das veränderte Klima am Arbeitsmarkt bereits spüren und sich dementsprechend zurückhaltend äußern“, schlussfolgert Studienleiter Thilo Kampffmeyer.

Privates Glück und Sicherheit – alle wünschen sich dasselbe

Weiteres Ergebnis: „Beide Generationen wollen eigentlich das Gleiche. Glück im Privatleben und Sicherheit im Arbeitsleben“, so Kampffmeyer. Diese Werte stehen vor beruflicher Erfüllung sowie vor Flexibilität und Abwechslung. Vorsorge und der Blick in die Zukunft stehen bei Generation X und Y hoch im Kurs – damit ergeben sich relativ risikoaverse Werte-Profile bei beiden Altersgruppen. Dies zeigt die Studie übrigens auch bei der Bewertung der 40-Stunden-Woche: Beide Generationen bewerten dieses Arbeitszeitmodell eher durchschnittlich. Fragt man dann jedoch nach dem präferierten Modell, so spricht sich die Mehrheit für die fünf Tage a acht Stunden aus.

Konservativ oder modern? Generationen mögen’s klassisch

Angesichts des fortschreitenden Alters ist das tendenziell konservative Profil der Generation X keine große Überraschung. Für Verwunderung sorgt es eher bei der Betrachtung der Generation Y. „ Womöglich betrifft der zunächst angenommene Wertewandel innerhalb der Generation Y nur eine kleinere, besonders flexible und global stärker vernetzte Gruppe und der Rest, d.h. die große Masse, entwickelt aufgrund der latenten Unsicherheit ein für diesen Lebensabschnitt eigentlich atypisches Profil“, mutmaßt der Studienleiter. Das Ergebnis, dass beiden Generationen das New-Work-Konzept mehr oder weniger identisch vertraut ist, untermauert dies.

Mit welchen Zusatzleistungen erfreuen Arbeitgeber
ihre Mitarbeiter am meisten?

Die Studie prüft weiterhin anhand von 19 unterschiedlichen Zusatzleistungen, welche von ihnen bei den Arbeitnehmern besonders gefragt sind. Die Spannweite reicht von klassischen Leistungen wie Urlaubsgeld, Bonus und betrieblicher Altersvorsorge bis hin zu eher wenig verbreiteten Angeboten wie Konzertkarten, Kochkursen oder Urlaubsangeboten.

Ergebnis:

Insbesondere Firmenautos sind bei der Generation Y beliebt. Auf insgesamt elf Prozent ihres monatlichen Brutto-Lohns würde sie dafür bereitwillig verzichten. Alles Familie? Der KITA-Kostenzuschuss liegt mit acht Prozent Verzicht auf Platz zwei bei der Generation Y. Die Generation X würde hierfür übrigens auf gut neun Prozent des Monatsgehalts verzichten – damit liegt diese Leistung hier auf Platz eins. Interessant: „Dass Generation Y auf den Dienstwagen bei den Zusatzleistungen den größten Wert legt, widerspricht der Meinung, das Auto würde innerhalb der jüngeren Generationen zunehmend an Bedeutung verlieren“, hebt Kampffmeyer hervor.

Fazit:

Digitalisierung? Wertewandel am Arbeitsmarkt? War da was?
Aus den erhobenen Daten lässt sich kein drohender Mentalitätswandel auf dem Arbeitsmarkt durch den Generationenwechsel erkennen. Vor diesem Hintergrund stehen die Ergebnisse des „Employer Attractiveness Monitor 2018“ den meisten bisherigen Verlautbarungen, wie z.B. „Generation Y wechselt eher den Job, als sich anzupassen“, entgegen. Eines ist und bleibt jedoch Fakt – und dies sagt auch das Ergebnis der Studie aus: Bei dem richtigen Arbeitsinhalt und fairem Gehalt klappt’s auch mit dem Mitarbeiter, denn „wenn die Basis stimmt, dann sind Zusatzleistungen für Arbeitnehmer ein Nice-to-have, aber kein Muss“, so Kampffmeyer.

Weitere Informationen sowie die vollständige Studie finden Sie unter: https://www.splendid-research.com/de/employer-attractiveness

25. August 2018


Jasmin Presser-Velder

Jasmin Presser-Velder, MA in Kommunikationswissenschaft, arbeitet für das Hamburger Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH als PR-Managerin. Dort ist sie unter anderem verantwortlich für die Content-Erstellung. Dies nach langjähriger Tätigkeit im Bereich Online-Redaktionen.

www.splendid-research.com