Start | Kontakt | Impressum
 
 
 

Aktuelles

 
 

RSS-Feed
abonnieren

 
 
 

Holger Douglas

Borderliner

Merkel kennt angeblich keine Grenzen mehr, auch keine Obergrenzen, gibt sich grenzenlos offen. Nach allen Seiten. Aber: wer nach allen Seiten offen ist, heißt es, kann nicht ganz dicht sein.

Aber ist sie denn wirklich nach allen Seiten offen? Mitnichten, zumindest dann nicht, wenn es um den Schutz der eigenen Person und der eigenen Clique geht. Dann ist plötzlich alles möglich, nichts mehr alternativlos.

Zum Beispiel zum Schutz abstruser Konferenzen, die in byzantinischer Prachtentfaltung organisiert und aus märchenhaften Schatztruhen bezahlt werden. Kurz und gut: wenn es um den Schutz vor dem eigenen Volk geht.

Kleiner Rückblick gefällig?

Heiligendamm Anfang Juni 2007. G8-Gipfel in der Ostsee - Gemeinde. Ein Bild des Horrors: 16 000 Polizisten, 1100 Soldaten der Bundeswehr. Nato-Stacheldrahtzäune überall, Sperrzaun mit solide in den Boden verankerten Pfeilern. Awacs-Flugzeuge kreisen über dem Himmel. Ein Aufwand ohne Ende. Rund zehn Millionen Euro werden allein für den Bundeswehr-Einsatz verpulvert.

Die Bundeswehr übernimmt für diese Zeit das Krankenhaus Bad Doberan zur ersten zivilmilitärischen Zusammenarbeit in ihrer Geschichte. Die Zusammenarbeit erstreckte sich von der Patientenversorgung bis hin zu den Küchenarbeiten.

Tornado-Kampfflugzeuge donnern im Tiefflug über ein Protestcamp Heiligendamm, um Demonstranten zu überwachen.

Der damalige Verteidigungsminister Jung wäre sogar zu einem Schießbefehl für seine Kampfflugzeuge bereit gewesen, wenn »bedrohliche Flugobjekte« hätten bekämpft werden müssen.

Eine durch die Verfassung nicht gedeckter Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Die darf nur bei schweren Unglücken und Naturkatastrophen eingesetzt werden.

Man liest Berichte wie: »‚Bedrohung durch Bürger'. Ohne rechtliche Basis fand heute ein Einsatz der Bundeswehr im Innern des Landes statt. An der A 19 im Abschnitt Rostock-Flughafen Laage bezogen Panzer an der Autobahn Stellung, um die Strassen zu sichern. Mit diesem Einsatz wird die Militarisierung der Zivilgesellschaft weiter vorangetrieben.«

Die Seeseite wird mit einem vier Kilometer langen Netz geschützt. »Heiligendamm ist dicht«, meldeten die Zeitungen seinerzeit. Niemand kommt mehr rein oder raus.

Die gesamte Küste im Nordosten Deutschlands - undurchlässig. Satelliten machten übrigens damals Aufnahmen, auf denen die Aktivitäten von Polizisten und Demonstranten genau zu erkennen waren. Diese Bilder wurde von Forschungsarbeiten für ein EU-Projekt LIMES mit genutzt.

Ein horrender Aufwand also - um acht Personen zu schützen. Gegen wen eigentlich? Gegen russische Truppen wohl kaum. Putin war mit dabei. Also gegen das eigene Volk.

Szenenwechsel: Schloß Elmau Anfang Juni 2015. Nur noch G 7 statt G 8 Gipfel. Putin mochte man nicht mehr; er fehlte, während er noch an der Ostsee dabei war. Auch hier kam zwar nix dabei raus, dennoch war der Gipfel nicht weniger prächtig als der an der Ostsee. Hier errichteten die Behörden ebenfalls horrende Sicherheitseinrichtungen, kappten das halbe Land vom Rest der Welt ab. Oder sollte man wieder besser sagen: Schotteten sich vom Bürger ab, ein perfekter Schutz - vor dem eigenen Volk.

Kosten: unglaubliche 130 Millionen Euro. Die ach so bedrohten Politiker sollten geschützt werden. Wovor? Wiederum: Vor dem Volk. Dem eigenen.

Dabei brachten die Behörden übrigens rund 8000 illegale Grenzübertreter zur Strecke, die zufällig erwischt wurden. Rechnet man diese Zahl hoch, kann man sich ungefähr vorstellen, wie viele illegale Grenzüberschreitungen es jetzt sein werden, von denen niemand etwas weiß.

Also: Klappt doch - das mit dem Bau von Grenzzäunen. Grenzabschottung - geht doch, wenn man nur will. Und - wenn es gegen die »Richtigen« gerichtet sein soll.

Die schaffen das.

25. November 2015