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Peter Schmidt, Präsident des DAV
"Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."

Erich Kästner hat diesen Satz einmal geschrieben, in welchem Kontext auch immer. Bezogen auf flächendeckende Umsetzung der Gender-Idee kann man jedenfalls sagen, dass allzuviele, die durch den "das-Geschlecht-ist-nur-eine-gesellschaftliche-Übereinkunft-Kakao" gezogen werden, davon trinken. Mehr noch: sie sind geradezu besoffen davon und können garnicht genug davon bekommen.

Im Vollrausch hört man Horden von Männern die Fangesänge auf das Gleichstellungsgesetz singen. Ein Gesetz, dass Männer zum Beispiel von innerbehördlichen Wahlen ausschließt. Ein Gesetz, dass Meinungs- und Wirtschaftsfreiheit einschränkt. Ein Gesetz, dass Männer – wie es Reinhard Sprenger sagt – heute schon in Bewerberrunden nur noch zur Sättigungsbeilage macht.

Das sich auch viele Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaft diesem Gelage hingeben und wider besseres Wissen – denn jeder Anhänger der freien Marktwirtschaft weiss, dass Quoten der Einstieg in die Planwirtschaft sind – also wider besseres Wissen den Umbau der Gesellschaft aktiv und gehorsam mittragen, ist eine Schande. Wie tief muss man sinken, um vor im besten Fall irregeleiteten, meist aber ideologisch-fanatisierten Gegnern einer freien, kapitalistischen Marktwirtschaft ergeben auf die Knie zu sinken?

Vor wenigen Tagen hat Reinhard Sprenger dazu in einem Interview der WELT (online Ausgabe) einige Antworten "für die Ewigkeit" dazu gegeben:

Sprenger: Da stimme ich Ihnen zu. Aber was eine Geschlechtermischung im Vorstand oder Aufsichtsrat mit Betriebswirtschaft zu tun hat, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Für mich ist die Anmaßung der Politik unerträglich. Wenn 50 Dax-Vorstände nach Berlin eingeladen werden und eine Ministerin sagt: "Ich erwarte von der Wirtschaft….", dann ist der eigentliche Skandal, dass keiner aufsteht und sagt: "Gute Frau, Sie haben hier gar nichts zu erwarten; soweit wir informiert sind, zahlen wir Ihr Gehalt! Anregungen gerne, aber sonst lassen Sie bitte die Wirtschaft in Ruhe." Ludwig Börne schrieb einst: Das Geheimnis der Macht besteht darin zu wissen, dass andere noch feiger sind als wir.

Welt Online: Sind Sie nicht zu hart in Ihrem Urteil? Geht es nicht in der Tat um eine Kombination der Führungsstile von Mann und Frau?

Sprenger: Wenn es um Kinder geht, wird immer biologisch argumentiert: Kinder brauchen Mütter. Wenn sie ins Management gehen, wird plötzlich soziologisch argumentiert: Männer und Frauen können alles gleich gut. Gibt es nun einen Unterschied oder nicht? Dabei wären Unternehmen gut beraten, das zu nutzen, was Frauen natürlicherweise mitbringen: Leistung anderer zu organisieren. Und auch das Spiel mit den sieben chinesischen Tellern können Frauen besser, vor allem Mütter. Frauen können Management, Männer können Planwirtschaft. Über all das kann man anderer Meinung sein. Aber es geht die Politik nichts an.

Welt Online: Was verändert die Quote?

Sprenger: Es ist ein Mythos, dass Frauen bewusst oder unbewusst von einem männlich dominierten Management diskriminiert werden. Gute Frauen setzen sich ohnehin durch – wenn sie wirklich wollen. Hingegen werden sich die Karrierechancen für Männer unter der Quote rein statistisch verschlechtern. Auf Jahrzehnte hinaus. Männer sind schon heute bei vielen Bewerberrunden nur noch Sättigungsbeilage. Niemand kann absehen, ob das wirtschaftliche Kollateralschäden haben wird. Verhängnisvoll finde ich den Angriff auf die Würde der Frauen. Spürt denn niemand, dass man Millionen berufstätige Frauen zu Opfern erklärt? Und dass die Politik sie opfert, um ihren medienwirksamen Luxusdiskurs abzufeiern? Man könnte meinen, die Quote sei ein Riesentrick der Männer, damit sie eine wirklich leistungsstarke Frau nicht als Wettbewerberin anerkennen müssen, weil sie ja "nur" eine Quotenfrau ist. Früher dachte ich, nur Quotenfrauen wie von der Leyen rufen nach der Frauenquote. Heute weiß ich es besser. Wer da ruft, das ist die Solidargemeinschaft barmherziger Brüder.

Beim Erklärungsversuch, warum so wenige den Mut haben, öffentlich aufzustehen und zu sagen: "Bitte lassen Sie die Wirtschaft in Ruhe" könnte noch einmal Erich Kästner helfen. "Alles, was gigantische Formen annimmt" hat er gesagt, "kann imponieren. Auch die Dummheit."

Wie weit kann man sich Führungskräften noch anvertrauen, die von der Dummheit geblendet und beeindruckt sind?

Peter Schmidt