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Moritz MÜcke

Warum Trump seinen Medienkrieg mit CNN gewinnt

 

Fast alle großen deutschen Medien haben darüber berichtet, dass Präsident Trump letzte Woche einen animierten Tweet absendete, der ihn dabei zeigt, wie er in einer alten Wrestling-Fernsehsendung auf einen Mann einprügelt, dessen Kopf via Photoshop in das Logo des Medienkonzerns CNN verwandelt worden war. Ebenso haben unsere Medien nachvollziehbarerweise darauf hingewiesen, wie bizarr und kindisch so ein Tweet für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten doch sei.

Was allerdings verschwiegen wurde ist die Tatsache, dass es sich bei ebenjenem Tweet um die am öftesten geteilte Kurznachricht überhaupt von Trumps Konto handelt [1]. Und das hat immerhin fast 34 Millionen Follower. Es ist also keine Übertreibung, zu sagen, dass Trump mit dem Post einen Nerv getroffen hat – und zwar nicht nur unter seinen Hardcore-Unterstützern.

Das hat mehrere Ursachen. Zumindest eine liegt darin begründet, dass die amerikanischen Mediengiganten ihre Mitarbeiter beinahe ausschließlich aus jenem Milieu rekrutieren, das weder geographisch noch intellektuell für die Mehrheit der Amerikaner repräsentativ ist. Im Gegensatz zu den konservativen und oft wirtschaftlich abgehängten Amerikanern im Landesinnern, die Trump letzten November das Weiße Haus sicherten, lebt der typische CNN-Journalist in einer linksliberalen Großstadt in Küstennähe, welche sich kulturell stärker an Europa orientiert als am Kernland. Es ist nicht überraschend, dass die in dieser Atmosphäre entstehende mediale Berichterstattung in der Wahrnehmung großer Bevölkerungsschichten künstlich und abgehoben daherkommt.

Trump hat den amerikanischen Medienkrieg also nicht angezettelt, der war längst da, als er im Januar vereidigt wurde. Schon 2012 gab es bei den republikanischen Vorwahlen eine Szene, die die aktuelle Situation in geradezu prophetischer Weise vorauszeichnete: In einer Präsidialdebatte fragte der Journalist John King – ausgerechnet von CNN! – den Bewerber Newt Gingrich, ob dieser sich nicht zu Beginn der Runde Zeit nehmen wolle, zu einem (außerordentlich fadenscheinigen) Vorwurf seiner Ex-Frau, das Privatleben betreffend, Stellung zu beziehen. "Nein, aber ich werde es trotzdem tun," donnerte Gingrich zurück und schlussfolgerte, er sei "entsetzt" dass King "mit so einem Thema" eine Präsidialdebatte eröffnen würde. Es folgte ein kurzer Vortrag zu journalistischer Ethik, nach welchem King einen gefühlten Kopf kleiner vor den Kandidaten stand. Der mit Republikanern gefüllte Saal tobte förmlich vor Genugtuung. Die verbale Vermöblung der Massenmedien war für sie ein emotionaler Genuss. [2]

Wenn Trump nun symbolisch auf das CNN-Logo einprügelt, hat das für viele einen hohen Unterhaltungswert. Trumps schamloser Versuch, den Markenkern der Massenmedien zu ruinieren, ist dabei absolut transparent. Er wirft ihnen vor, immer die gleiche Leier über eine angebliche Verbindung seiner Präsidentschaftskampagne zur russischen Regierung zu spielen. Und das zu einer Zeit, in der der konservative Undercover-Journalist James O'Keefe CNN-Produzenten heimlich dabei filmt, wie sie offen zugeben, die Russland-Story sei "größtenteils Bullshit" und würde nur aufgrund großartiger Einschaltquoten ständig lanciert. [3] Es gibt schlicht und einfach keine Beweise. CNN weiß das, und jetzt weiß auch die Öffentlichkeit, dass CNN es weiß.

Trump ist also nicht der einzige, der mit harten Bandagen spielt. Allerdings stellt er sich dabei momentan wesentlich geschickter an als der von ihm als "Fake News" bezeichnete Medienkonzern. Als die Wrestling-Animation – im Internetjargon auch als "Meme" bezeichnet – sich zum viralen Hit entwickelte, lief etwa der CNN-Moderator Jim Acosta wie ein Lemming in Trumps ausgeklügelte Falle. Als Acosta, ebenfalls per Twitter, die Frage stellte, ob Wrestling nicht "Fake" sei, holte Trumps Sohn, Donald Jr., per Gegen-Tweet zum Todesstoß aus: "Doch, genau wie eure Berichterstattung." Das tat weh. Juniors Tweet wurde über fast vierzigtausendmal geteilt. Das überrascht nicht, bedenkt man, dass das Vertrauen der Amerikaner in ihre Nachrichten schon letztes Jahr auf einen historischen Tiefstand gesunken ist. [4]

Aber CNNs Tollpatschigkeit hörte da noch lange nicht auf. Aus welchem Grund auch immer entschied man sich dafür, ausnahmsweise einmal echten Journalismus zu betreiben und den Macher des Wrestling-Memes aufzuspüren. Dabei handelt es sich um eine Privatperson auf der Social-Media-Plattform reddit, die dort mit dem offenbar nicht ausschließlich von Star Wars inspiriertem Nutzernahmen "HanAssholeSolo" auftritt. Als CNN bei ihm auch anscheinend rassistische Medieninhalte fand, entschied sich einer ihren Journalisten, Andrew Kaczynski dafür, einen Artikel zu veröffentlichen, in dem er behauptete, er habe "HanAssholeSolo" eine Entschuldigung für sein Verhalten abgewinnen können, werde dessen echte Identität also nicht preisgeben. So weit, so gut. Allerdings behielt Kaczynski es sich explizit vor, diese von ihm offenbar als großzügig wahrgenommene Auflage zurückzuziehen, falls der reddit-User es sich doch noch mal anders überlegte. Dummerweise empfanden große Teile des Internets das als einen Erpressungsversuch und sorgten dafür, dass das Hashtag "CNNBlackmail" sich auf Twitter viral verbreitete. Damit hatte CNN sich den nächsten PR-Skandal eingeheimst. [5]

Dementsprechend ist Trump in seinem Medienkrieg auf der Siegerstraße. CNN kann sich möglicherweise damit trösten, dass ihre Schlagzeilen mittlerweile so auf der Höhe der Zeit sind, dass, würde man versuchen sie per Zeitmaschine 20 Jahre in die Vergangenheit zu befrachten, man nichts als Unglauben ernten würde: Eine Variante wie "CNN spürt HanAssholeSolo auf, nachdem Präsident Donald Trump Wrestling-Meme tweetet" wäre meines Erachtens sicher so ein Kandidat.

 

[1] http://thehill.com/homenews/administration/340693-trumps-cnn-wrestling-tweet-is-his-most-retweeted

[2] https://www.youtube.com/watch?v=cj7OHEnz9KE

[3] http://dailycaller.com/2017/06/27/cnn-producer-calls-trump-russia-story-mostly-bullsht-says-ceo-encouraged-russia-coverage-video/

[4] http://www.washingtontimes.com/news/2016/sep/14/gallup-poll-american-trust-in-news-media-falls-to-/

[5] https://www.washingtonpost.com/news/the-intersect/wp/2017/07/05/the-reddit-user-behind-trumps-cnn-meme-apologized-but-cnnblackmail-is-the-story-taking-hold/?utm_term=.3bee1209930c

24. Juli 2017

Josef Kraus

Moritz Mücke

Moritz Mücke ist ein Ph.D.-Student in Politik an der Graduiertenschule des Hillsdale College in Michigan. 2015 war er ein Publius Fellow am Claremont Institute.