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Oskar Loewe, GF Landesverband Schweiz des DAV

Schweiz: Neue Schule für Recht und Courage

Pfäffikon SZ – Ausländische Unternehmen horchen auf. Dies, da sich die Stimmung in der Schweizer Industrie aufhellt, und der tiefere Franken wieder Investitionen zulässt. Unternehmen, welche schon lange einen Marktgang in der Schweiz planten, weitere Schritte aber wegen rückläufigen Entwicklungen in der Schweizer Industrie auf Eis gelegt hatten, werden nun wieder aktiv. Für neue Projekte empfiehlt Oskar Loewe, Landesbeauftragter Schweiz bei Deutscher Arbeitgeber Verband e.V., eine neue Rechtsschule. «Hier lernen Mitarbeiter, die aktuell oder in Zukunft mit dem Schweizer Rechtssystem in Berührung kommen, wie man vor Ort Rechtsstreitigkeiten vermeidet, und noch die Kundenbindung steigert».

Gut zwei Jahre hatte es gedauert, bis sich ausländische Auftraggeber an die durch die Franken-Aufwertung vom Januar 2015 gestiegenen Einkaufspreise der Schweizer Industrie gewöhnt hatten. Jetzt nehmen die Auftragseingänge wieder konstant zu und haben sich vor allem im Juni und Juli 2017 soweit stabilisiert, dass die Unternehmen erstmals seit sechs Jahren wieder Personal einstellen. Diese Entwicklung, und die im August erfolgte Verteuerung des Euro auf CHF 1.15, wirkt für ausländische Unternehmer nun wie ein nochmaliger Startschuss für neue Aktivitäten und Investitionen am Standort Schweiz, auf die man sich aber angemessen vorbereiten muss.

Rechtsschule für den Alltag

Der Verein Rechtspermanence, vor 15 Jahren in Luzern vom Rechtssoziologen Hubertus Hollenweger gegründet, lancierte in Luzern 2016 die «Rechtsschule für den Alltag». Dabei handelt es sich um eine Rechtsschule für alle, die jetzt oder in Zukunft mit dem Schweizer Rechtssystem in Kontakt kommen. Die Kurse werden ab Ende Oktober 2017 wöchentlich an einem Abend und samstags durchgeführt. Der Kursort ist entweder Luzern, Bern oder Zürich. Der Betreiber, der Verein Rechtspermanence bietet auch juristische Beratung, Mediation und Schiedsgerichtstätigkeiten an, jedoch keine anwaltlichen Dienste. Ausserdem betreibt der Verein eine kostenpflichtige 24-Stunden-Hotline sowie eine Gratisrechtsberatung jeden Samstagmorgen in Luzern.………

Leute finden sich schlecht zurecht

«Wir stellen in unseren Beratungen fest, dass sich die Leute in juristischen Fragen schlecht zurechtfinden», sagt Hubertus Hollenweger, Präsident von Rechtspermanence, Mediator und Initiant der Rechtsschule. Die neue Schule soll hier Abhilfe schaffen. «Jene, die bei uns Rat suchen, tun dies aus den immer gleichen Gründen», sagt er. Das sei unnötig, denn viele Probleme des Geschäftslebens und des alltäglichen Lebens – etwa Vertragssachen, Mietstreitigkeiten und sogar gewisse strafrechtliche Angelegenheiten – könnten oft einfacher gelöst werden, wenn bei Laien mehr juristisches Wissen vorhanden wäre, ist Hollenweger überzeugt.

Wissen um das Recht bedeutet Freiheit

Den Einwand, der konkrete Nutzen einer solchen Rechtsschule für Laien sei begrenzt, da diese bei einem handfesten Rechtsstreit so oder so einen Rechtsbeistand beiziehen müssten, lässt Hollenweger nicht gelten. «Bei einem Streit braucht es zuallererst Kommunikation – und diese ist einfacher, wenn man mehr Wissen hat», sagt er. Wissen bringe in juristischen Angelegenheiten mehr Freiheit. Wer sich seiner Rechte nicht sicher sei und dadurch Angst habe, juristisch über den Tisch gezogen zu werden, der gehe eher zu einem Anwalt, erklärt der Mediator. «Wir wollen, dass die Leute zuerst aufeinander zugehen. Erst als weiteren Schritt braucht es dann allenfalls eine jur. Vermittlung oder das Gericht», sagt Hollenweger.

Voranmeldung ab sofort möglich

Die Kurse an der Rechtsschule in Luzern sollen darum stark auf die juristischen Probleme des Alltags ausgerichtet sein und nicht Spezialfälle behandeln. Hier sieht der Initiant auch die klare Abgrenzung zur Hochschulbildung. «Wir bieten in einem Semester eine allgemeine Ausbildung an. Dies insbesondere für Nichtakademiker», sagt Hubertus Hollenweger. Wer den Lehrgang besucht, erhält am Ende ein Zertifikat. Prüfungen gibt es keine, «doch die Erwartung ist, dass sich die Schüler konstant mit dem Stoff auseinandersetzen», so Hollenweger. Den Stoff vermitteln Juristinnen und Juristen, es sind aber auch Gastdozenten bis hin zu Staatsanwälten mit von der Partie.
Weitere Informationen über die Kurse: www.rechtsschule.ch   
Anmeldung unter: rechtsschule@rechtsphilo.ch

Rechtsschulen historisch

Als Rechtsschulen werden berühmte Lehrstätten des Rechts bezeichnet, insbesondere in der römischen Antike und im Islam. Auch unterschiedliche Denkrichtungen innerhalb der Rechtswissenschaften und der Scharia werden so bezeichnet. Die bekanntesten Rechtsschulen der Antike befanden sich in Beirut und in Konstantinopel. Im römischen Recht war vor allem die Schule der Sabinianer und Prokulianer bedeutsam. Spätere bedeutende Schulen waren im Mittelalter jene an der Universität Bologna und der Universität Pavia.

Rechtsschulen ab dem 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert gab es die Historischen Rechtsschulen in Deutschland. Nach Auflösung des Reichskammergerichts wurde vor allem die Rechtsschule Wetzlar bekannt. Heute werden als "Rechtsschule" auch Vertiefungsstudien bezeichnet, die deutschsprachige Universitäten im Ausland anbieten, beispielsweise die Deutsche Rechtsschule an der Universität Szeged oder die Österreichische Rechtsschule in Brünn oder, schon sehr früh, an der damaligen Kaiserlichen Hochschule in St. Petersburg.

Rechtsschulen im Islam

Islamische Rechtsschulen werden als Madhhab bezeichnet. Der Begriff steht für verschiedene Richtungen in der Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. In der Frühzeit des Islam – seit dem 8. Jahrhundert – haben sich mehrere Rechtsschulen herausgebildet, von denen heute vor allem 5 bis 6 von Bedeutung sind. Es sind dies für die Sunniten die Rechtsschulen der Hanafiten (Hanafiya), der Malikiten (Malikiya), der Schafiiten (Schafi'iya) und der Hanbaliten (Hanbaliya).

Über den DAV

Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. (DAV) ist ein bundes- und europaweiter Zusammenschluss von Unternehmern und Entscheidungsträgern in unternehmerähnlichen Positionen (Vorstände und Aufsichts- bzw. Verwaltungsräte) in bedeutenden Unternehmen sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und Politik. Der Verband wurde 1948 erstmals mit dem Ziel gegründet, die tragenden Prinzipien der freien Marktwirtschaft im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Der Landesverband Schweiz ist mit der Wahrnehmung und Förderung aller Belange der angeschlossenen Unternehmen in der Schweiz und von dort aus befasst. Auch bietet er Unternehmen Unterstützung bei Planung und Umsetzung notwendiger Schritten zur Sicherung der Arbeitsplätze am Standort Schweiz sowie bei Expansionsprojekten, Marktgang und der Vermittlung vorhandener Produktionskapazitäten.
www.deutscherarbeitgeberverband.com

 

4. September 2017

   

Josef Kraus

Oskar Loewe

Der Autor lebt und arbeitet seit 2001 in der Schweiz. Zunächst als Geschäftsführer in Produktionsunternehmen tätig, wechselte der gelernte Boots- und Schiffbaumeister und Dipl. Betriebswirt 2009 als Geschäftsführer Schweiz in einen bekannten dt. Mittelstandverband. Seit 2015 ist er als Geschäftsführer Schweiz bei Deutscher Arbeitgeber Verband tätig.