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Julia Halbig, Kommunikation, SALUS

Salus - 100 Jahre gelebte Selbstverantwortung

Seit 1916 fertigt Salus aus Kräutern wohltuende Tees, Tonika, Tropfen und Tabletten. Otto Greither, der 91-jährige Sohn des Gründers, lenkt seit mehr als 70 Jahren das Unternehmen und hat das menschliche Miteinander zu seiner Unternehmensphilosophie gemacht.

Vom Tegernsee aus sah Otto Greither München brennen. Am nächsten Tag machte er sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach München, um zu schauen, was von dem Unternehmen seiner Eltern übrig geblieben war. Er war 20 und Vollwaise.

Für das Unternehmen Salus war 1945 ein zweiter Neuanfang. Otto Greither, der Sohn des Firmengründers Dr. med. Otto Greither, stand damals vor den abgebrannten Ruinen. "Aber es blieb ein Stück stehen, mit dem wir nach dem Krieg wieder anfangen konnten", erinnert er sich. Er war froh, dass er und seine Freunde überhaupt ein Dach über dem Kopf hatten.

Jeder half jedem

Es war eine Zeit unvorstellbarer Not. Otto Greither fiel die Rolle des Familienvorstands zu – für seinen Bruder Hans, aber auch für seine Freunde. Die Mitarbeiter von Salus wur den zu einer Art Familienersatz. Jeder half jedem.

Im Alter von 20 Jahren galt Greither damals noch nicht als erwachsen, die Volljährigkeit erreichte man erst mit 21. Er war daher nicht befugt, die Firma zu leiten. Ein Notar bestätigte ihm aber, dass er aufgrund seiner Erfahrungen durchaus als volljährig angesehen werden konnte, sodass er schließlich als Geschäftsführer von Salus eingetragen wurde. Nach dem ersten Jahr des Wiederaufbaus begannen Otto Greither und seine Mitstreiter Tee herzustellen.

Ein lebendiges soziales Geflecht

Otto Greither steht inzwischen seit 71 Jahren an der Spitze von Salus. Er hat eine Unternehmens-Gruppe aufgebaut mit mehr als 400 Mitarbeitern, die rund 1.500 verschiedene Produkte auf Kräuterbasis herstellen, von Tees über Tonika und Tropfen bis zu Tabletten und Dragees. Jährlich macht Salus rund 100 Millionen Euro Umsatz.

Wie unfassbar groß der Sprung von den bescheidenen Verhältnissen nach dem Krieg in die Gegenwart ist, zeigt sich am Tee: Insgesamt 300 Tonnen Kräuter, Früchte und Gewürze verarbeitet Salus inzwischen jedes Jahr zu Tee. Allein die hergestellten Filterbeutel aus diesem Zeitraum würden aufgegossen 97.000 Badewannen mit dem wohltuenden Getränk füllen.

Wer Otto Greither fragt, wie er aus Salus ein international erfolgreiches Unternehmen gemacht hat, der merkt, dass die schwere Anfangszeit ihn bis heute prägt: "Ich habe nie vergessen, dass hinter dem Erfolg von Salus Menschen stehen. Ein menschliches Miteinander war stets Teil meiner Lebens- und Unternehmensphilosophie." Er hat das sozialverantwortliche Handeln zu einem seiner Grundsätze gemacht. Nach dem Verständnis von Otto Greither ist eine nachhaltige Unternehmensausrichtung nur möglich, wenn neben ökonomischen und ökologischen Aspekten auch sozialverantwortliches Handeln im Fokus steht. So versteht sich Salus als lebendiges soziales Geflecht.

Erfolgsschlager Floradix

Die Firma ist über die Jahrzehnte gewachsen. Dafür sorgten auch zahlreiche Firmenzukäufe. Ende 1962 erwarb Otto Greither vom Unternehmen Wilhelm Blumenthal die Floradix Arneimittelfabrik in Wiesbaden, die Floradix Kräuterblutsaft Eisentonikum herstellte. Das Arzneimittel wurde von Salus-Wissenschaftlern im eigenen Labor weiterentwickelt und stieg zum umsatzstärksten Produkt der Firma auf. Es ist das wahrscheinlich weltweit am meisten verkaufte alkoholfreie Tonikum gegen Eisenmangel.

1966 übernahm Otto Greither das Alpenländische Kräuterhaus, das Arzneikräuterteemischungen vertrieb. Die Räume von Salus in München platzten bald aus allen Nähten. Greither sah sich nach einem neuen Firmengelände um. Die Wahl fiel auf Bruckmühl – eine knappe Autostunde von München entfernt. Schritt für Schritt erfolgte der Umzug und im August 1968 wurde der Betrieb eröffnet.

1978 kam die Firma Dr. Dünner zu der Gruppe hinzu, die sich den stärkenden Wirkungen von Pflanzen und insbesondere Heilkräutern widmet. Das Schweizer Traditionsunternehmen wird inzwischen in der Familie weitergeführt.

Hinaus in die weite Welt

Der Schlüssel für die starke Entwicklung von Salus lag jedoch nicht in der Erweiterung der Gruppe, sondern in der weiten Welt. Otto Greither erkannte früh die Veränderungen am Markt und wusste, dass der Vertriebsweg allein über die Reformhäuser nicht ausreichen würde, um die Existenz seines Unternehmens langfristig zu sichern. Der Verkauf von Salus-Produkten in Apotheken und Drogerien kam in der Nachkriegszeit mit Rücksicht auf die Reformhäuser nicht in Frage. Greither setzte deshalb auf den Export seiner Produkte. Mit Erfolg.

"Im Jahr 1998 verkauften sich unsere Tees am besten auf Barbados. Pfefferminztee war dort so begehrt, dass der Kunde von uns verlangte, die Transportpaletten aus den Containern zu entfernen", erinnert sich Greither. "Wir sollten die Teeschachteln bis an die Decke stapeln, um mehr Packungen im Container unterzubringen. Jeden noch so kleinen Hohlraum mussten wir mit Teeschachteln füllen."

Mit Herbaria in die Naturkostgeschäfte

Schon früh hatte Otto Greither das wirtschaftliche Potenzial der Naturkostläden erkannt. Doch damit war er seiner Zeit voraus. Viele Partner der Reformhausbranche teilten seine Überlegungen nicht. Die Reformwarenhersteller hatten Exklusivverträge mit der Reformhausgenossenschaft abgeschlossen und durften offiziell nur Reformhäuser beliefern.

"Wir haben schon immer ‚Bio' gemacht", sagt Otto Greither, der seit jeher Wert darauf legt, möglichst viele seiner Rohstoffe aus biologischem Anbau zu beziehen. Für Salus war es dennoch nicht einfach, diese neue Käufergruppe zu erreichen. Um dennoch Fuß in der Biobranche zu fassen, entschied sich Otto Greither 1979, das Unternehmen Herbaria zu erwerben. Das 1919 im badischen Philippsburg gegründete Unternehmen war nicht im Reformhaussektor aktiv und hatte einen anderen Kundenkreis als Salus. Zwei Jahre nach der Übernahme begann Herbaria damit die ersten Naturkostgeschäfte zu beliefern.

Vom Wettbewerber zum Partner

1991 übernahmen Otto Greither und sein Sohn Peter den größten Wettbewerber – das Unternehmen Schoenenberger. Damit stieg die Salus-Gruppe zum Marktführer in der Reformhausbranche auf. Beide Unternehmen passten sehr gut zusammen, nicht nur aufgrund einer ähnlichen Firmenphilosophie, sondern auch weil es wenige Überschneidungen bei den Produkten gab. Schoenenbergers Stärke – die Pflanzensäfte – waren in dieser Qualität und Auswahl einzigartig.

Zur Übernahme kam es, weil Dr. Hans Schoenenberger, der Sohn des Unternehmensgründers, in den Ruhestand wechselte und sich im Kreis der Familie kein Nachfolger fand. "Ich habe Schoenenberger nur übernommen, damit es nicht an einen Konzern geht", erzählt Otto Greither. "Noch auf der Fahrt zum Notar habe ich den Gründerenkel gefragt, ob er die Firma nicht doch selbst weiterführen will."

Generationenwechsel

Vergangenes Jahr feierte Otto Greither seinen 90. Geburtstag. Er ist damit einer der ältesten, noch aktiven Geschäftsführer in Deutschland. Seinem Qualitätsanspruch, der Verbundenheit zur Natur und nicht zuletzt seinen Mitarbeitern ist er bis heute treu geblieben. Seine unternehmerischen Grundsätze sind heute mehr als denn je modern - Otto Greither lebt sie unbeirrt seit über 70 Jahren.

Sein Jubiläum nahm er zum Beispiel zum Anlass, um auf dem Betriebsgelände in Bruckmühl eine neue Mitarbeiterkantine zu eröffnen. Beim Bau kamen vor allem regionale und möglichst natürliche Materialien zum Einsatz. Die Heizung wird mit Abwärme aus der Produktion betrieben, und in der Küche kommt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Die Küche bietet ausschließlich Lebensmittel aus biologischem Anbau an.

Das vergangene Jahr brachte zudem eine für die Zukunft von Salus bedeutsame Veränderung. In der Geschäftsführung wird Otto Greither seit Mitte 2015 von seinem Nachfolger Dr. Florian Block verstärkt. Der Betriebswirt und Rechtsanwalt will die Firmenphilosophie fortführen: "Sinnvolle Innovationen, nachhaltiges Handeln, soziales Unternehmertum und Rücksicht auf die Umwelt sind die Eckpfeiler unserer Erfolgsgeschichte, auf die wir ‚Salusaner' berechtigt stolz sind. Den Herausforderungen der Zukunft können und werden wir im Bewusstsein dieser Tradition erfolgreich begegnen." Salus bleibt somit ein Familienunternehmen, das seine Wurzeln kennt und in diesem Bewusstsein voller Zuversicht in die Zukunft blicken kann.

Erfahren Sie mehr über Salus unter www.salus.de

12. Dezember 2016