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Hertkorns USA Presseschau

 
 
 
 
 
 
 

Dr. Michaela C. Hertkorn, Journalistin

Hertkorns USA Presseschau

 
 

Rex Tillerson, früherer CEO des ExxonMobil Öl-Giganten sei nicht primär wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten Außenminister geworden. Zum Aussenminister gemacht hätten ihn vielmehr all jene Patriarchen, die hinter dem 'Projekt Trump' stünden, u. a. Warren Buffett, David Rockefeller, Henry Kissinger. Diese wollten dass jemand aus dem Ölgeschäft die Geschicke US Amerikanischer Außenpolitik in den kommenden vier Jahren leite – so der geopolitische Experte F. William Engdahl.

http://www.globalresearch.ca/rex-tillerson-and-the-myths-lies-and-oil-wars-to-come/5571556

Was ist der größere, weitere Kontext?

Nach den Worten von Steve Horn, umzingelten Exons Erdöl- und Erdgas Interessen das Südchinesische Meer auf einer Route von Vietnam und den Philippinen bis nach Indonesien und Malaysia. Der Russische Konzern Gazprom sei ebenfalls in Vietnam aktiv. Und während sich die allermeisten westlichen Ölkonzerne bislang von dieser Region ferngehalten hätten, gelte dies für Exxon keineswegs. Ein bereits 2006 von Wikileaks veröffentlichtes US State Department Telegramm verdeutlicht, die Chinesen begannen bereits damals damit, andere Länder vor der versuchten Erschließung und Erkundung von Öl- und Gasvorkommen im Südchinesischen Meer zu warnen; dies exakt zu einem Zeitpunkt als Tillerson Geschäftsführer bei Exxon wurde. Den Angaben der 'US Energy Information Administration (EIA)' zufolge, beliefen sich die Erdöl- und Gasvorkommen auf jeweils 1311.645181 Liter (11 Milliarden 'barrels') sowie 5380.2008752229995 Kubikmeter natürlichen Gases (190 Billiarden 'cubic feet').

http://www.globalresearch.ca/rex-tillerson-backs-aggressive-policy-in-disputed-south-china-sea-as-exxon-russia-eye-regions-oil-and-gas/5572581

Die FAZ berichtete erst am 27. Dezember 2016 über Chinesisches Pläne eine neue Seidenstrasse für den Handel von Osten nach Westen aufleben zu lassen: Für eine Milliarde Dollar bauten die Chinesen Handelswege nach Europa und Afrika aus. Es gehe um Häfen, Bahnlinien, Gasleitungen – sowie potentiell um das Ziel, zur größten Wirtschaftsmacht der Welt zu werden.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/handelswege-der-zukunft-chinas-neue-seidenstrasse-14593210.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/wachstumsmaerkte/internationale-wirtschaft-chinas-neue-seidenstrasse-nach-athen/13353506.html

Wie aber werden diese Entwicklungen von Amerikanischer Seite aus wahrgenommen?

Goldmann Sachs Analysten warnten am 7. Februar 2017 vor einem sich abzeichnenden und eskalierenden Handelskrieg zwischen den wirtschafltichen Antagonisten USA und China. Und Alibaba Gründer Jack Ma mahnte am 6. Februar  2017: "Hört der Globalisierungs-bedingte Handel auf, kommt es zum Krieg".

https://www.rt.com/business/376584-us-china-trade-war/

https://www.rt.com/business/376431-jack-ma-trade-war-globalisation/

Während die Trump Administration also alles in allem einen versöhnlicheren Ton gegenüber Putins Russland anzuschlagen scheint, eskalieren die US Amerikanischen Beziehungen mit China.


Am 8. Februar 2017 äußerte sich Präsident Trump in einem exklusiven Superbowl-Interview mit dem konservativen TV Moderator Bill O'Reilly folgendermaßen zu Russlands Präsident Putin.

O'Reilly: "Putin ist ein Killer. Er ist ein Killer..."

Trump: "Es gibt viele Killer, es gibt viele Killer. Denken Sie, unser Land ist so unschuldig? Wir haben viele Fehler gemacht. Ich war von Anfang an gegen den Irakkrieg. Es gibt viele Killer… Ich war nicht für den Krieg. Aber wir sind dann zu schnell raus, als wir dort (im Irak) waren. ISIS wurde in diesem Vakuum geschaffen…"

https://www.billoreilly.com/b/Bills-Full,-Unedited-Super-Bowl-Interview-with-President-Trump/444978139135366653.html


Den freundlichen Signalen vonseiten Trumps gegenüber Russland stehen die forschen Äußerungen der neuen US Amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen gegenüber. US Botschafterin Nikki Haley verurteilte Anfang Februar 2017 Russische Politik in der Ostukraine. Aber auch bei der Region Donbass scheint es um Handelsbeziehungen, um Handelswege, und um Gas und Öl zu gehen.

Arina Tsukanova, Oriental Review, 8. Februar 2017 http://www.globalresearch.ca/what-america-should-know-about-annexed-crimea-we-the-people-of-crimea/5573750

http://www.globalresearch.ca/oliver-stone-calls-on-president-trump-to-declassify-all-secret-documents-on-ukraine-conflict/5573424


In seiner 2001 Veröffentlichung über die ‚Geostrategische Triade' schrieb Zbigniew Brzezinski, ewiger US Amerikanischer außenpolitischer Berater von der Carter bis Obama Administration das Folgende: "Eurasische Politik hat Europäische Politik als das zentrale Gebiet der Weltpolitik ersetzt".

Zbigniew Brzezinski, Living with China, in: The Geostrategic Triad. Living with China, Europe, and Russia (Center for Strategic and International Studies: Washington, DC), 2001.

Einer seiner früheren Veröffentlichungen dürfen wir entnehmen:

"Das potentiell gefährlichste Szenario (für Amerikansiche Vormacht) dürfte in einer großen Koalition zwischen China, Russland und unter Umständen dem Iran liegen – in einer (für Amerika wahrhaft) anti-hegemonialen Koalition".

Zbigniew Brzezinski (1997), The Grand Chessboard. American Primacy and its Geostrategic Imperatives, Seite 55.

Aus Brzezinskis Analysen und aus einer Karte des ersten nachstehenden Links dürften die sich derzeit abzeichnenden Konfliktszenarien und das Säbelrasseln gegenüber dem Iran – mit ultimativer Stossrichtung China – erklären und deuten lassen.

Die Handelswege der Neuen Chinesischen Seidenstrasse vom Reich der Mitte nach Europa führen schließlich über Zentralasien und dann nicht zuletzt über Teheran, Iran.

http://www.pwc.de/de/internationale-maerkte/german-business-groups/assets/china-new-silk-route.pdf

www.chinanetz.info: Die Neue Seidenstrasse – New Silk Road

Führt man sich auf der anderen Seite die engen Beziehungen zwischen Russland und China vor Augen, so scheint es fraglich dass sich diese beiden Hegemonialmächte der Eurasischen Landmasse wirklich von US Avancen auseinander dividieren lassen werden.
Siehe hierzu u. a.

http://www.arte.tv/guide/de/058379-000-A/chinesen-auf-dem-vormarsch

http://www.cfr.org/china/shanghai-cooperation-organization/p10883

https://cpianalysis.org/tag/new-silk-road/

https://de.sputniknews.com/politik/20151022305133364-putin-russland-strebt-beziehungen-mit-europa-und-den-usa-an/


Während es für den US Amerikanischen Präsidenten Donald Trump um die Rückführung im Zuge von Freihandelsabkommen an China verlorener Jobs nach Amerika gehen mag, scheinen Teile des US Amerikanische außen- und sicherheitspolitischen Establishments im Aufstiege Chinas eine existentielle Bedrohung zu sehen.

Hier sei vor allem an Vertreter des neo-konservativen Projektes eines 'Neuen Amerikanischen Jahrhunderts (PNAC)' zu denken.

https://www.loc.gov/item/lcwa00010308/


Unabhängig davon, welche Richtung sich in den Hallen Washingtons unter Donald Trump durchzusetzen vermag – Trumps isolationistischer Ansatz 'Amerika zuerst' oder eine Kontinuität des sogenannten Amerikanischen Exzeptionalismus unter Bush und Obama - Im Jahre 1904 formulierte der geopolitische Denker und Brite Sir Halford Mackinder:
Eine Landmacht möge in der Zukunft in der Lage sein, eine Seemacht herauszufordern. Mackinder dachte an Russland.  Es ging ihm um die Bedrohung Britischer Seemacht durch eine Eurasische Macht.
Fast erscheint es so, als wäre China den Amerikanern heutzutage was für Mackinder damals Russland war.

Artyom Lukin, 7. Februar 2015, http://thediplomat.com/2015/02/mackinder-revisited-will-china-establish-eurasian-empire-3-0/

http://www.globalresearch.ca/neocon-iran-contra-elliot-abrams-for-key-deputy-secretary-of-state-position/5574079

Wo genau aber positioniert uns dies in Deutschland – dieses gefährliche 'Spiel' auf dem geopolitischen Schachbrett? Wie genau sieht das mit Deutschen Außenhandels- und Wirtschaftsinteressen – eingebettet in einem krisengeschüttelten Europa, aus ?

 

13. Februar 2017

 
   


Dr. Michaela C. Hertkorn

Michaela Hertkorn studierte Politische Wissenschaften an der Universität Heidelberg.
Seit 2013 ist sie Mitglied des Deutschen Presse Verbandes. Ihre journalistische und schriftstellerische Arbeit konzentriert sich auf die US Außen- und Sicherheitspolitik.
Michaela Hertkorn besitzt die Staatsbürgerschaften von Deutschland und den USA.