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Hubert Königstein, Diplom-Finanzwirt

Angebot, Nachfrage und Lohn-Preis-Bildung
Eine kurze Betrachtung zur Wettbewerbsgesellschaft
und dem Kita-Streik

Die bürgerlichen Grundrechte Freiheit und Eigentum finden bei einer arbeitsteiligen Wirtschaft in der Vertragsfreiheit mit freier Preisbildung ihren Ausdruck. Der Preis (auch Lohn) sollte sich durch Angebot und Nachfrage bilden: bei großem Angebot (viele Erzieher) kleiner Preis (niedrigerer Lohn) - bei kleinem Angebot (wenige Erzieher) hoher Preis (höherer Lohn).

Es geht um freiwilligen Tausch, hier um Arbeitsleistung gegen das Universaltauschmittel Geld: Bietet jemand etwas an, das niemand zu den angebotenen Bedingungen abnehmen will, kommt es zu keinem Vertrag. Es fehlen die notwendigen zwei übereinstimmenden Willenserklärungen. Diese idealtypischen Verhältnisse sind heute bis zur Unkenntlichkeit vernebelt. Dazu leistet eine alles beherrschende Betreuungsideologie und einer auf diesem Boden krebsartig wuchernde Betreuungsindustrie einen erheblichen Beitrag – diese wird von einer 50%igen Steuer- und Abgabenquote bei 2 Bio. € Staatsverschuldung durchgefüttert.

"Wettbewerb ... führt dazu, den wirtschaftlichen Fortschritt allen Menschen, im Besonderen in ihrer Funktion als Verbraucher, zugute kommen zu lassen, und alle Vorteile, die nicht unmittelbar aus höherer Leistung resultieren, zur Auflösung zu bringen. ... Alle dahin zielenden Bemühungen werden allerdings nur von Erfolg gekrönt sein können, wenn und solange der Wettbewerb nicht durch künstliche oder rechtliche Manipulationen behindert oder gar ausgeschaltet wird. ... "Wohlstand für alle" und "Wohlstand durch Wettbewerb" gehören untrennbar zusammen." (Wohlstand für alle, Ludwig Erhard 1957) Nehmen wir als ein konkretes Beispiel, die streikenden Kita-Erzieherinnen.

Der "Verbraucher" der Kindergartenleistungen, das Kind, zahlt nichts, von Tausch ist also weit und breit nichts zu merken. Der Staat hat jedem Kind einen Anspruch auf einen Kita-Platz garantiert. Bei den Planungsvorgaben ist man davon ausgegangen, dass dies mit Plätzen für 35 % eines Jahrgangs zu erfüllen ist. Es sind auch nur für 35 % eines Jahrgangs Plätze vorhanden.
Ergo: Für 65 % ist kein Kindergartenplatz vorhanden, weil von vorne herein damit gerechnet wird, dass die Eltern von 65 % eines Jahrgangs die Kinderbetreuung selbst erledigen. Diese Eltern kommen also nicht nur für die Betreuung der eigenen Kinder auf, sondern zahlen über ihre Steuern auch noch die "Luxusbetreuung" anderer Kinder. Da wird es schwierig mit der "Gerechtigkeit", aber so geht angeblich "sozial".
Bei unter 3jährigen kommt auf 2,7 Kinder eine Erzieherin. Der Kindergartenplatz kostet den Staat allein an Personalkosten (3.118,20 Brutto incl. Arbeitgeberanteil : 2,7 Kinder =) 1.155,89 € mtl.. Drei Mütter können also einen Arbeitsplatz im Kindergarten schaffen.

An rund 40.000 € Kindergeld voraussetzungslos bis zum 18 Lebensjahr und 55.200 € Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr bei stattfindender Berufsausbildung ist auch noch zu denken. Da ist das Elterngeld, demagogisch als Herdprämie diffamiert, von 150 € unter Geltung des Gleichheitssatzes ein mickriger Ausgleich. Die Frage ist, mit welchem Recht fördert der Staat die Betreuung des einen Kindes mit nur 150 €, aber die Betreuung im Kindergarten mit mindestens 1.159 €. Nach dem Gleichheitssatz müsste das Elterngeld mindestens ebenso 1.155,89 € mtl. betragen. Die zuhause betreuten Kinder und deren Eltern werden diskriminiert. Bei diesem Betrag für Elterngeld könnte man sehen, wieviel staatliche Kinderbetreuung noch übrig bliebe.

Um noch ein wenig konkretes Zahlenmaterial dem interessierten Leser an die Hand zu geben: nach 4 Berufsjahren beträgt das Erzieherinnenbruttogehalt 2.613,20 € (= incl Arbeitgeberanteil Sozialversicherung 3.118,20 €, Steuerklasse I 1.690,44 € netto, StKl. III 1.954,52 € netto, StKl. V 1.367,93 € netto). Das Bruttogehalt einer Kindergartenleiterin kann bei 130 Kindern 4.224,67 € (= StKl. I 2.460,72 € netto, StKl. III 2.835,03 € netto, StKl. V 2.002,53 € netto) erreichen. (http://www.erzieherin-ausbildung.de/content/gehalt-verdienst-erzieherin).

Die Steuerklassen wurden übrigens unter den nationalen Sozialisten im Dritten Reich eingeführt, wie auch der Abzug der Kirchensteuer der Arbeitnehmer durch die Arbeitgeber. Vorher ging die Kirchensteuer bei den Pfarreien ein, nun kamen die Kirchensteuereinnahmen bei den Bistümern bzw. den Landeskirchen an.

Das deutsche Durchschnittsbruttogehalt aller Arbeitnehmer liegt bei 2.904,75 € (= StKl I 1.837,80 € netto, StKl. III 2.109,91 € netto, StKl. V 1.481,98 € netto).

Zu den 20 schlechtbezahltesten Jobs gehören die Erzieherinnen keineswegs; bei den Schlechtbezahlten reichen die Bruttogehälter von 1.662,42 (Frisör; StKl. I 1.187,68 € netto, StKl. III 1.336,99 € netto, StKl. V 961,07 € netto) bis 2.460,50 € (Handwerker; StKl. I 1.611,71 € netto, StKl. III 1.865,87 € netto, StKl V 1.306,37 € netto) (http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/loehne-gehaelter/id_73572506/100-tage-mindestlohn-in-deutschland-die-20-schlechtbezahltesten-jobs.html).

Zurück in den Kindergarten: Es ist schwer vorstellbar, dass unter Leistungsgesichtspunkten akademisches Windel-Wechseln ein höheres Gehalt rechtfertigt, als die möglicherweise gefahrengeneigte Tätigkeit eines Handwerkers. Es ist natürlich völlig ausgeschlossen, dass die Kindereltern diese Erzieherinnengehälter bezahlen können. Also bezahlt der Steuerzahler diese Erzieherinnengehälter, ohne das der Steuerzahler weiß, dass er es ist, der zahlt, und ohne dass er weiß, wieviel er zahlt. Die Kindergartenbetreuungsverträge sind genau genommen Verträge zu Lasten Dritter (Kindergartennutzer zu Lasten der Steuerzahler).

In § 138 BGB ist die Sittenwidrigkeit von Verträgen geregelt, wozu auch Verträge zu Lasten Dritter gerechnet werden. In Deutschland hat sich eingebürgert, dass Arbeitnehmer nicht nach ihrer Leistung sondern nach ihrer Ausbildung bezahlt werden. Dabei hat die berufliche Ausbildung oft nur noch wenig mit den beruflichen Anforderungen zu tun. Die Gewerkschaften verfahren bewusst nach dem Muster, erst immer höhere und längere Ausbildung zu fordern, um dann mit dem Ausbildungsargument höhere Löhne zu verlangen.

Mit und ohne Fachhochschulabschluss kommen beim wechseln von Windeln aber auch nur gewechselte Windeln heraus. Altenpfleger hingegen gehören zu den 20 schlechtbezahltesten Jobs (brutto 2.263,92 €), obwohl die Patienten pro Pfleger zahlreicher und schwerer, die Hintern größer und die Windeln voller sind. Die weit über das Ziel schießenden Ausbildungsanforderungen bewirken und sollen sicher auch bewirken, andere Arbeitnehmer als Konkurrenz auszuschalten, das Arbeitskräfteangebot zu verknappen, den Wettbewerb zu behindern. Das hat eher etwas mit Feudalismus und mittelalterlichem Zunftwesen aber nichts mit Wettbewerb gemein.

Viele Kitas stehen in der Trägerschaft der Kirchen. Pfarrer werden grob ab dem 40. Lebensjahr nach der Besoldungsgruppe A 14 bezaht, das sind in der höchsten Erfahrungsstufe 5.554,05 € mtl. (http://oeffentlicher-dienst.info/kirche/rk/) und ein Nettogehalt in Steuerklasse I von 3.786,95 €, was einem sozialversicherungspflichtigen Bruttogehalt von 7.022,13 € entspricht.

Hinzu kommt die mietfreie Wohnung, hier ist nur die Steuer auf den Sachbezugswert der Wohnung vom Pfarrer zu tragen.

Zum Vergleich: Die Pfarrerbezüge in Italien und Frankreich betragen rund 900 € mtl, in Österreich rund 1.600 €, allerdings in der Schweiz 11.700 sfr mtl..

Bleibt noch der Hinweis auf die Branchen mit den höchsten Gehältern: es sind Versicherungen und Banken. Hier beträgt das Durchnittsgehalt 5.077,58 € (StKl. I 2.837,31 € netto, StKl. III 3.306,57 € netto, StKl. V 2.356,51 € netto).

Soviel zumindest ist deutlich: Einen Menschen im Himmel und auf Erden zu versichern, kostet deutlich mehr, als ihn aufzuziehen und im Alter zu pflegen.

25. Mai 2015