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Peter Schmidt, Präsident DAV
Die Gedankenpolizei –
Gender Mainstream und politisch-korrekte Sprache

Aus dem stalinistischen Russland ist ein Witz überliefert, bei dem das Lachen schnell im Halse stecken bleibt. "Was ist der Unterschied zwischen einem Theoretiker, einem Praktiker und einem Sozialisten? Am Beispiel der Hasenjagd schnell erklärt. Der Praktiker schultert das Gewehr, geht in den Wald und erschießt den Hasen. Der Theoretiker unterteilt den Wald in Planquadrate, errechnet Wahrscheinlichkeiten und erlegt den Hasen auf dem Punkt. Und der Sozialist? Der nimmt die nächstbeste Katze, schlägt sie solange gegen einen Baum, bis sie zugibt, ein Hase zu sein."

George Orwell hat gegen diese Folter am Verstand zwei Bücher geschrieben die so aktuell sind wie je – und so ungelesen wie nie. "1984" und "Farm der Tiere" haben ein perfides Schicksal erlitten: beide Bücher wurden von der Linken vereinnahmt als ausschließliche Abrechnung mit dem deutschen Faschismus.

Tatsächlich jedoch hatte Orwell auch den linken Faschismus unter Stalin vor Augen, als er diese beiden berührenden Bücher schrieb. Denn jede Form von Totalitarismus, ob mit rechter, linker oder ökologischer Phraseologie vorgetragen, geht mit gleicher Choreographie vor: Im Interesse des Guten wird nach und nach alles, was nicht ins Weltbild passt erst bestritten, dann bekämpft - und zuletzt ausgemerzt.

In Orwells "1984" übernimmt die Gedankenpolizei die Aufgabe, alles, was nicht ins Weltbild passt, zu denunzieren und das "Gute" durchzusetzen. "Schädliche Begriffe" werden ausgemerzt, die Sprache wird "gereinigt". Der schädlichste Begriff von allen: Freiheit.

Zur Umerziehung wird eine neue, eine "bessere", Sprache eingeführt, Orwell nennt sie "Neusprech". Neusprech ist die Sprache des  Gutmenschen.

Es gehört nur wenig Phantasie dazu, dies in einen aktuellen Kontext zu setzen.

Den "Kampf um die Begriffe" hat die Linke seit 40 Jahren mit religiösem Eifer geführt, diesen Kampf um die Begriffe scheint die Linke auch gewonnen zu haben. Es ist ihr gelungen, den Neusprech "nach 68" sozusagen "flächendeckend" durchzusetzen. Mit allem Fanatismus wurden und werden Worte und Begriffe solange gegen den Baum geschlagen, bis sie zugeben, dem "Bösen" gedient zu haben. Noch aus den kleinsten Ritzen wird der Klassenfeind herausgezerrt, Weltliteratur der Inquisition ausgesetzt und Sprache vergewaltigt. Wir ertrinken in mantrahaft dahingeleierten, inhaltsleeren Phrasen. Diversity, Gendern und Prekariat, vertikal Herausgeforderte und den Angehörigen einer mobilen ethnischen Minderheit. Die Kulturabgabe statt GEZ-Zwangsgebühr, "Sonne-Mond und Sterne-Fest" statt Weihnachten. Die Tilgungswut kennt keine Grenzen, auch "Türke" und "Chinesenmädchen" sind suspekt und wurden aus dem Kinderbuch "Die kleine Hexe" wegzensiert. Mit der Zähigkeit des Religionskriegers werden immer neue Wortungeheuer geschaffen, hinter denen der reale Mensch zu einem Nichts verkommt.

Macht "Ausländer" oder "Migrant" einen Unterschied? Hinter "Migrant" jedenfalls verschwindet der lebendige Mensch vollends – Khaled, Zvonimir oder Filiz werden Fleisch und Blut genommen, sie sind nur noch  "Material" zum Nutzen  selbsternannter Opferbetreuer.

Weil aber jeder neugeschaffene Begriff schnell auch den Schöpfern wieder "schuldig" erscheint, dreht sich das Rad immer schneller – und am Ende stehen statt Worten nur noch Nummern. Der Gleichheitswahn hat dann die letzte Grenze überschritten. Der brutale Zwang ist die letzte Executive der Gedankenpolizei. Die braunen und die roten Sozialisten haben all das schon zu Ende geführt.

Warum eine ganze Gesellschaft tatenlos zusieht, wie die Katze am Baum zu Tode gequält wird? Warum Sie noch den nützlichen Idioten spielt und – als Beispiel – kriminelle Banden, die feuerzündelnd und marodierend unsere freiheitliche Grundordnung verspotten, nach deren eigenem Neusprech "Autonome" nennen und nicht korrekterweise Linksfaschisten? Weil die einzige Zukunftsutopie, die uns geblieben ist, geschlechtsneutrale Toilettenanlagen sind?

"Gut" heißt der Gutmensch, weil er immer das Gute will. Es wird ihm dabei schnell gleichgültig, wie und mit welchen Mitteln. Das unterscheidet ihn grundsätzlich, auch wenn es nur zwei kleine Pünktchen sind, vom gütigen Menschen.

"Wenn ich ein Wort gebrauche", sagt Humpty Dumpty in "Alice im Wunderland", "dann heißt es genau, was ich für richtig halte – nicht mehr und nicht weniger".

"Es fragt sich nur", sagt Alice darauf, "ob man Wörter einfach etwas anderes heißen lassen kann".

"Es fragt sich nur" – beendet Humpty Dumpty die Diskussion – "wer der Stärkere ist, weiter nichts".