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Sven Heinsen, CEO, Dimension Data Germany

Deutschland kann IT

Bei den Stichworten Informationstechnologie und Software denken die meisten Deutschen vermutlich zunächst einmal an Microsoft und Apple, vielleicht an das Silicon Valley, in jedem Fall aber an die USA. In den letzten Jahren macht auch Südkorea in diesem Sektor immer stärker von sich reden. Aber was ist eigentlich mit Deutschland? Die IT-Branche hierzulande wird zu oft unterschätzt, obwohl sie auch in Zeiten der Stagnation wichtige gesamtwirtschaftliche Impulse gibt.

Während die Gründungsquoten in Deutschland in den letzten zwei Jahren in allen Branchen rückläufig waren, sind sie einzig im Bereich Software und IT-Dienstleistungen stabil bis steigend. Die Zahl der neuen Jungunternehmen hier liegt bei rund 8.000 pro Jahr, häufiger als in jeder anderen Industrie basieren die Gründungen dabei auf wirklichen Produktneuheiten.
Ein weiteres Indiz für die Stärke des deutschen IT-Sektors sind die Beschäftigungszahlen. Der Branchenverband BITKOM prognostiziert, dass bis Ende 2015 990.000 Menschen dort tätig sein werden – und damit wird die Branche nur knapp hinter dem Maschinenbau der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in Deutschland sein. Insgesamt haben die IT-Unternehmen in Deutschland allein in den letzten fünf Jahren demnach 125.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und weiterhin suchen sie händeringend nach Fachkräften und IT-Spezialisten.

Systemhäuser tragen das wirtschaftliche Wachstum

Beide Fakten sagen einiges über die IT-Branche in Deutschland aus, denn der Sektor wächst nur nachhaltig und gesund, weil die die entsprechende Nachfrage besteht. Im Zuge der Digitalen Transformation wandeln sich die Ansprüche der Wirtschaftsunternehmen an IT und Provider. Sie verlangen moderne Lösungen, die im internationalen Wettbewerb bestehen können – und das zwingt die deutsche IT-Branche dazu, ihre großen Innovationspotenziale auszuschöpfen.

Dass Deutschland IT kann, zeigen nicht zuletzt die ganz großen Player wie SAP und Software AG, die unter den Top Ten Software-Unternehmen weltweit sind. Sie machen vor, was längst auch kleinere Dienstleister erkannt haben: Allen voran sie selbst haben im globalen Wettbewerb nur mit zukunftsfähigen Produkten und innovativen Entwicklungen gute Karten. Dementsprechend wird das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland von Softwarehäusern und IT-Dienstleistern getragen, die – immer bestrebt, optimierte Lösungen zu liefern – die Digitalisierung aller anderen Branchen erst ermöglichen.

Optimismus in der Wirtschaft

Diese Stärke der IT-Branche scheint auch der übrigen Wirtschaft Selbstvertrauen zu verleihen. Laut Digital-Business-Readiness-Studie, die Crisp Research im Auftrag von Dimension Data durchgeführt hat, sehen sich ganze 93 Prozent der Entscheider in deutschen Unternehmen im Angesicht des digitalen Wandels gut oder sehr gut aufgestellt. Dabei schätzt beispielsweise die produzierende Industrie den Einfluss der Digitalen Transformation auf das eigene Unternehmen mehrheitlich als überdurchschnittlich groß ein. Was auffällt: Nur unterdurchschnittliche 35 Prozent der Unternehmen aus dieser Branche haben bisher eine Digitalstrategie implementiert; in der gesamten deutschen Wirtschaft sind es 42 Prozent.

Dieses Verhältnis zeigt, die Unternehmen – und nicht nur die der klassischen Industrie – haben erkannt, dass der omnipräsente digitale Wandel auch sie betrifft. Sie sind bestrebt, im größtmöglichen Maße zu profitieren. Zu oft scheuen sie sich allerdings noch oder trauen sich nicht zu, die Optionen, die die IT der nächsten Generation ihnen bietet, zu bewerten und auf das eigene Unternehmen zu übertragen. Die Digitalstrategie, die auf genauer Bewertung des Status Quo und realistischer Einschätzung des eigenen Bedarfs fußt, ist der erste Schritt, dies zu ändern. Es reicht nicht, wenn Unternehmen die eigene digitale Transformation wollen – sie müssen auch einiges dafür tun.

Next Generation IT als Impulsgeber

Die deutschen Unternehmen, gemeinhin als eher traditionsbewusst zu bezeichnen, zeigen schon erste Ansätze, die in diese Richtung deuten. Statt wie über die Jahre üblich knapp 80 Prozent des IT-Budgets in den Erhalt bestehender Strukturen und nur 20 Prozent in neue Technologien zu investieren, verschiebt sich das Verhältnis nun: Ganze 30 Prozent fließen laut Digital-Business-Readiness-Studie jetzt in die IT-Architekturen der nächsten Generation.

Wiederum die produzierende Industrie sieht dabei den größten Investitionsbedarf: 57 Prozent der Befragten gaben an, mit der bestehenden Infrastruktur nicht in der Lage zu sein, die Digitale Transformation zu meistern. Die Banken (36 Prozent) sowie die Versorger (33 Prozent) schätzen diese Gefahr durchschnittlich als deutlich geringer ein. Dabei nimmt die produzierende Industrie allerdings auch eine Sonderrolle ein: Industrie 4.0 bedeutet in der Umsetzung weitaus größere Planungen und Kosten als etwa die Auslagerung von ERP-Systemen. Die Businesstransformation mittels IT-as-a-Service- oder Cloud-Modellen ist hier erst der erste, aber unerlässliche Schritt zur vernetzten Fabrik.

Kundenzufriedenheit durch digitale Services

Während der globale Wettbewerb größter Treiber dieser Entwicklung hin zur digitalisierten Industrie ist, ist es im Dienstleistungsbereich vor allem der Kunde, der nach Änderungen verlangt. Denn Deutschland will IT; wir wollen immer erreichbar sein, auch von unterwegs auf unsere Daten zugreifen, private Bilder genauso schnell und problemlos von einem Device auf das andere übertragen können wie wichtige Geschäftsunterlagen – und das möglichst sicher. Die Unternehmen stellt das vor neue Herausforderungen, 80 Prozent glauben, dass sich die Digitale Transformation speziell auf den Kundenservice stark oder sehr stark auswirken wird. Kundenfokussierung ist deshalb Trumpf.

Kunden sind heute sehr gut darüber informiert, welche technischen Möglichkeiten es gibt. Sie wollen nicht mehr beim Kundenservice in der Warteschleife hängen, sondern über Video-Chats oder per SMS Probleme erklärt bekommen – und erwarten, dass die Mitarbeiter schon wissen, worüber sie sich online schon selbst informiert haben. Sie wissen, dass es entsprechende Kommunikations-Technologien auch in Deutschland am Markt gibt und die Unternehmen sind gut beraten, hier nachzuziehen. Derzeit, so scheint es, sind größere Unternehmen noch auf der Pole Position: Sie sind, das zeigt die Studie ebenfalls, deutlich aktiver und experimentierfreudiger bei der Gestaltung der Digitalen Transformation als kleinere Wettbewerber – und könnten ihren Vorsprung damit noch vergrößern.

Lösungen nach Maß – mit dem richtigen Personal

Kleinere Unternehmen sollten angesichts dessen aber nicht verzagen – im Gegenteil! Denn Deutschland kann IT in jeder Größenordnung. Mit verbrauchsbasierten Modellen, Software-as-a-Service und dem Assessment eines erfahrenen Partners können auch KMU das Optimum aus ihrer IT-Infrastruktur herausholen und ihre Innovationspotenziale ausschöpfen. Ein Produkt von der Stange ist dabei allerdings keine Lösung; die Prozesse, Strukturen und Netzwerke sind in jedem Unternehmen individuell gewachsen und können nicht einfach 1:1 in der Cloud abgebildet oder um beliebige Kapazitäten erweitert werden.

Ebenso ist aber auch eine komplette Auslagerung des technologischen Know-how keine Option. Gerade auf Seiten der Unternehmen spielt – davon bin ich überzeugt – der digital kompetente Mitarbeiter und "digitale Leadership" in Zukunft die entscheidende Rolle; schon jetzt gibt es einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen Digital Excellence und der erfolgreichen Implementierung einer Digitalstrategie – und damit von Wettbewerbsvorteilen. Für die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen heißt das also, am Puls der Zeit zu sein und von der IT-Branche selbst zu lernen. Dann kann Deutschland beweisen, dass es IT kann.

Sven Heinsen. seit November 2014 CEO der Dimension Data in Deutschland.
Sven Heinsen war zuvor unter anderem bei IBM, Telindus und der avodaq AG.

13. Mai 2015