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Hubert Königstein, Diplom-Finanzwirt

Autoclub ACE rettet jährlich
4,5 Millionen Menschenleben

Die "Fachleute" vom Auto-Club Europa (ACE) setzen sich für das Angurten ein. Man könnte die Sicherheit auch noch durch eine Helmtragungspflicht, schusssichere Weste, Sicherheitsschuhe, Sprinkleranlage, feuerfeste Kleidung, Feuerlöcher, Überrollbügel und 4 cm Panzerstahl am und im Auto steigern - oder gleich durch ein Fahr- und Ausgehverbot sämtliche Verkehrsgefährdungen auf null reduzieren. Polizisten bräuchten keine lästigen Unfallprotokolle erstellen, dabei im Winter nicht frieren und als Zeuge nicht vor Gerichten auftreten. Sie könnten stattdessen im Büro Kaffee trinken und Zeitung lesen.

Die Zahl der Verkehrstoten ist von ihrem Höhepunkt 21.332 in 1970 auf 11.732 in 1983, dem Jahr vor Einführung des Verwarnungsgelds für Gurtmuffel, gesunken. Die Zahl hat sich also fast halbiert noch vor Einführung der Anschnallpflicht 1984.

Von 8.400 Verkehrstoten in 1985, dem Jahr nach Einführung des Verwarnungsgelds für Gurtmuffel, sank die Zahl der Verkehrstoten bis auf 3.459 in Jahr 2015 bei 2,5 Mio. polizeilich aufgenommenen Unfällen.

Die Halbierung der Zahl der Verkehrstoten von 1970 bis 1983 und die fast Drittelung von 1985 bis 2015 können demnach nicht viel bis nichts mit der Gurtpflicht zu tun haben. Entweder gab es keine Gurtpflicht, oder an der Gurtpflicht hat sich nichts geändert.

Obwohl der Zwang zum Festzurren das Gegenteil des Grundrechts auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist, hat das Bundesverfassungsgericht - das die Geringschätzung der Grundrechte Jahr für Jahr durch Zurückweisung von 98 % aller Verfassungsbeschwerden belegt - Gurtpflicht und Bußgeld mit einem juristischen Trick für rechtens erklärt. Durch die Gurtpflicht werde verhindert, dass bei einem Aufprall Personen quasi als Geschoss beim Unfallgegner Schaden anrichten können.

Es geht rechtlich also nicht um den Selbstschutz, wie die ACE-Leute suggerieren, sondern um den Schutz anderer. Sich selbst schaden bis zum Selbstmord ist straffrei. Dafür wird in Kauf genommen, dass ein Insasse auch schon einmal verbrennt, weil er wegen des Gurts nicht rechtzeitig aus dem Auto zu bekommen ist. Der Staat maßt sich hier das Recht an, die Überlebenslottozahlen zu bestimmen. Die Versicherungswirtschaft hat bei Einführung der Gurtpflicht wissen lassen, dass dadurch die Haftpflichtversicherungsbeiträge 2 % niedriger sein könnten. Das sind bei mir 7 €. Und für diese 7 Euro werden Pflichten kreiert und Bußgeldtatbestände erfunden.

Laut den ACE-"Fachleuten" wird durch den Gurt alle sieben Sekunden ein Menschenleben gerettet. Das wären im Jahr in Deutschland 4,5 Mio. Menschenleben. Möglicherweise beziehen sich die Zahlen auf den Globus und einige Nachbargalaxien. In Deutschland sind 2015 insgesamt nur 925.239 Menschen gestorben. Der Gurt müsste Jahr für Jahr ganze sechs Geburtsjahrgänge, die ansonsten dahingerafft worden wären, retten. Das ist weit weg von plausiblen Fakten.

Statt an der Straße mit Angst und Unkenntnis Stimmung zu machen, sollte man sich den Rechenaufgaben des 4. und 5. Schuljahres nochmal stellen, so dass aus "Fachleuten" Fachleute werden. Der Gurtunsinn kann abgeschafft werden, die geringen Folgen können in Kauf genommen werden. Auf jeden Fall sollte es den Autofahrern überlassen bleiben.

Gutmenschen sind Teil von jener Kraft, die stets das Gute will, doch immer nur Bevormundung schafft.

22. August 2016

 
   

Hubert Königsstein
Diplom-Finanzwirt