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Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Frank Endres
TU Clausthal, Institut für Elektrochemie

Hintergründe zur Energiewende
Batterien ohne Power und Windanlagen mit Gesundheitsgefahren

1) Holger Douglas: Im Landtag zu Baden-Württemberg läuft die Diskussion heiß, weil sich die rot-grüne Landesregierung zu wenig für Speichertechnologien stark mache, so der Vorwurf. Immerhin hat man eine Stromlücke erkannt, und bis zu oberen Grünen scheint es vorgedrungen zu sein, daß es auch erhebliche Probleme mit Stromspeichern gibt. Wichtig ist es, einen Blick auf die Speichertechnologien zu werfen. Prof. Frank Endres, Sie forschen an neuen elektrochemischen Speichertechnologien. Welche gibt es denn? Was können die, und über welche Kapazitäten verfügen die?

Frank Endres: Ein Wechselstromnetz wird über die Frequenz geregelt, in Deutschland sind das 50 Hz. Dazu laufen die Turbinen in Kohle-, Kern- und Wasserkraftwerken phasensynchron mit einer konstanten Umdrehungsgeschwindigkeit. Die "Kunst", ein Netz stabil zu halten, besteht nun darin, Frequenz und Phase aller Kraftwerke aufeinander anzupassen, und zwar auch bei wechselnder Last.

In Deutschland werden ca. 30 GW Grundlast benötigt, um diese Bedingung zu erfüllen. Weder Windkraft- noch Solaranlagen können rund um die Uhr eine konstante Grundlast liefern, von der Phasensynchronität ganz zu schweigen. Will man dieses Ziel erreichen, muss man das Netz so umbauen, dass Speicher zwischen 20 und 100 TWh vorhanden sind und davon gespeiste elektronische virtuelle Schwungräder die Funktion der Turbinen übernehmen. Das wäre ein Komplettumbau der Stromversorgung, technisch bei Weiterentwicklung der Elektrotechnik sogar vorstellbar.
Wenn man in Deutschland alle Möglichkeiten, Pumpspeicherkraftwerke zu bauen, nutzt, erreicht man vielleicht 0,15 TWh an Speicherkapazität, das ist natürlich viel zu wenig. Es bleiben dann nur noch chemische und elektrochemische Speicher übrig, die in der Größenordnung bis 100 TWh sogar denkbar sind.

Im "power to gas" Ansatz stellt man mit dem Überschuss-Strom Wasserstoff her und wandelt den in Methan um, der im Erdgasnetz gespeichert wird. Flauten möchte man so mit Gaskraftwerken überbrücken, wenn sich denn jemand finden lässt, der Gaskraftwerke baut und betreibt. Die modernsten Gaskraftwerke Irsching 4 und Irsching 5 werden nun ja abgeschaltet.
Andere Ansätze sollen Brennstoffzellen zur Rückverstromung von Wasserstoff nutzen.

Das ist technisch alles vorstellbar, nur wird der dann zu zahlende Strompreis alleine aufgrund der Alterung der Anlagen oder chemischen Verbindungen irgendwo zwischen 1 und 2 EUR pro kWh liegen. Ich erwarte, dass in einem solchen Szenario auch Batterien (Akkus) für die Netzstabilität erforderlich sind, weil die Elektrolyseanlagen ein stabiles Netz benötigen. In jedem dieser Szenarien werden die wiederkehrenden Kapitalkosten (wegen Alterung) den Strompreis auf weit über 1 EUR/kWh treiben – das wäre unvermeidbar. Der Traum vom kostenlosen Strom, wenn erst einmal genügend Windkraft- und Solaranlagen aufgestellt sind, wird für unabsehbare Zeit ein Traum bleiben.

2) Holger Douglas: Batterien haben nicht nur keine große Speicherfähigkeit, sondern sie altern auch relativ schnell. Warum geht das so schnell und ist absehbar, ob Sie diese elektrochemischen Prozesse in der Batterie aufhalten können?

Frank Endres: Ja, alle Batterien unterliegen einer zyklischen und kalendarischen Alterung, das ist unvermeidbar.
In den letzten Jahren waren Lithiumionen-Batterien in aller Munde. Lithium ist ein sehr reaktives dazu nicht allzu häufiges Metall, das mit jedem bekannten Elektrolyten chemisch reagiert. Solche Batterien sind daher nur kinetisch stabil. Lässt man eine Lithiumionenbatterie mehrere Jahre liegen, bläht sie sich im Laufe der Zeit wegen der Alterung auf. Wird sie dann stark belastet, kann sie zu brennen beginnen. Auch beim wiederholten Laden/Entladen leidet die Batterie, vereinfacht gesagt werden die Materialien in der Batterie durch mechanischen Stress während der zyklischen Belastung immer mehr zerstört.

Wir haben post-mortem-Analysen auch von Batterien, die brannten, durchgeführt und konnten sehen, dass sich in den Batterien sog. "hotspots" bildeten, die irgendwann so viel Wärme produzierten, dass die Batterie einem thermischen "Runaway" unterlag. Bei Zink-Luft-Akkumulatoren nimmt die dort verwendete Kalilauge Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf, hier altert also der Elektrolyt und neue Konzepte sind erforderlich. Bei Bleibatterien (wie im Auto) altern die Elektroden, da bei der wiederholten Auflösung und Abscheidung von Blei immer ein wenig Blei verloren geht.
Es kann auch passieren, dass es in einer Zelle irgendwann einen Kurzschluss gibt und die Spannung zusammenbricht. Will man Bleibatterien für die Speicherung von "regenerativem" Strom nutzen, kann man diese bei der heutigen Technik maximal 1500x aufladen und wieder entladen.
Wegen der kalendarischen Alterung liegt die maximale Lebensdauer bei 6 Jahren, aber auch nur 3 Jahre Lebensdauer sind nicht überraschend. Es gibt Hersteller, die mit 30 Jahren Lebensdauer ihrer Batterien werben und 10 Jahre Garantie geben, meist kleinere Firmen. Ich wäre da ein wenig vorsichtig, denn Papier ist geduldig.

Ein gänzlich neues Batteriekonzept ist so schnell nicht zu erwarten. Hätte die deutsche Politik die Elektrochemie vor gut 20 Jahren nicht beinahe abgewickelt, könnte Deutschland heute eine führende Nation in der Batterietechnologie sein, wir haben aber eher einen Rückstand von mindestens 10 Jahren.

3) Holger Douglas: Sie forschen an Materialien für mögliche neue Batterien. Ein durchschlagender Erfolg ist der Batterieforschung bislang aber noch nicht gelungen, sprich die Energiedichte um ein paar tausendfach zu erhöhen, wie es notwendig ist, um Autos richtig antreiben zu können. Warum macht es uns hier die Natur so schwer, geeignete Paarungen von Materialien zu finden, die gut für eine Stromspeicherung queren? Sie hat doch auch die genialen Kohlenwasserstoffe mit einer ungeheuren Energiedichte auf die Bühne gebracht, die Autos, lange Güterzüge und 500 Tonnen schwere Flugzeuge antreiben kann?

Frank Endres: Hier schlägt die Thermodynamik leider unbarmherzig zu. Die elektrochemische Spannungsreihe erlaubt maximal 6 Volt für ein Elektrodenpaar, das wäre eine (hochgefährliche) Lithium/Fluor-Batterie, deren technische Umsetzung und Verwendung sind für mich kaum vorstellbar.

Voll geladene Lithiumionen-Akkus heutiger Bauart haben bei einer Einzelzelle eine Spannung von 4,2 Volt, mehr ist schwer zu erreichen, weil man noch keine Elektrolyte gefunden hat, die für die sog. "5-Volt-Batterien" geeignet sind. Es ergibt sich wegen des spezifischen Gewichts der Batteriematerialien aktuell leider eine maximale Energiedichte von 0,3 kWh/kg, technisch erreichen kann man heute nicht mehr als 0,15 kWh/kg.
Kohlenwasserstoffe enthalten dagegen rund 12 kWh/kg, wovon ein guter Dieselmotor ca. 5 kWh in mechanische Energie umsetzt. Wirkungsgrad-bereinigt schneiden Kohlenwasserstoffe bzgl. der Energiedichte also mind. 30x besser ab.

Energiedichten von 1 – 5 kWh/kg sind nur mit Metall/Luft-Batterien denkbar. Relativ leicht herstellbare Zink/Luft-Batterien erreichen schon bis zu 0,5 kWh/kg, aber die Alterung des Elektrolyten ist das zentrale Problem. Neue Konzepte sind in der Erforschung, mit einem Markteinsatz ist frühestens in 5 Jahren zu rechnen, und da am ehesten noch aus US-amerikanischer Fertigung.

Lithium/Luft-Batterien waren in aller Munde, und man sprach von bis zu 15 kWh/kg, was aber eine unseriöse Zahl ist, da sie nur auf das Lithium alleine bezogen wurde, die andere Elektrode, der Elektrolyt, Gehäuse usw. nicht berücksichtigt wurden. Im Labor erreichen Lithium/Luft-Batterien 1 kWh/kg, sie altern aber massiv, und eine Lösung für dieses Problem erscheint in weiter Ferne. Ein Einsatz ist frühestens in 20 Jahren zu erwarten, falls überhaupt.

Wir arbeiten mit Unterstützung des BMBF sehr grundlegend an Aluminium/Luft und Silizium/Luft-Batterien. Die denkbaren Energiedichten liegen bei 1 – 4 kWh/kg, aber das ist alles sehr grundlegend und ebenfalls weit von einer kommerziellen Nutzung entfernt.
Vielleicht können Lithium/Schwefel-Batterien als Nächstes vermarktet werden. Im Labor erreichen sie schon 1 kWh/kg. Sie altern aber schnell, und die nutzbare Energiedichte liegt bei ca. 0,3 kWh/kg, was im Vergleich zu Lithiumionenbatterien aber immerhin um einen Faktor 2 besser wäre. Ich rechne eher mit einer langsamen Evolution im Batteriesektor als mit einer schnellen Revolution.

Dazu kommt das Kostenproblem. Wirklich gute Lithiumionen-Akkus, wie ich sie im Modellflug verwende, kosten zwischen 1.000 und 1.500 EUR/kWh, und selbst die "billigen", wie sie in Elektroautos genutzt werden, kosten heute 500 EUR/kWh. Auf die immer mal wieder ins Feld geführten 100 – 200 EUR/kWh für gute Lithiumionenbatterien werden wir m.E. noch ein wenig warten müssen. Kürzlich veröffentlichte Zahlen seitens eines Lobby-Verbandes, bis ca. 2030 würden nur noch 5 Cent für die Speicherung von 1 kWh Strom zu bezahlen sein, kann ich nur mit Schönrechnerei nachvollziehen.

4) Holger Douglas: Erstaunlicherweise haben sich Ingenieure immer wieder im Abstand von 20,30 Jahren an Elektroantrieben für Autos versucht, dann festgestellt, das funktioniert nicht und es sein lassen. Sogar das erste Auto von Porsche wurde mit Batterien angetrieben. Immer setzte sich der Antrieb mit Verbrennungsmotoren und Diesel oder Benzin als sehr guter Energieträger durch. Warum sitzen jetzt wieder Autoingenieure und Autohersteller auf Elektroautos? Es scheint fast so, als ob die Erfahrungen einer ganzen Generation von Ingenieuren nach deren Ausscheiden aus dem Berufsleben vergessen werden, sich junge Ingenieure wieder an derselben Technik probiert und dieselben negativen Erfahrungen wieder machen muss. Ist das der Lauf von Wissenschaft und Technik?

Frank Endres: Das habe ich mich auch schon gefragt. Als sich der letzte Elektroauto-Hype vor gut 20 Jahren in Schall und Rauch auflöste, schrieb ich als junger Doktorand an das damalige Forschungsministerium einen Brief. Ich schlug vor, auf Hybride zu setzen, denn ich habe auch heute gar nichts gegen Elektrofahrzeuge. Sie sind sehr leise und, solange die Batterie genügend Ladung hat, entspannt und angenehm zu fahren. Aber eine Reichweite von 60 km im Winter bei einem bald 30.000 EUR teuren Kleinwagen ist nicht wirklich ein Kaufanreiz, dazu kommt die Alterung von Batterien, zumal ein schneller Preisverfall bei Batterien nicht zu erwarten ist.

Es liegt ja nicht an den Elektromotoren oder der Elektronik, das funktioniert im Großen bei der Eisenbahn oder bei Straßenbahnen ja ganz wunderbar, auch heute sind die Batterien das Problem. Ich erläuterte damals, dass man sowohl die Verbrennungsmotoren als auch die Batterien und die Elektronik nach und nach verbessern könnte. Ich erhielt nie eine Antwort.
In der Folge wurde die Elektrochemie an den deutschen Universitäten faktisch abgewickelt, und es gab keinerlei Forschungsgelder mehr für Batterien, höchstens vereinzelt. Dann kam das Thema ca. 2007/2008 wieder hoch, diesmal begründet mit der "Klimakatastrophe" und der Endlichkeit der Ressourcen. Wieder wurde das politische Ziel ausgegeben, bis zum Jahr X (diesmal 2020) eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen.
Nun gab es leider keine Batterieforscher mehr in Deutschland, so dass die Bundesregierung an einigen Stellen viel Geld investierte, um Forschung und Technik wieder aufzubauen, und zwar nur der Status, der im asiatischen Ausland Standard ist.

Wie aber soll in wenigen Jahren ein von der Politik zu verantwortender Rückstand aufzuholen sein? Politiker wollen gewählt werden, und sie stürzen sich auf ein Thema, das gerade en vogue ist. Im Moment sind das die Themen "Klimaschutz", "Energiewende" und (endgültiger) "Atomausstieg".

Deutschland hinkt bei vielen Themen jedoch hinterher, die Musik der Batterieforschung und –herstellung spielt in Asien und vermehrt nun in den USA. Für neue Ideen, die einen langen Atem erfordern, fehlt Politikern meistens der Mut, die alten Fehler werden vergessen oder ausgeblendet.
Heute ist es bspw. schon recht schwer, Gelder für die Forschung an Lithiumionen-Akkus zu erhalten, manche Kollegen unken sogar, dass es bald gar keine Gelder mehr dafür geben wird, da Kernprobleme als nicht lösbar betrachtet werden. Wenn dann etwas nicht so klappt, wie die Politik erwartet, wird das Thema immer schnell eingestampft, obwohl es seitens der Grundlagenforschung manchmal gerade dann erst interessant wird.
Dazu kommen ermüdende Beantragungszeiträume, und als Hochschullehrer kann man manchmal einfach nur noch beten, dass ein Projekt bewilligt wird, denn mit Haushaltsmitteln kann kein Professor in Chemie, Physik und Materialwissenschaften noch Forschung betreiben, die Universitäten sind eh nur noch ein Schatten vergangener Tage.
Politiker hören sich selten die begründete Meinung von Kritikern an, denn sie wollen in erster Linie ja gewählt werden, zumindest aber muss die Zahl der guten Pressemitteilungen stimmen. Es gibt viele Leute, die davor warnen, die Kernenergie abzuwickeln, zumindest sollte die Forschung hochgehalten werden. Man wird dann aber öffentlich schnell als "Atomkraftbefürworter" bezeichnet und sieht sich einem medialen shitstorm ausgesetzt. Der jetzt politisch gewollte Rückstand in der Kernenergie wird sicher nicht mehr aufzuholen sein.
Eigentlich machen die deutschen Politiker immer wieder dieselben Fehler.

5) Holger Douglas: Wenn das Geld eh weg muss, dann könnte es für eine hybride Lösung mit Verbrennungsmotor und Elektroantrieb ausgegeben werden. Doch hier setzen sie sehr viel aufwendige, teure und vor allem anfällige Technik ein. Lohnt sich des das denn wirklich?

Frank Endres: Wirtschaftlich lohnt sich ein solches Fahrzeug heute sicher nicht. In der sog. Golf-Klasse beträgt der Aufpreis eines Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von ca. 30 – 50 km 5.000 – 8.000 EUR, weil eben zwei Systeme kombiniert werden müssen. Alleine die 10 kWh speichernde Batterie kostet schon 5.000 EUR, bei einer Lebensdauer von vielleicht 6 Jahren, und die Frage stellt sich, ob die Hersteller nicht ein Minus-Geschäft machen.

Nach 6 Jahren ist ein solches Auto nur mit enormem Abschlag zu verkaufen, oder man ist gezwungen, eine neue Batterie einzubauen. Für den Privatkäufer ergibt sich hier eine finanzielle Hürde, die er sich sicher sehr gut überlegen wird, wenn nicht der Spaßfaktor überwiegen soll.
Zweifelsfrei lassen sich Elektrofahrzeuge oder Hybride im elektrischen Modus sehr angenehm fahren. Sie sind leise und emittieren in Städten keine Schadstoffe wie Ruß, Kohlenstoffmonoxid oder Stickstoffoxide. Ich kann mir vorstellen, dass sich Hybride mittel- bis langfristig durchsetzen. Das setzt aber voraus, dass der Aufpreis zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor sehr überschaubar bleibt, die Lebensdauer von Batterien merklich steigt und der Preis für Batterien deutlich sinkt.
Vielleicht setzen sich die Hybride durch, vielleicht kommt man aber auch zu dem Fazit, dass die Technik einfach schon wieder nicht weit genug ist und noch viel mehr grundlegende Arbeiten erforderlich sind.

6) Holger Douglas: Sie machen auf eine weitere möglicherweise gefährliche Folge der Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee und Ostsee aufmerksam. Der Stahl muss in dem aggressiven Seewasser vor Korrosion geschützt werden. Dazu werden jetzt Aluminiumverbindungen mit giftigen Elementen benutzt. Warum und was geschieht dabei?

Frank Endres:Korrosion begleitet die Technik schon seit jeher. Nach Schätzungen der DECHEMA kostet Korrosion jedes Jahr weltweit 3,3 Billionen US-Dollar. Reine Metalle und auch Stähle korrodieren jedoch unterschiedlich. Man könnte den Sockel einer offshore-Windkraftanlage bspw. aus einem gegen Seewasser resistenten Edelstahl bauen, das wäre durchaus vorstellbar.

Neben einer weiteren Kostenexplosion haben Edelstähle aber nicht immer die Festigkeit, die benötigt wird. Also sucht man nach einem günstigen Material mit ausreichender Festigkeit. Korrodiert dieses, wird es durch Schutzschichten und Opferanoden geschützt. Welche Kombination bei offshore-Anlagen eingesetzt wird, weiß ich nicht, dazu müsste man den Hersteller konkret befragen.
Häufig eingesetzt werden bei Süßwasser Magnesium-Aluminium-Legierungen, die in Seewasser zu schnell korrodieren, oder Zink-Legierungen für Seewasser. Eine AZ91-Legierung (Magnesium mit ca. 9% Aluminium und 1% Zink) verhält sich in Seewasser bspw. wie eine Brausetablette, in Süßwasser ist die Korrosion eher langsam. Reines Zink ist in Seewasser viel zu reaktiv, die Korrosion wird daher durch Legierungszusätze verlangsamt. Warum nicht die Hersteller der offshore-Anlagen um Auskunft bitten? Die müssen die Zusammensetzung der Opferanoden ja kennen.

Wir bearbeiteten mal ein Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, in welchem wir nach einem Ersatz für Zink als Beschichtungsmaterial für Stahl suchten. Zinkionen sind in hoher Konzentration ökotoxisch und beeinträchtigen Fische. Wir arbeiteten an Aluminiumbeschichtungen, weil Aluminium eine Oxidschicht bildet, die das Metall darunter vor Korrosion schützt.

Die beteiligte Firma verlor irgendwann aber das Interesse, und unser Ansatz wurde gestoppt, auf eine Begründung warte ich noch heute.
Aluminiumverbindungen werden aber mit degenerativen Erkrankungen des Gehirns in Verbindung gebracht. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob es sinnvoll ist, bspw. in das Wattenmeer Metallverbindungen einzubringen, die als ökotoxisch gelten.
Wir müssen im Labor solche Verbindungen sicher entsorgen. Ob es sinnvoll ist, solche Verbindungen in das Ökosystem einzubringen, müsste dringend erforscht werden. Bis zur Klärung sollten keine weiteren offshore-Windkraftanlagen mehr aufgestellt werden.

7) Holger Douglas: Bedeutet das, dass wir mit den Windkraftanlagen in der Nordsee die Fische und dann letztendlich auch uns mit Aluminium vergiften?

Frank Endres: Diese Frage kann ich nicht exakt beantworten, eine Anreicherung von Aluminium und/oder Zink in der Nahrungskette ist zumindest nicht ausgeschlossen. Die Europäische Union reguliert mittlerweile alles, dieses Thema scheint sie jedoch noch nicht auf dem Schirm zu haben.
Einige Firmen bewerben ihre Kosmetikprodukte mit "Frei von Aluminium-Verbindungen", aber Aluminium- und Zink-Salze aus offshore-Windkraftanlagen scheinen nicht als Problem identifiziert zu werden. Offenbar urteilt man hier mit zweierlei Maß.

8) Holger Douglas: Erschreckende Berichte über gesundheitliche Auswirkungen von Windrädern kommen aus Dänemark. Dort haben unfreiwillige Tierversuche die drastischen Auswirkungen von Infraschall demonstriert. Was ist das denn überhaupt für ein Phänomen? Wie entsteht in Infraschall bei Windrädern?

Frank Endres: Eine Windkraftanlage aktueller Bauart entzieht dem Wind nur etwa 40 % seiner Energie. Das bedeutet, dass 60% der Energie anderweitig umgewandelt werden. Bei großen Windkraftanlagen werden an den Rotorspitzen bis zu 400 km/h erreicht, in der Folge entstehen Turbulenzen und deutliche Druckschwankungen, deren Folge wiederum Schallwellen sind. Man kennt das von den Wirbelschleppen großer Flugzeuge.
Dass durch Windkraftanlagen Infraschall mit (nicht hörbaren) Frequenzen unter 20 Hz entsteht, zweifelt niemand mehr an, auch zweifelt niemand mehr an, dass umso mehr Infraschall entsteht, je größer die Windkraftanlage ist. Die Studie aus Dänemark hat mich nicht überrascht, denn Infraschall durch WKA (aber auch durch akustisch schlecht gedämmte Wärmepumpen) ist messbar, und lebende Organismen reagieren auch darauf. Über die Folgen und die individuelle Empfindung wird heftig gestritten, ich vermute - aus eigener Erfahrung - dass Allergiker empfindlicher auf Infraschall reagieren als Nicht-Allergiker, aber das ist nur eine Vermutung, die ich nicht streng wissenschaftlich belegen kann. Die Medizin wäre gefordert, diesbezüglich sofort mit der Grundlagenforschung zu beginnen.

Viele Allergiker sind auch sehr lichtempfindlich, wobei eine exakte wissenschaftliche Begründung dafür meines Wissens noch fehlt, man hat bzgl. Allergien bis heute sowieso nur ein rudimentäres Verständnis für ihr Entstehen, die schulmedizinische Behandlung setzt nicht bei der Ursache an sondern kann beim aktuellen Wissensstand nur die Folgen bekämpfen.
Für mich ist es seitens der Windenergie-Szene eine infame Anmaßung, Beschwerden über Infraschall als die Einbildung von Irren darzustellen. Man könnte dann genauso gut argumentieren, dass man sich um die Belange von Allergikern gar nicht zu kümmern braucht, weil die meisten Menschen eben keine Allergiker sind und man Pollen auch nicht sehen kann, man könnte Allergikern also einen NOCEBO-Effekt vorwerfen.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist es UNVERANTWORTLICH, die Beschwerden von Menschen im Zusammenhang mit Windkraftanlagen als NOCEBO-Effekt zu bagatellisieren und ohne jegliche Rücksicht einfach so weiterzumachen wie bisher. Die Politik in Bund und Ländern wäre gefordert, sofort unabhängige Untersuchungen in Auftrag zu geben, und zwar nicht an per se befangene Institutionen.

Zum Schutz der Bevölkerung wäre die einzig logische Entscheidung, bis zu einer abschließenden wissenschaftlichen Klärung den Ausbau der Windenergie mit sofortiger Wirkung auszusetzen bzw. Windkraftanlagen zum Schutz von Leib und Leben nur noch mindestens 10 - 15 km von der nächsten Ortschaft entfernt aufzustellen. Wenn die Bundesregierung an dem Ziel "Energiewende" festhält, wäre sie gefordert, die Forschungsgelder massiv zu erhöhen, um alternative Konzepte zu entwickeln. In Japan werden bspw. Windkraftanlagen entwickelt, die den Magnus-Effekt nutzen. Inwieweit diese WKA Infraschall produzieren, müsste geprüft werden.

9) Holger Douglas: Kennen Sie weitere wissenschaftliche Untersuchungen über dieses Phänomen?

Frank Endres: Soweit ich informiert bin, gibt es medizinische Fachliteratur, die den Einfluss von Infraschall auf die menschliche Gesundheit behandelt, ich bin aber kein Mediziner und rate daher, hierzu einen neutralen und unbefangenen Umweltmediziner zu befragen. In Deutschland entsteht erst langsam ein Bewusstsein für Infraschall, weil durch den massiven Zubau von Windkraftanlagen die Probleme eben erst nach und nach auftreten.
Dass die Windkraft-Szene jeden Zusammenhang mit gesundheitlichen Folgen abstreitet, ist nachvollziehbar.

Die Politik zwingt Autohersteller zur CO2-Minderung der Fahrzeuge, obwohl mehr als umstritten ist, dass CO2 eine messbare Klimawirkung hat, der unmissverständlich messbare Infraschall von Windkraftanlagen und seine gesundheitlichen Folgen werden jedoch noch völlig negiert. Das geht so weit, dass eine deutsche Nachrichtensendung einen angekündigten Beitrag zu Infraschall zurückgezogen hat.

In einer anderen öffentlich rechtlichen Sendung wurden die Opfer von Infraschall implizit als Spinner dargestellt. Eine verantwortungsvolle Regierung müsste sofort die Notbremse ziehen und den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen in Deutschland aussetzen, bis die Frage nach einer gesundheitlichen Gefährdung eindeutig geklärt ist. Im Zweifelsfalle sollte das Wohl von Leib und Leben immer über den global sowieso zu vernachlässigenden "Klimaschutzmaßnahmen" Deutschlands stehen. In der thermischen Nutzung "erneuerbarer" Energien und in der Effizienzsteigerung thermischer Prozesse gibt es sehr viel mehr Potential, die fossilen Ressourcen zu schützen.

10) Holger Douglas: Was sollten Anwohner in der Umgebung von Windradanlagen tun, die teilweise sehr nahe an ihren Wohnhäusern liegen?

Frank Endres: Ich kann hier schwer einen Ratschlag geben. Wie bei Allergenen vermute ich, dass nicht jeder Mensch in gleicher Weise auf Infraschall reagiert. Manche reagieren sehr empfindlich, manche vielleicht gar nicht. Ich kann nur erläutern, wie es mir ergangen ist. Wir haben im Jahre 2009 in unser Haus für gut 50.000 EUR eine elektrische Wärmepumpe mit Erdsonden eingebaut. Ich bin seit Geburt Allergiker, bin mit meiner multiplen Pollen- und Lebensmittel-Allergie aber immer gut zurechtgekommen.

In den letzten Jahren verstärkten sich meine Allergiebeschwerden so massiv, dass ich im Frühjahr bis zu 6 Wochen arbeitsunfähig war. 2013 überstand ich das Frühjahr nur noch mit Cortison. Wegen der stark gestiegenen Strompreise haben wir unsere Wärmepumpe im Spätsommer 2013 stillgelegt und wieder eine moderne Gasbrennwertheizung eingebaut. Zu meiner Überraschung hatte ich im Sommer 2014 vergleichsweise geringe Probleme, ich brauchte nicht einmal durchgehend Medikamente. Auch in diesem Jahr habe ich die Frühblüher-Saison bisher gut überstanden, kein Vergleich zu den Jahren davor. Ich habe dann meine Arztrechnungen recherchiert und festgestellt, dass meine Probleme seit 2010 massiv zunahmen.

Nun würde ich als Wissenschaftler nicht den schlüssigen Beweis ableiten wollen, dass Infraschall meine Allergiebeschwerden massiv verschlimmerte, ein gewisser Zusammenhang ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Von meiner Erfahrung auf die Allgemeinheit zu schließen, wäre wissenschaftlich aber nicht in Ordnung.
Ich würde betroffenen Bürgern raten, auf die Abschaltung einer solchen Windkraftanlage zu drängen. Um Beweise in der Hand zu haben, sollte ein qualifizierter Arzt eingebunden werden. Es hilft ja nicht, die gesundheitlichen Probleme kleinzureden, bei der aktuellen politischen Situation in Deutschland, die alle Kräfte dem "Klimaschutz" und der Energiewende widmet, werden solche Beschwerden von offiziellen Seiten am ehesten in das Reich der Phantasie geschoben.

(Das Interview führte Holger Douglas, Vorstand Wissenschaft und Technik
beim Deutscher Arbeitgeber Verband)

13. April 2015