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Clara WÖrdenweber

Fachkräfte finden und binden –
mit Artificial Intelligence

Freiburg - Fänden Sie es schön, wenn Sie in Zukunft unabhängig von Ort und Zeit, auf qualifizierte Fachkräfte zugreifen könnten, die kompetent Ihre Herausforderungen meistern und das auch noch zu geringen Kosten? Oder möchten Sie Ihre gegenwärtig schon sehr kompetenten Mitarbeiter nicht abwandern sehen? Der weit verbreitete Fachkräftemangel macht es uns nicht leicht, diese Wünsche zu erfüllen. Dabei übersehen wir jedoch, dass wir jetzt schon genau diese Möglichkeiten haben, die wir uns von der Zukunft wünschen. Welche technologischen Fortschritte wurden bereits erzielt und wie können wir sie nutzen?

Artificial Intelligence, wie in Science Fiction Filmen, setzen uns bei diesem Begriff die Vorstellung eines menschenähnlichen Roboters in den Kopf, welcher das Menschsein nicht ganz so souverän beherrscht wie wir dies tun, uns aber in Sachen Intelligenz weit übertrifft. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir läuft bei dem Gedanken an eine solche Gestalt ein Schauer über den Rücken.

AI ist jedoch viel mehr als diese gruselige Vorstellung. Künstliche Intelligenz lässt sich grob in drei Kategorien einteilen und erklären:

1. ANI (Artificial Narrow Intelligence)
Dies ist die erste Stufe der AI. Sie bezieht sich auf eine Intelligenz, die sich auf das Beherrschen eines konkreten Bereichs spezialisiert. Beispielsweise ein Computer, der Schachspieler im Schach besiegen kann; die Funktion von Amazon, die uns vorschlägt, was wir als nächstes kaufen könnten; intelligente Spracherkennung; Google-Suche usw.

2. AGI (Artificial General Intelligence)
Diese zweite Stufe der AI bezieht sich auf die Bandbreite von Intelligenz, die ein Mensch beherrscht. AGI wäre also in der Lage, all das zu tun, was ein Mensch kann, und das womöglich sogar besser. Nachdenken, Probleme lösen, planen, abstrakt und strategisch denken, kommunizieren, fühlen etc.

3. ASI (Artificial Superintelligence)
Die dritte Stufe der AI beschreibt eine Intelligenz, welche über die menschlichen Fähigkeiten weit hinaus geht und unvorstellbare Dinge leisten kann. Hiervon sind wir noch weit entfernt. Da technologischer Fortschritt jedoch nicht linear, sondern exponentiell erfolgt, könnte ASI nicht nur Unvorstellbares leisten, sondern auch unerwartet schnell erreicht sein.

Artificial General Intelligence ist noch nicht gegenwärtig und wird erst in Zukunft unser Arbeitsleben auf ungewisse Weise revolutionieren. Für heutige Herausforderungen können wir uns dessen bedienen, was uns Artificial Narrow Intelligence bietet.

Artificial Narrow Intelligence ist eingebettet in Netzwerkplattformen, wie beispielsweise LinkedIn. Es beschleunigt und unterstützt bei weltweitem Recruiting durch die Such- und Matchfunktionen. Diese bieten Kontaktmöglichkeiten zu den besten und qualifiziertesten potenziellen neuen Mitarbeitern. So werden nicht nur regionale oder nationale Kandidaten bei der Suche einbezogen, es stehen auf globaler Ebene Fachkräfte zur Auswahl.

Ist die Herausforderung des Fachkräftemangels mit der Ausweitung von Recruiting gemindert, so rollt damit gleich die nächste Herausforderung heran. Ein global agierendes Team braucht einen Leader, der es versteht, auf die Bedürfnisse seines Teams und der Teammitglieder einzugehen, ohne vor Ort zu sein. Die offene Tür erfüllt hier keinen Zweck; die Kommunikation per E-Mail ist aufgrund von Zeitverschiebungen und Bequemlichkeit eine verlockende Variante, stellt sich jedoch als viel zu unpersönlich heraus und dient nicht der Aufrechterhaltung einer Mitarbeiter-Vorgesetzten-Beziehung. Beim Telefonieren sind Gemütszustände, Humor und Einstellungen schon eher herauszuhören, dennoch wird es schwer sein, Bindungen in Form von beidseitigem Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühlen aufzubauen.

Um solche Bindungen zu etablieren benötigt man digitale Kommunikationsmittel, die mehr zu bieten haben. Grundlegend sind dafür zunächst:

  1. Schnelle und sichere Internetverbindung für Echtzeitkommunikation
  2. Headset und möglichst wenig Hintergrundgeräusche
  3. Webcam benutzen, das schafft ein Gefühl des Miteinanders
    Sind diese grundlegenden Bedingungen gesetzt, kann man Kommunikation folgendermaßen gestalten:
  4. Working out loud, online – Arbeit sichtbar machen und im Netzwerk teilen.
  5. Google Hangout/Slack etc., Plattformen mit Instant-Messaging-Diensten und Videokonferenzen, hiermit kann man Büroatmosphäre schaffen und beispielsweise die Videofunktion ohne Sound einschalten. Wenn man etwas sagen möchte, den Sound für den Moment einschalten – oder umgekehrt, Video ausschalten und Sound anlassen.
  6. Virtuelle Büros, in die man sich mit seinem Avatar einloggt und sich in Büros einklickt. Innerhalb des gewählten Büros kann man verbal und visuell mit anderen eingeloggten Kollegen kommunizieren. Dies schafft Gefühle des Zusammenhalts.
  7. Tablet auf Rädern, in Ihrem Büro vor Ort können Sie ein Tablet auf Rädern aufstellen, welches Ihr remote-arbeitender Mitarbeiter durch das Büro fahren kann. Der Mitarbeiter wählt sich beispielsweise über Skype ein und zeigt per Video sein Gesicht auf dem Tablet. Er kann es steuern und sich mit dem Gerät durch Räume bewegen und sich anderen zuwenden. Dies ermöglicht eine aktivere Interaktion und gibt der Person größere Wirkungsfreiheit.

Fazit:

Wir brauchen mit der Lösung unserer Herausforderungen nicht auf die Zukunft zu warten, die Gegenwart hat schon einiges zu bieten. Und gerade in der digitalisierten Arbeitswelt ist es essenziell für Leader, ihren Teams zu geben, was sie brauchen.

Mehr zum Thema „Führung in Zeiten des digitalen Wandels“ können Sie in dem Essential von Prof. Dr. Saaman lesen: http://www.springer.com/de/book/9783658197957

28. April 2018


Clara Wördenweber

Clara Wördenweber ist Masterstudentin der Wirtschaftspsychologie und beschäftigt sich mit Themen rund um New Work. Eine ihrer aktuellen Studien erforscht die Akzeptanz von Karrieresprüngen nach unten. Seit 2016 ist sie als Junior Consultant bei der auf Leistungskultur, Organisationslösungen und Managementaudits spezialisierten SAAMAN AG in Freiburg.