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Samuel Schirmbeck, ex-ARD Korrespondent Algerien

Und das alles hat nichts mit dem Islam zu tun?

"Hat alles nichts mit dem Islam zu tun?" "Hat doch alles mit dem Islam zu tun!" lauten die ersten beiden Kapitelüberschriften des vorliegenden Buches, das ich geschrieben habe, weil es mit der Islamdiskussion in Deutschland "nicht so weitergehen kann, wenn das so weitergeht" (Kurt Tucholsky): seit 9/11, seit nun 15 Jahren, wiederholen Islamverbände, linker und grüner  Mainstream samt Kirchen und einem Grossteil der Medien trotz Madrid, London, Brüssel, Paris, Nizza, Würzburg etc., trotz Casablanca, Djerba, Dakha, Rakka usw. den Refrain: hat alles nichts mit dem Islam zu tun!

Das muss aufhören, dieses Abschieben der weltweit unüberhörbar im Namen des Islam begangenen Barbarei auf einen "Islamismus", der Linken, Grünen, ja selbst Teilen der Sozialdemokratie  und der CDU zufolge "nichts mit dem Islam" zu tun hat. Der "Islamismus" hängt für sie irgendwo im Nirgendwo, aus dem er regelmäßig zuschlägt,  ist ideologisch nicht  zu verorten, schon gar  nicht im Islam selbst: alles fliegt in Stücke, nur der Islam bleibt heil.

Diese eingebildete Mauer, dieses Phantasieprodukt, diese Lüge der frommen Denkungsart, diese Trennmauer,  die den Islam vor der längst überfälligen Auseinandersetzung mit seinem Obskurantismus schützt und die seit 15 Jahren in jeder Talkshow  neu errichtet wird, muss fallen, damit der Blick in das Innere des Islam frei wird, der in seiner Grundsubstanz eben nicht so "friedlich und tolerant" ist wie uns permanent gepredigt wird, sondern einen "verfluchten Teil" ( Ahmed Tourabi, marokkanischer Journalist) enthält: das fassen in diesem Buch Musliminnen und Muslime - also keine "reaktionären" europäischen "Islamfeinde" -  in Worte, wie man sie in der deutschen Islamdiskussion noch nie gehört hat. Es sind, noch einmal, muslimische (!) Theologen, Philosophen, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, aber auch "einfache Leute" meist nordafrikanischer Herkunft, die angesichts der tödlichen Irrwege des Islam nicht nur um ihre  Heimatländer fürchten, sondern auch um Europa, das für sie "ein strahlendes Licht" ( Abdallah Taia, marokkanischer Schriftsteller) in der islamischen Finsternis darstellt, eine letzte Hoffnung.

Auch mich hat entsetzt, dass alles, was ich an immer gewalttätigerer Fundamentalisierung des Islam in Algerien während meiner zehn Korrespondentenjahre erlebt habe, nun auch nach Europa herüberkommt, dass man auch in Deutschland vor religiösem Wahnsinn nicht mehr sicher ist, dass es die Gottesgrenze, die einst im Mittelmeer das Haus des Islam vom Reich Christi trennte, nicht mehr gibt, dass die Allah-Zone sich insofern von Algier bis nach Aarhus ausgedehnt hat - als beispielsweise  "die islamische (Blasphemie)-Gesetzgebung, die nur für  islamische Länder gilt, nun auch in Ländern angewandt wird, die es nicht sind", so die französische Historikerin Lucette Valensi.

Kurt Westergaard und die Redaktion von "Charlie Hebdo" zeugen davon. Deshalb habe ich das Buch geschrieben, weil mit dieser Entwicklung Schluss gemacht werden muss, indem man endlich den Islam zur Verantwortung zieht und nicht irgendeinen "Islamismus", und indem  endlich damit aufgehört wird, jene 50 -70 Prozent der Deutschen, die die Entwicklung des Islam und seine permanenten Forderungen nach Sonderrechten beunruhigen, als "islamophob", "reaktionär" und "fremdenfeindlich" diffamiert.

Diese Deutschen sind nicht "islamophob". Gegen den Islam als einen Weg zu Gott haben die Deutschen nichts , so lang dieser Weg nicht mit Gewalt und Intoleranz gepflastert wird. Sie sind nicht islamophob, sondern nur gewalto-phob, homophobo-phob, mysogino-phob, fanato-phob, intoleranto-phob.

Diese Deutschen wollen nicht, dass Gewalt und Diskriminierung im Namen von Religion und Weltanschauung , die wir selbst auch erst mühsam überwinden mussten , durch die Hintertür der Religionsfreiheit fundamentalistische Urständ feiern. Wir haben jetzt rund eine Million Muslime mehr im Land, höchste Zeit für eine endlich ehrlich geführte Islamdebatte.

Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, wenn Sie deshalb als "islamophob" beschimpft werden. In Wirklichkeit befinden Sie sich in bester Gesellschaft von klugen, nachdenklichen Muslimen, die die derzeitige Islam-Entwicklung für  unerträglich halten. Lesen Sie dazu das Kapitel "Diese Marokkaner(innen), die Nein sagen", "Eine muslimische Oper in Rom", "Amina oder der nackte Widerstand" oder am besten das ganze Buch.

Es wird ihnen Mut machen und Argumente liefern, denen der linke Werte-Relativismus nichts entgegenzusetzen hat. Der linke Islamophobie-Vorwurf gegen alle Islamkritik macht den linken Mainstream zum Helfershelfer der Fundamentalisten.

"Wenn wir uns dagegen nicht wehren, werden wir wie Schafe ins Schlachthaus geführt", so der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, ein Muslim.

28. November 2016

Samuel Schirmbeck

Samuel Schirmbeck war Korrespondent der ARD in Algerien und ist seit 2001 als freier Mitarbeiter unter anderem beim ZDF tätig