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Alfred Schmidt, hessischer Wirtschaftsminister a.D.
GLÜCKSKEKSE (2)
Neues vom "Netzwerk Hessen – China"

"Del Schweineblaten ist gleich feltig, Mistel Caltwlight!" – was Hop Sing, der seit den 60er Jahren weltweit bekannte und beliebte chinesische Koch aus der legendären US-Westernserie »Bonanza«, seinen Rinderfarmern auf der Ranch »Ponderosa« auftischt, hat leider nur äußerst wenig zu tun mit dem, was Besucher im tatsächlichen China von heute an kulinarischen Herausforderungen erwartet.

Wobei in einem Land von der Größe Chinas natürlich stets die regionalen Besonderheiten zu beachten sind. In einer Stadt mit Meeresnähe muss man beispielsweise immer damit rechnen, dass einem auch ungewöhnliche Meeresfrüchte angeboten werden, wie etwa Seegurken, die nicht zu meinen wirklichen Favoriten zählen. Ich habe inzwischen jedoch gelernt, dass man auch dort nichts essen muss, das man nicht wirklich essen möchte, vorausgesetzt, man tritt mit angemessenem Taktgefühl auf und brüskiert seine Gastgeber nicht.

Setzt man indes, vereinfachend, nur auf Neugier und lässt sich überraschen, sind sehr spezielle Erfahrungen vorprogrammiert. So hat beispielsweise, während einer unserer jährlichen China-Reisen mit dem »Netzwerk Hessen-China«, ein nichtsahnender Delegationsteilnehmer auf diese Weise den kompletten Kopf einer Schildkröte verspeist. Ich selbst bekam, nachdem ich Makrelen bestellt hatte, selbige in einem Aquarium serviert, in dem die Tierchen noch munter herumschwammen. Man müsse sie einfach herausnehmen, an Schwanz und Kopf festhalten – und kräftig hineinbeißen. Den Fischen mache das nichts, die seien ganz fröhlich, denn sie schwämmen ja in Alkohol ... Gleichzeitig gab es allerdings auch eine harmlosere Überraschung: Der Wunsch nach einem vermeintlich typischen Reisgericht, geäußert von Kai Lorenz Wittrock, unserem exekutiven Vizepräsidenten, und Nicole Holzapfel, unserer Geschäftsstellenleiterin, blieb unerfüllt, denn in vielen Restaurants moderner Metropolen wie Shanghai betrachtet man Reis als »Arme-Leute-Essen«. Das wird gar nicht erst angeboten.

Worauf man sich ebenfalls einstellen sollte: Schmatzen und schlürfen gilt in China nicht als unfein, ganz im Gegenteil. Je besser die Suppe schmeckt, desto lauter wird geschmatzt. Wenngleich man das nicht unbedingt mitmachen muss, zumindest nicht in den großen Handelsmetropolen, die schon traditionell sehr offen für neue Anregungen und Impulse sind. Worin ja nicht zuletzt auch eine große Chance liegt: Ebenso auf diesem Gebiet der kulturellen Begegnung Dinge zu bewegen, bis hin zur Überprüfung der Umgangsweise mit lebendiger Kreatur schlechthin, denn der asiatische Bezug zum Leben ist schon ein deutlich anderer als bei uns.

Großes Takt- und Fingerspitzengefühl ist dabei indes unabdingbare Voraussetzung. Eine wohlüberlegte Gesprächseröffnung, bei der insbesondere auf den eigenen Respekt vor China als einer uralten und geachteten Kulturnation verwiesen wird, ist für alles Folgende, sei es zwischenmenschlicher oder wirtschaftlicher Natur, ein in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug einzuschätzender Schritt in eine erfolgversprechende Richtung.

ALfred Schmidt war hessischer Wirtschaftsminister 1987-1991,
seit 1995 Sonderbeauftragter der Stadt Kassel für Wirtschaftsförderung und Präsident des 2003 gegründeten Netzwerks Hessen-China (www.hessen-china.de). Alfred Schmidt ist Mitglied im Bundeswirtschaftssenat des
Deutscher Arbeitgeber Verband