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Kommentar
Freibier für alle

Die nächste Wahl zum Deutschen Bundestag steht an und mit ihr wie immer eine Leistungsschau des erreichten Grades an Bigotterie und Verdrängung in unserer Gesellschaft.

Mir geht es dabei weniger um die Berge an Lasten, die aufgehäuft und nach menschlichem Ermessen auch nicht mehr abgetragen werden können. Diesen Lastenberg werden wir – um im Phrasendeutsch des links-grünen Mainstreams zu bleiben – unseren Kindern ohne Reue aufladen. Auch wenn wir ansonsten diese Welt „nur von unseren Kindern geborgt haben“.

Nein, ich meine eher den Umgang mit Freiheit. Freiheit im Sinne der Möglichkeit eines Individuums, sich ohne Zwang entscheiden zu dürfen und sein Leben selbstverantwortlich zu leben – diese Freiheit ist inzwischen restlos verpönt und unter Generalverdacht.

Freiheit im Sinne von „frei von jeder Verantwortung“ – diese Freiheit hat Konjunktur. In diesem Kontext ist keine Forderung mehr nieveaulos genug, um nicht plakatiert und als ernstgemeinter Beitrag zum politischen Diskurs hinausgeschwafelt zu werden. „Reichtum für alle“ forderte die Linke im letzten Wahlkampf – wer solche Sätze zum Druck freigegeben hat, hatte auch die Forderung der Piraten nach „Freigabe aller Drogen“ für sich selbst schon längst umgesetzt.

In einer Traumgesellschaft, in der alle gleich sind, muss ja glücklicherweise niemand mehr Verantwortung übernehmen. Wohin diese Politik führt, haben wir fast ein halbes Jahrhundert bewundern dürfen in Ländern des real-existierenden Sozialismus. Das Gedächtnis von vielen Menschen aber ist kurz und die Verdrängung groß.

Milton Friedmann, einer der angesehensten Nationalökonomen, hat den berühmten Satz gesagt: „There is no such thing as a free lunch“. Auf deutsch könnte man salopp sagen: „Freibier für alle gibt es nicht“.

Warum? Jede Hausfrau weiß es: Irgendwann ist Zahltag. Irgendjemand wird die Rechnung begleichen (müssen). Einem gut geölten Verdrängungsapparat hingegen bereitet das keine schlaflosen Nächte. Es klingt doch alles so fair und gerecht: kostenloses Internet, kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenloser Nahverkehr, kostenlose Bildung, kostenlose Kindergärten – die Reihe darf jeder nach eigenen Vorlieben fortführen. Fühlen Sie sich so frei.

Aller verschwurbelten Nachhaltigkeit zum Trotz halten es da die Damen und Herren auf links-grüner Seite nach dem saarländischen Motto: „Hauptsach gut gess und trunk“. Die Kosten werden, wie bei allen, die sich an ihren Visionen berauschen, auf endlose Ferne vertagt. Und bis dahin wird sich schon noch eine neue Steuer finden, um die Party im Gang zu halten.

Die alte Gastwirtsregel „Wer bestellt, bezahlt“ hat im politischen Raum keine Geltung mehr.

Peter Schmidt