Start | Kontakt | Impressum
 
 
 

Aktuelles

 
 

RSS-Feed
abonnieren

 
 
 

Peter Schmidt, Präsident des DAV

Vampire

Vampire – soviel weiss man – sind Untote. Zombies. Blutsauger. Auferstanden aus den Gräbern terrorisieren sie ihr Umfeld, fallen Menschen an, ernähren sich von deren Blut und verwandeln die Opfer in ihresgleichen. Geschichten von Vampiren werden gerne erzählt, um Menschen das Gruseln zu lehren.

Hoppla, denkt man an dieser Stelle, kommt uns davon nicht einiges bekannt und aktuell vor?

Ganz ohne Zweifel beherrschen die Untoten, nicht nur in der Flüchtlingsfrage, derzeit die Nachrichtenlage. Aus den Gräbern brauner und roter Faschisten entstiegen, lehren sie uns leibhaftig das Gruseln. Die einen schüren mit ihrem widerlichen Rassenwahn die übelsten Erinnerungen an eine Zeit und eine Gedankenwelt, die wir lange tief vergraben hofften. Die anderen lassen nicht los in ihrem Sinnen und Trachten, das kapitalistische System zu Fall zu bringen – nicht ohne sich vorher an dessen Reichtum, so gut und so schamlos es geht, persönlich zu bereichern.

Man darf sich gerne in Erinnerung rufen, dass in der DDR Ausländer, die im Bruderstaat studiert oder gearbeitet haben, alles andere als eine Willkommenskultur erlebten. Die Menschen nun, die zum Teil jahrzehntelang den „roten Rassismus“ in die Welt getragen haben, nicht selten als Spitzel der Stasi, arbeiten heute mit ihren Organisationen und Stiftungen daran, dass zum Beispiel der Osten Deutschlands nicht mehr „so weiss“ sein soll. Mit allen nur erdenklichen Mitteln versuchen diese kreidegebleichten Wölfe, gewachsene gesellschaftliche Strukturen zu zerstören. Strukturen, die im übrigen auch der einzige Garant wären, den rechtmäßig im Land bleibenden Flüchtlingen den Aufbau einer selbstverantworteten Existenz zu ermöglichen. Was das Ziel sein sollte.

Solche menschenverachtenden, um nichts weniger rassistischen, Phrasen gehen bei Politik und Journaille gepflegt durch. Der links-grüne Hass auf den „weissen Mann“ ist nichts anderes als der braune Hass auf alles, was nicht weiss oder arisch ist. Der links-grüne Hass auf alles „Deutsche“ entspricht dem braunen Hass auf alles, was nicht deutsch ist. An kaum einer Stelle wird es so deutlich, das beide Seiten politisch eineiige Zwillinge sind, Totalitaristen. Zombies aus Ideologiewelten, die der Menschheit nichts als Elend und Tod gebracht haben.

In diesem Zusammenhang dürfen wir nicht achtlos an Sigmar Gabriels historischem Tabubruch vorbeigehen. Anlässlich der Ausschreitungen in Heidenau diktierte er in die Kamera „Bei uns würde man sagen, das ist Pack“. Und weiter: „Das klingt jetzt vielleicht nicht so distinguished, wie wir sonst reden in den Politik, aber diese Leute haben mit Deutschland nichts zu tun“.

Einer der ranghöchsten Politiker Deutschlands sollte nicht nur wissen, das in einer Demokratie sehr wohl auch nicht-genehme Stimmen „dazugehören“. Gabriel ist verpflichtet, dieses demokratische Grundverständnis zu leben, zu schützen und zu propagieren. Sollte er nicht wissen, wie mit der Situation umzugehen ist, kann man den Hinweis geben, dass auch Frau Merkel nicht weiss, wie sie mit den no-go-areas in großen Städten umgehen kann, in denen kriminelle Banden und Familienclans die Bürger terrorisieren. Die Kanzlerin hatte sich angesichts ihrer Ratlosigkeit trotzdem sehr distinguished geäußert. Nach dem, was sie nicht gesagt hat, darf man annehmen, dass diese Banden offensichtlich zu Deutschland gehören. Wie distinguished würde sich der Sozialdemokrat Gabriel in Duisburg seinen Wählern gegenüber äußern? Gegenüber den Menschen, die den Wiederaufbau Deutschlands in starkem Maße geschultert haben und jetzt zusehen dürfen, dass auch die Sozialdemokraten dieses Land sehenden Auges an die Wand fahren lassen? Aalglatt vermutlich, „wie wir sonst reden in der Politik“.

In diesen Kontext passt auch die Wiedereinführung der Zensur in Deutschland. Bücher, die missliebige Sätze enthalten, Talk-Shows, die nicht in Gänze das Weltbild von Fanatikern spiegeln, missliebige Facebookeinträge – ohne jede Scheu greifen Medien und Politik inzwischen zum Mittel der Geschichtsfälschung. Freie Meinungsäußerung galt bisher als ein nicht diskutierbarer Grundwert – den inzwischen und offensichtlich selbst höchstrangige Politiker handhaben möchten, wie wir es nur aus Diktaturen kennen. Sind es nicht die gleichen Zeitgenossen, die Luxemburgs „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ skandierten, wenn es um die eigene Wirklichkeitsauslegung geht?

Was so oder so schon üblich war - jede kritische Stimme gegen alles, was offiziell als „alternativlos“ diktiert wird, mit allen sprachlichen Mitteln diskreditieren zu dürfen oder ganz „aus der Erinnerung zu löschen“– dies erfährt durch Äußerungen wie der von Gabriel und Forderungen wie denen von Maaß höchste Legitimation. Ohne Wenn und Aber wird dieser Weg dort enden, wo wir 1989 mit dem Ende der DDR einen Schlusspunkt setzen wollten.

Von Voltaire stammt der nützliche Hinweis „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“ Bei dieser Spurensuche kommen wir leider immer wieder auf den Friedhof totgeglaubter Ideologien. Es erinnert makaber an Wolfgang Ambros Huldigung des Wiener Zentralfriedhofes:

Am Zentralfriedhof is' Stimmung, wia's sei Lebtoch no net wor
Weu olle Tot'n feiern heite seine erscht'n hundert Johr

In immer neuen Verkleidungen steigen sie auf aus der Grube, die Untoten. Gestern noch Beschützer der Pädophilen, heute schon Bildungsplaner.

Diese Zombies sind inzwischen allgegenwärtig. Es ist kaum noch möglich zu beurteilen, wer schon gebissen wurde und wer nicht. Als sicheres Mittel, Vampire zu enttarnen, galt früher der Blick in den Spiegel. Denn im Spiegel war ein Vampir angeblich nicht sichtbar. Dieses Mittel hält einer Prüfung allerdings nicht stand.

Ein Blick in den SPIEGEL beweist es.

31. August 2015