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Kommentar
Aus dem Wörterbuch des Gutmenschen: Nachhaltig

Es dürfte kaum einen zweiten Begriff aus der Welt des Gutmenschen geben, der ähnlich wie "Nachhaltigkeit" bis zur Besinnungslosigkeit strapaziert ist. Dies gerade deshalb, weil er vollkommen diffus ist, jeder noch so abstrusen Anwendung standhält und als religiöses Mantra Sinnstiftung vorgibt.

Ursprünglich, 1987, als  "sustainable development" von der Brundtland-Kommission (die "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung") in die Welt gesetzt  und dann von grünen Eiferern durch den forstwirtschaftlichen Begriff "Nachhaltigkeit" ersetzt.

Wilfred Beckermann, seinerzeit Professor für Ökonomie an der Universität Oxford, hat in seinem Buch "Mangel an Vernunft" früh analysiert, dass "absolutistische Konzepte der Nachhaltigen Entwicklung – zum Beispiel, dass wir die Umwelt genauso zu bewahren haben, wie sie heutzutage ist – moralisch abstoßend sind". Angesichts der akuten Armut und der Verschlechterung der Umweltbedingungen, unter der ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt, können wir nicht rechtfertigen, enorme Ressourcen zu verbrauchen, um zu versuchen, beispielsweise jede einzelne der vielen verschiedenen Arten von Käfern vor dem Aussterben zu bewahren. Die Ressourcen wären besser verwendet für dringendere Umweltbelange, so etwa für einen steigenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, für Sanitäreinrichtungen in der Dritten Welt oder für eine Verbesserung des Bildungsstandards für Frauen in vielen Entwicklungsländern.

Das Diktat der Nachhaltigkeit ist als Meinungs- und Handlungsdiktatur angelegt. Tatsächlich hat sich mit dieser Kampflosung eine inzwischen alle Lebensbereiche erdrückende Bürokratie aufgebläht, die nach immer mehr Ressourcen und immer mehr Macht giert und sich jeder rationalen Kontrolle entziehen kann - und auch längst entzieht. Bei Licht betrachtet gibt es keinen einzigen Lebensbereich mehr, den der Gutmensch nicht mit der "Wortbrücke ins Nichts" – Nachhaltigkeit – betritt.

Nachhaltig sind dabei vor allem die handfesten ökonomischen Vorteile für den Gutmenschen, denn es hat sich eine mafiös verzweigte Subventionslandschaft aufgebaut, an denen eine Unzahl von Organisationen  bestens verdienen und die einem aufgeblähten Überwachungs-Apparat immer mehr Macht zukommen lässt.

Beckermann zählt diese Subventionsgewinnler akribisch auf:

"Solche Institutionen umfassen Firmen, die hoffen an den Subventionen für die Herstellung von Brennstoffzellen, Methanol, Windturbinen und dergleichen zu partizipieren; Bürokraten, die ihr Budget ausweiten und mehr Fördergelder bekommen wollen, indem sie zeigen, wie viel mehr Projekte sie leiten müssen und wie viel mehr Rechtsvorschriften sie anwenden müssen; die Medien, die größere Märkte finden können, wenn sie an das Verlangen der Öffentlichkeit nach Geschichten appellieren, die ihnen erzählen, dass wir alle am Rande eines aufregenden Abgrunds leben; und die Umweltinteressengruppen, die begierig sind, ihre Mitgliedschaften und ihr Budget auszuweiten. Diese Koalition der Kräfte wird sicher gewinnen – zumindest in den reichen Ländern.  Jeder kann mitmachen. Jedes Lieblingsprojekt – vom Kampf gegen Verkehrsstaus bis zur Sorge um den Weisskopfseeadler und der Befürchtung, dass unsere Enkelkinder der wesentlichen materiellen Überlebensgrundlagen beraubt sein werden – kann unter die Losung der Nachhaltigen Entwicklung gestellt werden. Kein wissenschaftlicher Beweis und kein ernsthaftes logisches Argument sind notwendig, um Unterstützung für einen besonderen Zweck zu gewinnen. Alles, was gebraucht wird, um sicherzustellen, dass das Lieblingsprojekt Zustimmung gewinnt, ist das Herunterleiern des Mantras "das wird im Interesse der Nachhaltigen Entwicklung gebraucht"
Unser Rat: den Begriff komplett aus dem Sprachgebrauch streichen. Wer sein Unternehmen zum Beispiel "nachhaltig" entwickeln möchte, kann mit wenig Gedankenaufwand auch konkret sagen, was exakt er damit meint und was er vorhat. Nur wenige Sätze mehr schaffen ein Universum an Klarheit und Verständlichkeit. Denn merke: nur wer sich klar ausdrückt wird auch klar handeln.

Also: zukünftig immer 5 Euro ins "Sprachschluder-Schweinderl" wenn wieder einmal nachhaltig ein klares Wort umgangen wird.

Peter Schmidt