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Dr. Rosemarie Kay, IfM Bonn
Unternehmensnachfolge – eine lösbare Aufgabe

In den letzten Wochen war in den Medien wieder einmal die Rede von einem Nachfolgenotstand. Gibt es tatsächlich nicht genügend geeignete Nachfolger? Und wenn ja, woran liegt dies?

Tatsache ist, dass die Anzahl der mittelständischen Unternehmen, die in den nächsten Jahren vor der Übergabe stehen, kontinuierlich ansteigt. Schließlich macht der demografische Wandel – konkret die Alterung der Erwerbsbevölkerung – auch nicht vor den Unternehmern halt. Auf der anderen Seite führt dies auch dazu, dass tendenziell weniger Nachfolger zur Verfügung stehen. Dennoch – und das ist die erste gute Nachricht - wird nach Schätzungen des IfM Bonn und des ifh Göttingen die Anzahl der an einer Übernahme Interessierten bis zum Ende dieses Jahrzehnts die Anzahl der zur Übergabe anstehenden Unternehmen übersteigen.

Warum ist dennoch immer wieder zu hören, dass viele Mittelständler keinen Nachfolger finden? Dies hat meines Erachtens verschiedene Gründe: Hauptgrund für das Scheitern der Nachfolgesuche ist das Fehlen ökonomischer Grundvoraussetzungen: Ein Übernehmer lässt sich üblicherweise nur finden, wenn das Unternehmen gute Zukunftsaussichten besitzt und den Renditeerwartungen des Übernehmers entspricht. Diesen Grundanforderungen genügt eine Vielzahl gerade von Kleinstunternehmen jedoch nicht. Erschwert kann die Nachfolgersuche aber auch dadurch werden, dass das Unternehmen in einer ländlichen Region angesiedelt ist, in die potenzielle Übernehmer nicht ziehen wollen. Im Handwerksbereich ist zudem nicht auszuschließen, dass es Gewerke gibt, für die tatsächlich nicht mehr genügend potenzielle Übernehmer zur Verfügung stehen, weil die entsprechenden Berufe sehr stark an Attraktivität verloren haben.

Abgesehen von gewissen regionalen und branchenspezifischen Einschränkungen ist in den nächsten Jahren also keineswegs ein Nachfolgenotstand zu erwarten. Allerdings empfiehlt es sich für einen Unternehmer, rechtzeitig die Frage zu klären, was aus dem eigenem Unternehmen wird, wenn er aus der Führung ausscheidet. Schließlich ist dies nicht nur für den Unternehmer selbst von elementarer Bedeutung, sondern auch für seine Familie, seine Mitarbeiter und – je nach Größe des Unternehmens – für die Region, in der das Unternehmen angesiedelt ist. Mit anderen Worten: Wird die Nachfolgefrage nicht rechtzeitig und sachgerecht beantwortet, sind Vermögensverluste auf Seiten des Unternehmers und Arbeitsplatzverluste auf Seiten der Beschäftigten möglich.

Deswegen: Die Klärung der Nachfolgefrage sollten Mittelständler nicht auf die lange Bank schieben, denn sie ist nicht über Nacht herbeizuführen. Vielmehr zieht sich der gesamte Übergabeprozess zumeist über mehrere Jahre hin. Und er stellt den Unternehmer vor Aufgaben, die nicht zum Alltagsgeschäft gehören.

Ein erfolgreicher Übergabeprozess beginnt mit der frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem "eigenen Abschied" vom Unternehmen und den Gedanken darüber, wie mögliche Nachfolgelösungen aussehen könnten: Gibt es in der eigenen Familie einen Nachfolger? Ist dieser ansonsten unter Umständen im eigenen oder einem anderen Unternehmen zu finden? Gibt es vielleicht einen Investor oder ein Konkurrenten, der darant interessiert wäre, das Unternehmen zu übernehmen.

Mit der Prüfung der eigenen Überlegungen und der geeigneten Schritte setzt sich der Übergabeprozess fort. Wegen der Besonderheit der anstehenden Fragen empfiehlt es sich gleichwohl, einen Berater hinzuzuziehen. Ist der Nachfolger gefunden, sind Führung und Eigentum übergeben, steht der eigene Rückzug an. Dieser sollte nicht allzu lange hinausgezögert werden, denn Studien zeigen, dass eine längere Zeit der gemeinsamen Führung dem Unternehmen eher abträglich sind.

Zu bedenken bleibt für Mittelständler auch, dass das eigene Ausscheiden aus dem Unternehmen nicht immer planbar ist, sondern jederzeit aufgrund von Unfall, langwieriger Erkrankung oder plötzlichem Tod anstehen kann. Für diese Eventualitäten ist Vorsorge zu treffen, insbesondere in Unternehmen, deren Leitung in starkem Maße vom Inhaber abhängig ist.
Gut aufgestellte Mittelständler, die die Nachfolge rechtzeitig mit professioneller Unterstützung angehen, brauchen daher auch in Zukunft keine Angst vor einer Nachfolgerlücke zu haben.

Dr. Rosemarie Kay
ist stellvertretende Geschäftsführerin
des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn