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Sebastian Vogel, CEO JA-Jobs

Kapitalismus – Ja, bitte!

Trotz weitverbreiteter Kritik hat sich der Kapitalismus als das beste Armutsbekämpfungsprogramm erwiesen. Für eine gerechtere Gesellschaft ist deshalb nicht ein Wechsel vom Kapitalismus hin zu einem neuen Wirtschaftssystem von Nöten, sondern vielmehr die strikte Begrenzung des Wohlfahrtsstaates, in welchem Individuen Ihren persönlichen Sozialstaatsprofit maximieren.       

Kapitalismus als Armutsbekämpfungsprogramm

Wie die untenstehende Graphik belegt, hat der Kapitalismus es geschafft trotz stark steigender Weltbevölkerung mehr und mehr Menschen von extremer Armut zu befreien. Vor allem China hat seit seiner wirtschaftlichen Öffnung große Fortschritte gemacht. Die weitverbreitete Kritik aus vielen gesellschaftlichen Bereichen ist deshalb unangemessen. Natürlich ist kein System perfekt - so auch nicht der Kapitalismus. In Anlehnung an Churchills Worte bezüglich der Tauglichkeit der Demokratie, könnte man auch sagen, dass der Kapitalismus das schlechteste aller Wirtschaftssysteme ist - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind. Zudem hat sich in Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein System herausgebildet und bewährt, dass darauf ausgerichtet ist, die Schwachstellen des Kapitalismus als Wirtschaftssystem zu minimieren.

Allerdings scheint nun ausgerechnet die übermäßige Betonung des Sozialstaats zum Problem für unsere Gesellschaft zu werden, wie ich im Folgenden darlegen werde.  

Fokussierung auf staatliche Kernaufgaben

Von einem freiheitlichen Menschenbild und fähigen Individuen ausgehend sollte für die Lebenszufriedenheit in einem Land in erster Linie nicht der Staat, sondern der einzelne selbstbestimmte Bürger geradestehen und zwar durch die Übernahme von Eigenverantwortung. Staatliches Handeln begrenzt sich demnach weitestgehend auf sogenannte öffentliche Güter. Diese zeichnen sich erstens dadurch aus, dass Sie keine Rivalität im Konsum aufweisen - das heißt von verschiedenen Personen gleichzeitig konsumiert werden können - und zweitens die Eigenschaft der Nicht-Ausschließbarkeit besitzen - das heißt Ihre Eigentumsrechte nur unzureichend durchgesetzt werden können. Die innerer und äußere Sicherheit, der Klimaschutz, sowie eine gewisse Infrastruktur, die die freie Entfaltung der Bürger ermöglicht sind Beispiele für solche öffentlichen Güter, die durch den Staat garantiert werden müssen. Darüber hinaus sorgt die öffentliche Hand in unserem System der sozialen Marktwirtschaft sinnvollerweise dafür, dass krasse Armut verhindert wird und stellt im Sinne der Chancengerechtigkeit und Durchlässigkeit der Gesellschaft ein solides Bildungssystem als öffentliches Gut zur Verfügung.

Der ausufernde Sozialstaat und die Maximierung des persönlichen Sozialstaatsprofits   

Wenn allerdings der Sozialstaat zu einem umfassenden Selbstbedienungsladen wird, der den Egoismus der Menschen auf dem Weg zur perfekten Versorgungskarriere ähnlich wie der Markt begünstigt, übersteigt das deutlich ein sinnvolles und ethisch vorbildliches staatliches Eingreifen. Heute haben längst nicht nur bedürftige Bürger Anspruch auf Leistungen des Sozialstaates, sondern jedes Individuum versucht seinen persönlichen "Sozialstaatsprofit" zu maximieren und - auf Kosten der Allgemeinheit und zukünftiger Generationen - abzuschöpfen. Dass das System krankt, haben heute die meisten Bürger bemerkt. So werden beispielsweise Normalverdiener mit unverhältnismäßig hohen Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern belegt während Ihre staatliche Rente nicht viel mehr als die Grundabsicherung beträgt. Oder aber die Staatsverschuldung wird selbst in wirtschaftlich guten Niedrigzinszeiten nicht wesentlich geringer. Darüber hinaus ist vielen Bürgern klar, dass sich ein ursprünglich für eine exklusive Sozialgemeinschaft geschaffener Sozialstaat nur in sehr geringem Maße mit offenen Landesgrenzen und unkontrollierter Einwanderung verträgt.

Der Sozialstaatsapparat als Arbeitgeber

Allerdings haben es sich zu viele Menschen in der staatlichen Versorgungs-Hängematte bequem gemacht und dadurch den Antrieb zur Gestaltung der eigenen Freiheit verloren. Für viele Studenten ist es nicht mehr der Traum sich selbst zu verwirklichen, etwas zu erschaffen und Gelder für sich selbst und die Gesellschaft durch eigenes Tun und die Übernahme von Risiken zu erwirtschaften (laut FAZ will heutzutage jeder dritte Student Beamter werden). Nein, sie streben vielmehr danach in der Sicherheit des staatlichen Arbeitgeber-Versorgungsapparates die von anderen Individuen und älteren Generationen erarbeiteten Gelder zu verwalten und zu verteilen. Der ausgebaute Sozialstaatsapparat mit seinen Institutionen hemmt in diesem Falle das unternehmerische Engagement der Menschen. Dies birgt nicht nur die Gefahr, dass sich viele Bürger im Zeitalter der künstlichen Intelligenz mit Ihrem Sicherheitsdenken mittelfristig überfordert fühlen werden. Es führt auch dazu, dass es in Zukunft immer schwieriger werden wird, den Sozialstaat noch aufrechtzuerhalten. Denn zu verteilender Wohlstand muss auch erwirtschaftet werden.

Befähigung der Bürger statt Umverteilung

Bloße Umverteilung verhindert wirtschaftliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung, ist moralisch zweifelhaft, da Sie die Bürger zur egoistischen Erhöhung der persönlichen Sozialstaatsrendite auf Kosten der Allgemeinheit und zukünftiger Generationen veranlasst und führt langfristig zu weniger Wohlstand und geringeren sozialen Leistungen - gerecht ist das nicht! Frei nach Konfuzius, sollte sich der Staat deshalb weniger auf Umverteilung und die Versorgung der Bürger, als vielmehr auf deren Befähigung zur verantwortungsbewussten Gestaltung Ihrer Freiheit fokussieren: "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu Fischen und du ernährst ihn für sein Leben". Es bleibt zu befürchten, dass viele dennoch lieber denjenigen wählen, der ihnen nicht das Fischen lehrt, sondern den Fisch fängt, brät und schön garniert in mundgerechten Happen serviert.

07. November 2016

   


Sebastian Vogel

Sebastian Vogel ist CEO & Co-Founder des auf internationale Talente spezialisierten Karriereportals JA Jobs (www.jajobs.de).