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Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
Ohne Kurskorrektur wird die Energiewende scheitern

Die Energiewende in Deutschland hat zum Ziele, binnen drei Jahrzehnten aus einer Stromversorgung, die heute noch maßgeblich auf fossilen Energieträgern beruht, zu 80 % aus Erneuerbaren speisen zu lassen. Schon 2025 sollen es nach dem Willen der Großen Koalition 40 bis 45 % sein. Sicherlich wird  die Welt  in Zukunft stärker auf Erneuerbare Energien setzen. Doch für die nächsten Jahrzehnte setzen China, USA, Korea, Japan und Indien auf genau die fossilen Energieträger , von denen wir uns am liebsten heute schon verabschieden wollen.

Das hat Gründe. Ausser der Wasserkraft sind Wind,- Solar und Bioenergie deutlich teurer als herkömmliche Energieträger.  Im Augenblick werden in Deutschland im Jahr  24 Milliarden € per EEG-Umlage aufgewandt, um diese Differenz auszugleichen, Tendenz steigend.

Bundesumweltminister Gabriel weiß, dass bei ungebremsten Ausbau eine Kostenlawine von 1000 Milliarden  auf uns zukommt. Die Geringverdiener und Mieter finanzieren den Eigenheimbesitzern, Gutverdienern und Landwirten die Solardächer. Der dreiköpfige Durchschnittshaushalt wird mit 250 € jährlich zur Kasse gebeten. Wir fragen uns : Warum in aller Welt müssen wir in einem Land, daß eine Sonneneinstrahlung vergleichbar mit der von Alaska aufweist, in den nächsten Jahren die PV-Kapazität auf 52 000 MW ausbauen ? Zusammen mit Wind sind das dann mehr als 100 000 MW bei einer Höchstlast in Deutschland von 80 000 MW im Winter und 35 000 MW im Sommer. Wir werden noch häufiger als heute den  Strom ins Ausland entsorgen und Geld drauflegen, damit Österreich ,Holland, Polen ,Tschechien ihn uns abnimmt.

Die Nachbarn freuen sich nicht besonders über den über die Grenzen schwappenden Abfallstrom, denn er zerstört die Wirtschaftlichkeit der dort im Betrieb befindlichen Kraftwerke. Pumpspeicherwerke in Österreich und der Schweiz geraten in die Unwirtschaftlichkeit. Das kann doch nicht unser Plan sein ? Aber nicht nur der Überschuß wird zum Problem. Wind – und Solarenergie liefert keine gesicherte Leistung. Windkraftanlagen erzeugen augenblicklich nur so viel Strom, als würden sie gerade einmal 1800 Stunden im Jahr mit voller Leistung laufen. Bei Photovoltaik sind es 800 Volllaststunden. Das Jahr hat aber 8760 Stunden. Um eine 10 tägige Windflaute zu überbrücken, bräuchte man im Szenario der Bundesregierung eine Strommenge aus Pumpspeicherkraftwerken, die dem Volumen des Bodensees entspricht.

Es kommt eine netztechnische Herausforderung hinzu, die häufig vergessen wird. In einer hochentwickelten Industriegesellschaft benötigen wir jederzeit eine Sekundenreserve, dann wenn ein Stahlwerk angefahren wird, wenn ein ICE den Bahnhof verläßt, wenn das Flutlicht in einem Stadion eingeschaltet wird. Diese Sekundenreserve können nur Generatoren laufender Großkraftwerke liefern, die in Sekunden automatisch die Nachfrage ausgleichen. In Deutschland benötigt man hierfür zur Zeit etwa 15 000 MW laufender konventioneller Kraftwerke. Photovoltaik und Windkraftwerke sind dazu nicht in der Lage.

Die Photovoltaik macht in der Mittagsspitze die Pumpspeicherwerke und die Gaskraftwerke unwirtschaftlich. Als einzige Lösung wird diskutiert: ein Kapazitätsmarkt, also die Subvention von unwirtschaftlich gewordenen Gas- und anderen Kraftwerken – eine Subvention zur Vermeidung von Nachteilen der Subvention der Erneuerbaren, damit das System nicht zusammenbricht.
Um einen Brennstoffwechsel von Braunkohle zu Gas auszulösen, müssten sich die CO2 Preise verzehnfachen, was einen verheerenden Effekt auf die Strompreise und die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie hätte. Die zukünftigen Gaspreise sind kaum kalkulierbar, die heimische Förderung der Braunkohle ist sicher und kostenstabil sowie von  Weltmarkteinflüssen völlig unberührt. Die Braunkohle aus dem rheinischen Revier und der Lausitz ist der Garant für den Erhalt der deutschen  energieintensiven Industrie, sei es die Erzeugung von Stahl , Kupfer, Silizium oder Aluminium, sei es die Grundstoffchemie  oder  die Erzeugung technischer Gase wie Sauerstoff, Wasserstoff, Chlor oder Ammoniak. Wer hier die Axt anlegt, muss wissen, dass mit einem Wegfall dieser Produktionen die vertikal integrierten Wertschöpfungsketten der Metallverarbeitung, der Elektro- und chemischen Industrie ins Wanken geraten. Die Stromkosten für die Industrie sind schon heute um 26 % höher als der EU-Durchschnitt. Zu den USA beträgt der Unterschied mittlerweile bei 150 %. Der schleichende Prozess der Deindustrialisierung hat bereits begonnen. Die Gewinner unserer Arbeitsplatzverluste werden die USA und Fernost sein.

Natürlich brauchen wir auch neue Speichertechnologien, wie die Elektrolyse von Wasser durch Windstrom (Kosten zur Zeit 30 Ect/kwh ), oder die Methanisierung ( Umsetzung von Wasserstoff zu Methan, Kosten zur Zeit 70 Ect/kwh ), Druckluftspeicher (20 Ect/kwh), Pumpspeicherkraftwerke (7 Ect/kwh). Aber diese Kosten kommen auf die Erzeugungskosten obendrauf.

Zu allem Überfluß wird mit jedem neugebauten Windkraftwerk, mit jederm neuen Solardach nicht ein Gramm CO2 vermieden. Das liegt an der Tatsache, dass in Europa der Ausstoss an CO2 durch den Zertifikatehandel festgelegt ist. Werden also durch ein neues Windkraftwerk CO2-Mengen eingespart, werden automatisch CO2-Zertifikate freigesetzt, die irgendwo in Europa wieder zu zusätzlichen CO2-Emissionen führen.Deutschland hat heute einen Anteil von 2 % an der weltweiten CO2 Emission, China 27 % mit steigender Tendenz. Um es  salopp zu formulieren : Der  Beitrag der CO2 Reduktion durch einen Verzicht auf Braun-und Steinkohle in Deutschland wird durch das Wachstum in China in zwei Monaten wieder wettgemacht.

Aber warum machen wir eine überhastete Energiepolitik mit hohen Schlagzahlen und großen Gefahren für  die soziale Balance, den Wirtschaftsstandort Deutschland und unsere Natur ?
Sie ist Angst getrieben. Sie ist getrieben von der Angst, dass wir mit CO2 unser Klima kaputt machen.

Es häufen sich aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse, das die Klimawirkung des CO2 durch den Weltklimarat maßlos überschätzt worden ist. Seit 16 Jahren hat es keine  signifikante globale Erwärmung mehr gegeben, obwohl doch in diesem Zeitraum ein Drittel der historischen CO2 Emissionen erfolgten und der CO2- Gehalt der Atmosphäre Jahr für Jahr steigt. Die Klimamodelle, die sich allesamt in ihren Prognosen als falsch erwiesen haben, können die natürlichen Schwankungen des Klimas nicht berechnen. Die 60 jährigen zyklischen Ozeanströmungen haben zur Häfte zur Erwärmung zwischen 1978 und 1998 beigetragen und jetzt , da sie in ihre kühle Phase übergegangen sind, wird bis 2030 keine wesentliche Erwärmung zu erwarten sein. Einen weiteren Abkühlungsbeitrag wird die Sonne leisten, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in einer ihrer aktivsten Phasen seit 1000 Jahren war und nun in eine außergewöhnliche Schwächephase geraten ist, wie wir sie seit 200 Jahren nicht erfahren haben. Ja, CO2 ist ein klimabeeinflussendes Gas, es wird aber die globale Mitteltemperatur auf der Erde bis 2100 nicht mehr als 1 bis 1,5 °C ansteigen lassen.

Die Natur gibt uns also reichlich Zeit unser Energiesystem auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Warum dann ein überstürzter Alleingang, der soviel aufs Spiel setzt ? Keine Nation der Erde wird uns folgen, wenn festzustellen ist, dass die eigene industrielle Basis zerstört wird und die Bürger finanziell überfordert werden.

Es bedarf einer grundlegenden Reform des Erneuerbaren Energiegesetzes, die Kosten sind zu begrenzen und der Ausbau darf erst wieder Fahrt aufnehmen, wenn Ausgleichskraftwerke, Speicher und Netze in ausreichender Kapazität zur Verfügung stehen. Erneuerbare werden eine Zukunft haben, dort, wo sie wettbewerbsfähigen Strom produzieren und Netze den Strom aufnehmen und zum Verbraucher transportieren können. Subventionieren der Technologien von gestern durch Einspeisevergütungen muß ersetzt werden durch eine massive Förderung von neuen technologischen Lösungen. Der Entwicklungsingenieur, die start-ups müssen wieder im Vordergrund stehen und nicht mehr die Projektentwickler und Fondbesitzer, die zum hundertsten mal einen Wind-oder Solarpark wie gehabt ans Netz bringen, ohne sich darum kümmern zu müssen, wann und wohin der Strom eingespeist werden soll. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz in der heutigen Fasung unterstützt die alten Hüte des letzten Jahrzehnts, bringt keine CO2 Minderung und erodiert den Industriestandort Deutschland. Es ist kein Exportschlager sondern ein Auslaufmodell, dessen Folgen kaum noch zu bewältigen sind.

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt,
ehemaliger Umweltsenator von Hamburg
und Autor von "Die kalte Sonne"