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Holger Douglas, Buchbesprechung:

»Strom ist nicht gleich Strom -
Warum die Energiewende
nicht gelingen kann«

Michael Limburg, Fred. F. Mueller, TvR Medienverlag, Jena 2015

Der Anfang klingt wie eine Reminiszenz an längst vergangene Zeiten: »Wir haben eines der stabilsten Stromversorgungssysteme der Welt.« Stromausfälle gab es selten, sie dauerten meist nur ein paar Minuten. Die Ingenieure der so bösen Stromkonzerne bauten ein sicheres Stromnetz auf, die Konzerne verdienten tatsächlich viel Geld, und dennoch war der Strom billig und zuverlässig.
Heute ist der Strom unzuverlässig, wird immer teurer und langsam zum Luxusgut, und die Stromkonzerne sind pleite.

Was ist geschehen?

Deutschland hat Energiewende. Es hört sich nicht nur wie eine lebensbedrohliche Krankheit an, sondern ist auch der Sargnagel für das Industrieland Deutschland.

Sogar Manager der Energieversorger erklären heute öffentlich, wie neue energieeffiziente Strukturen geschaffen werden müßten - als ob nicht gerade die Effizienz früher ein hohes Gebot war. Sie schwafeln von integrierten Netzen. Das hat kürzlich Karl-Peter Thelen getan, Mitglied der Geschäftsleitung von ENGIE Deutschland. Der Energieversorgungskonzern, der 2008 aus der Fusion von GDF und SUEZ hervorging, ist in Berlin mit verschieden Gesellschaften ansässig und an der GASAG beteiligt.

Er hat zudem festgestellt, daß der »Verbraucher immer anspruchsvoller« werde. Thelen tatsächlich: »Er möchte heute genau wissen, woher der Strom kommt.«

Wie bei Äpfeln, Kartoffeln und Karotten vom Biobauernhof um die Ecke. Gigantische Aussage! Hei, wie da die flinken Elektrönchen flitzen und sich beeilen, in die richtigen Bahnen zu kommen. Dort die bösen aus den Atomkraftwerken, hier die guten aus Solarzellen und Windrädern, die zu den Bios fließen.
Elektron ist Elektron. Dem ist es ziemlich egal, woher es kommt.

Angesichts solch immer überschäumenderen Stusses versuchen die Autoren des Buches »Strom ist nicht gleich Strom« mit vielen Fakten aus der realen Welt der Energieerzeugung dem wilden Wahn der Energiewende entgegenzutreten. Das versteht auch der Laie; das Buch liest sich gut, ist vor allen Dingen gut aufgemacht, sauber produziert und vor allem gut lektoriert. Viele Graphiken vermitteln und liefern wertvolle zusätzliche Informationen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz, der die Energiewende »sinnloses Experiment« nennt, schrieb das Vorwort: »Die nüchternen und unpolemisch vorgetragenen Argumente aus diesem Buch werden zwar den energiepolitischen Irrweg Deutschlands nicht beenden. Aber die Zeit wird kommen, in der die allen grünen Idealen widersprechende Selbstbedienungsmentalität der Energiewendegewinnler die grüne Religionskrise einleitet.«

Die Autoren beschreiben die technischen Hintergründe der Stromproduktion, erklären, was Last und Frequenz sind, was eine Regelenergie ist, und wie gut krisenhafte Energien aus Sonne und Wind in das Stromnetz passen – nämlich gar nicht. Ihnen fällt auch auf, wie stark Wikipedia technische Sachverhalte zu Gunsten grüner Positionen manipuliert.
Ihr Fazit ist klar: »Die Energiewende kann nicht funktionieren, sowohl aus technischen als auch aus finanziellen Gründen.« Sie sehen eine »maschinenstürmerische Lust an der Zerstörung der Grundlage unserer Gesellschaft«.

Die Autoren werfen auch einen Blick auf die Gewinnung der Rohstoffe für die Maschinen des angeblich so sauberen Stromes. Die sieht auch alles andere als »grün« aus. Bis zu einer Tonne Neodym stecken in manchen Stromgeneratoren der Windanlagen. Das ist eines der Seltenen Erden Metalle, die sich besonders gut für den Bau von starken Permanentmagneten eignen. Beim Abbau wurde vor allem in früheren Jahren wenig Rücksicht auf Natur und Arbeitsschutz genommen, schreiben die Autoren. Sie zitieren das Freiburger Ökoinstitut, das erhebliche Gefahren durch die großen Rückstände und giftige Abfälle des Abbaus der seltenen Erden beschreibt: »Das Grundwasser wird erheblich verschmutzt, Äcker veröden, das Vieh verendet zum Großteil.«

Außerdem verschärfe sich die Strahlenverseuchung durch den Abraum beinahe täglich. Denn solche Seltenen Erden enthalten als Begleitung häufig radioaktive Elemente wie Uran oder Thorium. Die landen meist im Abraum, weil sich deren Gewinnung nicht lohnt.

Auch die Solarzellen sind alles andere als umweltfreundlich und sauber. »In vermutlich 140.000 deutschen Solardächern mit sogenannten Dünnschichtsolarzellen ist das giftige Cadmiumtellurid enthalten, dass diese Dächer zu Sondermüll macht«, stellen die Autoren fest. »Die Versprechen der Hersteller, diese Dächer wieder zu entsorgen, dürften sich in den nächsten Jahren mit dem immer rasanteren Niedergang der Branche in Luft auflösen«, befürchten sie.

Sehr hoch anrechnen muss man den Autoren, dass sie gegen Ende des Buches einen Blick auf das Kohlendioxid und seine wichtige Rolle werfen, so wie das in vor-ideologischen Zeiten in den Geologieinstituten gelehrt wurde. Die Wissenschaftler, die heute darauf hinweisen wollten, haben kräftig eins auf die Mütze bekommen und halten seitdem die Klappe.

Die Autoren zitieren dazu einen der lautesten deutschen Klimakatastrophenwarner, Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung: »Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war jahrtausendelang praktisch konstant und steigt erst an, seit wir dem System riesige Mengen an zusätzlichem Kohlenstoff aus fossilen Lagerstätten zuführen.«

Dieser Behauptung, auf der die gesamte Klimakatastrophenideologie fußt, setzen die Autoren andere Erkenntnisse entgegen. Demnach lag der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre vor etwa 500-600 Millionen Jahren bis zu 20 mal höher als in den letzten Jahrhunderten vor der industriellen Revolution. Dabei gab es immer wieder erhebliche Schwankungen. Vor etwa 450 Millionen Jahren begann der Kohlendioxidgehalt erheblich abzusinken, stieg vor rund 250 Millionen Jahren erneut auf den etwa fünffachen Wert von heute an. Seither nimmt er im Prinzip kontinuierlich ab.

»Heute haben wir die seit 500-600 Millionen Jahren nahezu niedrigsten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre. Würde man der »Fieber«-Argumentation ( die Erde habe vom Menschen verursachtes »Fieber«) folgen, dann hätte das Leben auf der Erde vor Jahrmillionen wegen zu hoher Temperaturen regelrecht kollabieren agieren müssen.« (S.203)
Das ist offenkundig nicht geschehen. Ebenso fragen die Autoren, wie ernst man Warnungen vor einer Versauerung der Ozeane durch ansteigende CO2 Gehalte nehmen sollte. Zurzeit wird sehr viel Geld in die Forschung gesteckt, um die angeblich nachteiligen Auswirkungen des Anstiegs auf maritime Lebensformen zu nachzuweisen. Korallen und sonstigen Lebewesen mit Kalkskeletten und Kalkschalen soll der CO2-Anstieg Schäden zufügen, die sich erschwerend auf deren Kalkabscheidung auswirken. Die würden daraufhin zerstört.

Vor rund 500 Millionen Jahren gab es dagegen bis zu 6000 ppm CO2 in der Atmosphäre. Die damaligen Meereslebewesen entwickelten sich allerdings prächtig, wie Funde von Fossilien verraten.

Heute haben wir also viel weniger Kohlendioxid in der Luft als in der Vergangenheit. Fragt sich, wohin das CO2 verschwunden ist. Die Autoren: »Die Antwort ist leicht zu finden: es steckt im Erdboden.«

Das vor Jahrmillionen vorhandene Kohlendioxid wurde zunächst von Lebewesen aufgenommen und mit anderen Elementen und Molekülen verbunden. Dabei wurde zum Beispiel Kalk gebildet, Calciumcarbonat, das heute in mächtigen Sedimentschichten in den Ozeanen liegt.

Man muss sich nur die Kalkstein-Gebirge ansehen, in denen rund 80 % der gesamten Kohlenstoffvorräte auf der Oberfläche der Erdoberfläche gebunden sind. Daneben natürlich in den Lagerstätten von Kohle, Erdöl und Erdgas – wobei diese Fraktion von der Menge her im Erdmantel geradezu winzig ist.

Schwerlich einzusehen, wie die Verbrennung eben dieser extrem winzigen Mengen des Kohlenstoffvorrats in der Erdkruste bei unserem Planeten Fieberschauer auslösen und sein Klima irreparabel destabilisieren soll. Hier zum Beispiel sind die zahlreichen Informationsgraphiken des Buches wie ein Vergleich über die aktuellen Mengen an Kohlenstoff in und auf der Erdkruste wertvoll. Man erkennt, dass sich Kohle, Erdöl und Gas auf der Skala geradezu winzig ausnehmen.

Der Mensch auf der Erde ist eben nicht das Maß aller Dinge. Es gehört schon eine gehörige Portion an Hybris dazu, »dem« Menschen ein die Erde bedrohendes Vermögen zuzubilligen.

Ein Langstreckenflug um die halbe Welt zeigt jedes Mal sehr deutlich, wie groß die Erde ist, wie viele Landmassen noch nie eines Menschen Fuß betreten hat und vor allem, wie ungeheuer voluminös das Meer »Luft« ist, durch das unser Flugzeug ruhig gleitet.

Gewiß sehen Bilder unseres blauen Planeten mit seiner im Vergleich zur Größe dünnen Lufthülle aus dem Weltraum aus aufgenommen scheinbar zerbrechlich aus; wunderbar lassen sich dazu warnende Worte finden, wie zerbrechlich und gefährdet doch unsere Erde ist.

Aber das sollte nur angesichts von Bildbänden und vor dramatischen Fernsehbildern einen leisen, wohligen Schauer über den Rücken rinnen lassen. Sobald man die medialen Klimadramawelten verlässt und seine Schritte in die Natur lenkt, gar zu einer Überquerung der mächtigen Alpen ansetzt, sollte man sich doch wieder als Mensch mit sehr begrenzten Einflüssen sehen. Den Erdball entscheidend zu verändern – das schaffen wir in der Realität niemals, höchtens in der Science-Fiction oder im Sozialismus. Aber der war ja auch Fiction, allerdings weniger Science.

16. Dezember 2015