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Hubert Königstein

Faktencheck: Rentenangleichung Ost und West

Seit 2004 wurden die Renten im Westen um 18,75 % erhöht, im Osten um 29,29 %.

Die Rentenzahlbeträge per 31.12.2015 betrugen im Durchschnitt

-     Männer West 1.040 €
-     Männer Ost    1.124 €
-     Frauen West     580 €
-     Frauen Ost        846 €

Unter Berücksichtigung der Rentenerhöhungen 2016 im Westen 4,25 %, im  Osten 5,95 % und 2017 im Westen 1,9 % und im Osten 3,59 % liegen die Rentenzahlbeträge für

-     Männer West 1.104 €
-     Männer Ost    1.233 €
-     Frauen West     616 €
-     Frauen Ost        928 €

Bei einem durchschnittlichen Renteneintrittsalter von 62 Jahren im Westen und 59 Jahren im Osten und einer Lebenserwartung von 73 Jahren bei den Männern und 80 Jahren bei den Frauen betragen die Gesamtrentenbezüge ohne Berücksichtigung weiterer Rentenerhöhungen bei den

-     Männern West 148.834 €
-     Männern Ost    207.250 €
-     Frauen West    133.086 €
-     Frauen Ost       233.986 €

Im Osten werden wie im Westen die Rentenbeiträge mit 18,7 % vom Bruttoarbeitslohn berechnet und gezahlt - es wird aber so getan, als wären Rentenbeiträge von einem rund 20 % höheren Bruttoarbeitslohn gezahlt worden.

Das ist der Mechanismus, wie man die Westrentenbeiträge in den Osten schafft. Der mickrig niedrigere Rentenfaktor im Osten fällt da nicht mehr ins Gewicht.

Seit der Wiedervereinigung ist die Produktivität im Osten unverändert nur 70 % der des Westens. Um das Gleiche herzustellen, was 100 Arbeitnehmer im Westen produzieren, braucht man im Osten 142 Arbeitnehmer.

Wie Politiker auf den Gedanken kommen konnten, dass eine Angleichung der höheren Ostrenten an die niedrigeren Westrenten durch weitere stärkere Erhöhungen der Ostrenten bewirkt wird, kann niemand nachvollziehen.

Aber man kann das Prinzip erkennen: Je weniger Beitrag gezahlt wird, desto höher ist die Rente. Siehe auch die Mütterrente von Nahles. Die Erhöhung der Mütterrente um 6 Mrd. € p.a. bedeutet, dass die gesamten Rentenbeiträge von

910.748 Durchschnittsverdienern

mit einem Bruttolohn von

34.857 €

nicht ihrer Altersvorsorge dient, sondern ihr gesamtes Arbeitsleben lang ständig und dauerhaft auf Bankkonten von Müttern landen.

Mit dem Schlachtruf "Gerechtigkeit" werden die ungerechtesten Verhältnisse geschaffen. Und dies so komplex verschachtelt, das niemand mehr erkennen kann, wer gerade welche Hand in wessen Tasche hat.

Ob diejenigen Politiker, die solche Gesetze verabschiedet haben, überhaupt in Kenntnis der Fakten waren?

8. Mai 2017


Hubert Königstein
Diplom Finanzwirt