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Die Energiefrage

 
 
     
 

Dr. BjÖrn Peters

Die Energiefrage - #53

Klimawissenschaftliche Abstimmung
mit den Füßen

In Europa herrscht ein breiter Konsens darüber, dass Kohlekraftwerke so bald wie möglich abgeschaltet werden sollten. Hintergrund ist die Furcht vor sich änderndem Wetter infolge eines Anstiegs an Kohlendioxid in der Atmosphäre. In Asien wird diese Furcht ganz offensichtlich nicht geteilt. 2.000 Kohlekraftwerke sollen in den nächsten Jahren gebaut werden.

Die South China Morning Post berichtete in einem Artikel am 1. April, dass in den nächsten zwanzig Jahren mehr als 1.600 Kohlekraftwerke moderner Bauart in 60 Ländern durch chinesische Firmen gebaut werden sollen. Auch Japan möchte an dem wachsenden Markt für asiatische Kohlekraftwerke teilhaben und nach dem Bericht weitere 400 Kohlekraftwerke bauen und exportieren. In den USA glauben nach einer aktuellen Umfrage 69 Prozent der Republikaner (aber nur 4 Prozent der Demokraten), dass die Furcht vor Klimaveränderungen durch einen Anstieg an Kohlendioxid in der Atmosphäre übertrieben sei, wie eine aktuelle Umfrage des Gallup-Instituts ermittelte.

Dies steht in klarem Kontrast zu europäischen Glaubenssätzen. So hat der französische Präsident Macron den baldigen Kohleausstieg verkündet, in England ist er bereits beschlossen und in Deutschland ringt die Regierung noch um die richtige Besetzung einer Arbeitsgruppe, die Wege hin zu einem Kohleausstieg aufzeigen soll.

Die 2.000 asiatischen neuen Kohlekraftwerke würden zwar alte, weniger effiziente verdrängen, aber die meisten würden neuen Strombedarf in den aufstrebenden Staaten Asiens decken. Wenn diese Kohlekraftwerke im Durchschnitt 1.000 Megawatt an Leistung hätten und 5.000 Stunden pro Jahr liefen (was am unteren Ende der Erwartungen liegt), würden sie also je fünf Millionen Megawattstunden erzeugen, alle zusammen zehn Milliarden Megawattstunden. (Für jede Megawattstunde an Energie wird etwa eine Tonne an Kohlendioxid erzeugt.) Der zusätzliche Ausstoß an Kohlendioxid dieser Kohlekraftwerke beträgt also etwa zehn Milliarden Tonnen. Dies ist mehr als das Doppelte des gesamteuropäischen Ausstoßes an Kohlendioxid. Während Europa also mit allen Mitteln versucht, den Ausstoß an Kohlendioxid abzusenken, wird Asien seinen Ausstoß um ein Vielfaches unserer Einsparungen steigern – alleine im Stromsektor. Unsere Absenkung des Kohleverbrauchs lässt die asiatischen Staaten zudem hoffen, dass der Kohlepreis stabil niedrig bleiben wird.

Da es auch in Asien viele Küstenstädte gibt, kann es nur eine Interpretation geben. In Asien wird die Furcht vor Klimaveränderungen wie einem Anstieg des Meeresspiegels offensichtlich nicht geteilt. Da es vor allem auch in China, Indien, und Japan herausragende Klimawissenschaftler gibt, sind deren Schlussfolgerungen aus den wissenschaftlichen Ergebnissen wohl deutlich anders als in Europa, was es nach Ansicht westlicher Politiker eigentlich nicht geben dürfte. So sei an die Aussprüche Al Gores und Stefan Rahmstorfs erinnert, die die wissenschaftliche Debatte über den Klimawandel als „abgeschlossen“ bezeichneten. Klimawissenschaftlich ist der asiatische Ausbau der Kohlekraft daher eine Abstimmung mit den Füßen.

24. April 2018

Dr. Björn Peters

Peters beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Energiesektor in Zeiten der Energiewende unter wissenschaftlichen, volks- und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Er ist Inhaber der Unternehmens- und Politikberatung Peters Coll.