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Alfred Schmidt, hessischer Wirtschaftsminister a.D.
GLÜCKSKEKSE (3)
Neues vom "Netzwerk Hessen – China"

Rente mit 67, mit 65, mit 63? Oder gar noch früher? Die bei uns mit Vehemenz geführte Debatte um die gesetzliche Begrenzung der Lebensarbeitszeit hätte Prof. Dr.-Ing. Li Guohao, dem berühmten Brückenbauingenieur und Ehrenrektor der rund 55.000 Studenten zählenden Tongji Universität in Shanghai, vermutlich nur ein leises, weises Lächeln entlockt. Denn Li Guohao ging seinem Beruf – und zugleich wohl auch seiner Berufung – noch im stolzen Alter von 92 Jahren nach, und das mit Freude und Begeisterung.

Als ich zunächst mit ungläubigem Staunen reagierte, beim dortigen Besuch mit unserer »Netzwerk Hessen – China«-Delegation, wurde mir sofort mit völliger Selbstverständlichkeit erklärt: »Prof. Li Guohao hat unsere allerhöchste Anerkennung. Wir mögen ihn, wir lieben ihn, denn er vermittelt uns viele Werte und Dinge, die wir sehr zu schätzen wissen. Und solange er bei guter Gesundheit ist und sein Amt weiterhin unvermindert ausüben kann, soll er das auch unbedingt tun.« Man stelle sich nur eine derartige Szene in Deutschland vor! Doch in der Altersliga jenseits der Verrentung findet man hierzulande ja eher selten noch Gehör, abgesehen vielleicht von Ausnahmeerscheinungen wie Helmut Schmidt, der – als exzellenter China-Kenner, wie etwa seinem Buch »Ein letzter Besuch« zu entnehmen ist – sicher auch mit einem Quäntchen Neid auf diesen ganz speziellen chinesischen Respekt vor Wissen und Erfahrung blickt. Denn welche Chancen könnten sich so auch für Deutschland eröffnen, beispielsweise durch die gezielte Nutzung des Wissens und der Erfahrung aus den Reihen der hiesigen emeritierten Professorinnen und Professoren?

Respekt und Wertschätzung, so lauten sie, die Schlüsselworte. Was das auch im zwischenmenschlichen Bereich bedeuten kann, hatte mir Prof. Li Guohao bereits bei einem weit früheren Besuch der Universität demonstriert, als ich dort einen Vortrag halten sollte, mit einem von mir frei zu wählenden Thema. Ich hatte mich für »Eigentum an Grund und Boden« entschieden – was es in ganz China nicht gibt –, doch am Tag vor meinem Vortrag wurde ich krank und wollte das Ganze schon streichen. Da sagte der Professor zu mir: »Doch, Sie werden diese Vorlesung halten können. Ich gehe jetzt selbst in eine Apotheke und hole Ihnen die entsprechenden Medikamente. Sie müssen mir nur versprechen, dass Sie alles genau so einnehmen, wie ich es Ihnen vorgebe.« Das habe ich dann auch befolgt, war am nächsten Morgen tatsächlich wieder gesund und meinem Vortrag stand nichts mehr im Wege – dank des persönlichen Einsatzes von Li Guohao.

Wie sich später herausstellte, war dieser bemerkenswerte Mann auch ein früher Förderer des Co-Präsidenten von unserem »Netzwerk Hessen – China«, Prof. Dr.-Ing. Zeng Deshun. Und wie dieser hatte Li Guohao ebenfalls ursprünglich in Deutschland studiert. Während Prof. Zeng seine Ausbildung an der TU Dresden erhielt, wo er im Anschluss lehrte, absolvierte Li Guohao sein Studium an der TU Darmstadt, mit der er später, als Rektor der Tongji Universität, schließlich sogar einen Kooperationsvertrag schließen konnte – da war er vergleichsweise jugendliche 67.

Alfred Schmidt war hessischer Wirtschaftsminister 1987-1991,
seit 1995 Sonderbeauftragter der Stadt Kassel für Wirtschaftsförderung und Präsident des 2003 gegründeten Netzwerks Hessen-China (www.hessen-china.de).
Alfred Schmidt ist Mitglied im Bundeswirtschaftssenat des
Deutscher Arbeitgeber Verband