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Buchbesprechung

Peter Hahne: "Finger weg von unserem Bargeld"

Eins muß man Peter Hahne lassen, der quasi "das Gesicht des ZDF aus Berlin" ist: Der Mann hat Mut. Wer auch sein neuestes Buch gelesen hat, kommt zumindest zu dem Schluß: Man muß nicht immer seiner Meinung sein, aber er hat wenigstens eine und versteht sie mit Klartext und nicht ohne Humor zu Papier zu bringen.

 "Finger weg von unserem Bargeld!" – kurz nach Erscheinen bereits unter den Top-ten der SPIEGEL-Bestsellerliste, und das aus gutem Grund. Hahne spitzt das Thema ohne akademische Schnörkel  zu und bietet interessante Informationen jenseits des wissenschaftlichen Elfenbeinturms. Etwas Handfestes und kein lyrisches Wolkenkuckucksheim. 

"Bargeld ist gedruckte Freiheit," zitiert der Fernsehmann den Dichter Dostojewski und wirft EU und Bundesregierung vor, klammheimlich diese "Freiheitsberaubung freier Bürger" zu betreiben. Vorstufe: die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, indem man die Gesamtbevölkerung unter Generalverdacht stellt, aus Terroristen, Kriminellen und Steuerhinterziehern zu bestehen. Das sei im Endeffekt "Billig-Stasi", die auf Knopfdruck aus freien Bürgern gläserne Menschen macht. Starker Tobak, so der erste Blick.Aber  bei genauem Hinschauen sieht man vielleicht auch hier mit dem Zweiten besser…Es ist was dran an Hahnes Thesen, wenn Geldgeschäfte dann nicht mehr vertraulich sind..

Wehret den Anfängen! Das ist Hahnes Appell auch bei den anderen brandaktuellen Themen, die der Untertitel des Buches verspricht: "Wie wir immer weiter entmündigt werden". Beispiele: Alle drei Minuten ein Einbruch, aber die Polizei darf nicht sagen, dass es sich meist um osteuropäische Bandenkriminalität handelt. Die Sprachpolizei habe die Schutzpolizei abgelöst, was man schon am Medien-Super-Gau von Köln sieht: der Bürger wurde eine Woche hingehalten, die Polizei war politisch angewiesen, ungenaue Täterbeschreibungen zu liefern. "Auch damit werden wir Bürger unter den Generalverdacht gestellt, bei Schilderung des wahren Tathergangs zu Fremdenfeinden zu werden." Der Medienmann geht mit der eigenen Branche ins Gericht, alle Achtung. Entmündigung sieht der streitbare Polit-Korrespondent auch im "Gender-Wahn", den er mit spitzer Feder und durchaus amüsant auseinandernimmt. "Wem das Binnen-I und das gender-gerechte Firmen-WC wichtiger sind als Marktwirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit, dem ist nicht zu helfen."

Brandaktuell auch das Thema Bildungsnotstand, "übertüncht durch das Wichtigtuer-Sprech Denglisch". Hahne sieht die Jugend als Opfer "wirrer Bildungs-Ideologen", die vor allem auf dem Rücken der Unternehmer ausgetragen werde. Die müßten sich als Ausbilder dann mit Jugendlichen herumschlagen, die weder Lesen noch Rechnen können. Berlin schafft sogar den Geschichtsunterricht ab. Er sieht die Gefahr einer "digitalen Demenz", wenn die gesamte Kommunikation nur noch elektronisch geschieht. Was tun junge Leute eigentlich, wenn Twitter oder Facebook mal abstürzen oder Google zum Monopol wird? Damit schließt sich der Kreis zum Bargeld. Wer die digitalen Zahlungen für sicherer hält, der solle sich mal das Handwerk der IS-Terroristen oder die elektronischen Pannen bei Banken und Kreditkarten anschauen, empfiehlt der Autor.

Das Buch will an- und aufregen, schreibt Peter Hahne. Das gelingt ihm. Es ist auf Flug oder Bahnfahrt eine leichte Lektüre trotz schwerer Themen, weil mit Hirn, Herz und Humor geschrieben. "Klartext-Hahne" (Buchreport) hat Martin Luther als Vorbild: "Dem Volk aufs Maul schauen, ohne ihm nach dem Mund zu reden."  Das kann man nicht von allen Journalisten sagen, die sich gern hinter Konjunktiven und Allgemeinplätzen verstecken.    

Diana von Schuttern

20. Juni 2016