Start | Kontakt | Impressum
 
 
 

Aktuelles

 
 

RSS-Feed
abonnieren

 
 
 

Klaus Alfs

Die Logik des Terrors –
gemeingefährlicher Tierschutz: Teil 2

Kindchenschema als "Ethik"
PETA behauptet zwar, Menschen seien Tiere, meint aber in Wirklichkeit, dass Tiere (die besseren) Menschen sind. Diese Haltung hat wenig mit Ethik zu tun; sie resultiert auch nicht aus einer besonderen Empathie für andere Lebewesen oder Nähe zur Natur, sondern aus Entfremdung. Dieses Phänomen ist unter dem Begriff Bambi-Syndrom wissenschaftlich erforscht worden. "Die Natur erscheint aus dieser Sicht wie ein übergroßes Bambi, das einen aus unschuldigen Augen Hilfe suchend anschaut. Sein Kindchenschema wird offenbar der gesamten Natur übergestülpt", schreibt der Soziologe Rainer Brämer in einer empirischen Studie.

Diese "Infantilisierung der Natur" hat laut Brämer "fatale Folgen. Nicht nur Zivilisation und Technik, sondern die jungen Menschen selber treiben mittlerweile ihre eigene Naturentfremdung voran." Natur und Tiere sind immer gut; der Mensch ist hingegen böse und macht durch seine "Eingriffe" die heile Welt kaputt. So könnte man die dem Bambi-Syndrom entsprechende Haltung charakterisieren.

PETA nutzt in ihrer Öffentlichkeitsarbeit bewusst und derart ausgiebig den Bambi-Effekt, dass deren Mitglieder auf ihre eigene Propaganda selbst hereinzufallen scheinen. "Tiere und Kinder gehen immer", heißt es in der Werbung. Was gibt es im Hinblick auf Public Relations also Besseres, als mit "Tierkindern" und einer infantilisierten Fauna Menschen zu fischen?

Der Bulle von Nümbrecht – echter Held oder doch nur ein Tier?
Was Tierrechtler für "Empathie" halten, ist eine tendenziell krankhafte Form psychischer Projektion, die an Paranoia grenzt. Dies stellte jüngst Animal Peace unter Beweis: Kurz nachdem im Januar 2015 ein 61jähriger Landwirt aus Nümbrecht von seinem Zuchtbullen erdrückt worden war, erschien auf der von Animal Peace betriebenen Website viva-vegan ein Nachruf auf den Bullen, der das traurige Ereignis als Großtat eines bovinen Spartacus feiert. Unter der Überschrift "Ein Bulle nimmt Rache" wird das Tier als "Held der Freiheit" bezeichnet. "Mögen ihm viele Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen", lautet der Schlusssatz des Artikels.

Der Protest gegen diese Verhöhnung des Opfers blieb zum Glück nicht aus. Die trauernde Familie erstattete Strafanzeige gegen Silke Ruthenberg. Laut Spiegel-Online hatte Animal Peace in den 1990er Jahren immerhin 30 000 Mitglieder, ist also keineswegs eine Splittergruppe. Heute sind es noch 5000 Mitglieder.

Silke Ruthenberg sah sich aufgrund der Reaktionen genötigt, ein Statement zu veröffentlichen, worin sie ihre Haltung noch bekräftigt. "Wir haben einen Perspektivenwechsel unternommen und uns in die Gefühls- und Erlebniswelt des Bullen hineinversetzt", behauptet sie. Weiter phantasiert sie über das "Bild des Bullen als handelndes Subjekt, das sich Unrecht nicht gefallen lässt", und betrachtet ihre Bemerkungen als legitimes Stilmittel. "Dass dieses Stilmittel so manchen psychologisch und intellektuell überfordert – so what?!" Diese Empathie- und Pietätlosigkeit gegenüber Menschen mag unbefangene Leser erschrecken, ist aber durchaus nicht untypisch für Tierrechtler.

Der Perspektivenwechsel, von dem die Autorin schreibt, wird bei näherem Hinsehen als peinliche Maskerade kenntlich. Keineswegs hat sich Ruthenberg in den Bullen hineinversetzt, sondern bloß ihre eigene "Gefühls- und Erlebniswelt" in das Tier hineinprojiziert. Dies lässt auf eine Persönlichkeit schließen, welche psychisch und intellektuell damit überfordert ist, eine andere Perspektive einzunehmen als die eigene. Der Bulle gilt für die bekennende "Bauernhasserin" offenbar nur deshalb als "handelndes Subjekt", weil er eines ihrer Hassobjekte getötet hat.

Wie oben bereits erwähnt, impliziert Handlungsfähigkeit, dass dem Subjekt seine Taten als Verschulden oder Verdienst zugeschrieben werden. Durch dieses Charakteristikum unterscheidet sich Handeln vom bloßen Verhalten. Wenn derselbe Bulle einen Tierrechtler oder ein Kind zerdrückt hätte, wäre er für Ruthenberg wahrscheinlich nur ein Tier gewesen, das seinen Instinkten folgt. Eine Eloge auf den "Sklaven" hätte sie dann gewiss nicht verfassen können. Denn wenn sie dem Bullen seinen Angriff auf den Landwirt als Verdienst zuschreibt, müsste sie ihm die Tötung eines unschuldigen Kindes auch als Verschulden zuschreiben.

Wer das natürliche Verhalten von Rindern kennt, weiß, dass es zum normalen Repertoire der Tiere gehört, Artgenossen wegzudrücken und zu –schieben. Ich habe selbst viel mit Zucht- und Mastbullen gearbeitet. Die Tiere sind keineswegs besonders bösartig oder aggressiv, wenn sie versuchen, Menschen mit ihren Köpfen oder Leibern wegzudrücken. Meist wollen sie lediglich Rangordnungskämpfe ausfechten und "spielen".

Da sie viel kräftiger sind als Menschen, kann bereits ein – aus Sicht des Tieres – leichtes Drücken für ersteren tödlich enden. Auch erwachsene Bullen streben selbstverständlich nach Dominanz. Der Landwirt starb vielleicht, weil er einen Moment lang unaufmerksam war. Dies kann auch dem besten und tierfreundlichsten Halter passieren, denn trotz ihrer Domestikation bleiben Rinder eben Rinder. Wildrinder sind bisweilen sehr aggressiv. Kaffernbüffel werden z.B. von den Einheimischen nicht umsonst Schwarzer Tod genannt: Sie verursachen mehr Todesopfer als Löwen.

Es ist absurd, einem Tier, das von Natur aus nichts für Gleichrangigkeit übrig hat, als Kämpfer gegen die Sklaverei darzustellen. Die Pointe an der Sklavenbefreiung besteht doch gerade darin, dass die Sklaven tatsächlich handlungsfähige Subjekte im Vollsinne waren, obwohl dies von den Befürwortern der Sklaverei bestritten wurde. Weil die versklavten Menschen voll geschäfts-, rechts- und vertragsfähig waren, kämpften sie dafür, selbständig Verträge schließen zu können, z.B. Heirats-, Arbeits- oder Kaufverträge.

Wer einen per se nicht handlungsfähigen Bullen mit einem Sklaven gleichsetzt, würdigt letzteren herab. Die historischen Sklaven empfanden es zu Recht als große Erniedrigung, mit Tieren auf eine Stufe gestellt zu werden. Tiere mit Tieren auf eine Stufe zu stellen, ist hingegen eine Beleidigung für niemanden.

Gegen den "Nachruf" gab es viel Protest von anderen Veganern und Tierrechtlern. Allerdings ist es von deren Standpunkt aus schwierig, diesen Protest zu begründen, da sie in der Regel die Prämissen der Autorin teilen. Wer ernsthaft glaubt, die vermeintliche Unterdrückung der Tiere sei dasselbe wie Sklaverei, und ferner unterstellt, die Tiere würden durch ihre Versklavung unermessliches Leid erfahren, hat kein gutes Argument parat, warum sich die Geschundenen nicht auch gewaltsam gegen ihre Peiniger wehren sollten.

Wenn also die verwendeten Begriffe ("Sklaverei") in Bezug auf Tiere ernst genommen werden, ist der Protest gegen Ruthenberg unlogisch. In die Enge getrieben, behaupten Tierrechtler gerne, ihre Begriffe nur "in Analogie" zu verwenden. Es seien "strukturelle Ähnlichkeiten" zwischen Rassismus und "Speziesismus" erkennbar. Silke Ruthenberg hat den verstorbenen Landwirt also nur "analog" zum Sklavenhalter erklärt und seine Familie bloß als "Stilmittel" verhöhnt. Das wird den Hinterbliebenen gewiss ein Trost sein. Die strukturelle Ähnlichkeit zur Menschenverachtung werden sie jedoch gewiss nicht übersehen.

Veganer Wahn: Tierbefreiung als "Résistance"
PETA feiert die 1976 in Großbritannien gegründete Animal Liberation Front (ALF), eine vom FBI als terroristische Organisation eingestufte Gruppierung, als "wichtigen Teil der heutigen Tierrechtsbewegung, genauso wie es die Weiße Rose oder die französische Resistance als Widerstandsgruppen früherer Schlachten im Sinne sozialer Gerechtigkeit taten [sic!]."

Die Tierrechtler glauben allen Ernstes, sie befänden sich in einem "Widerstandskampf", der mit dem der Weißen Rose und der Résistance auch nur annähernd gleichzusetzen wäre. Dieser flagrante Realitätsverlust bleibt nicht ohne Folgen. Eine davon ist die berüchtigte Kampagne Der Holocaust auf Ihrem Teller, wo Bilder von kranken Kälbern neben Fotos von ausgehungerten KZ-Häftlingen gestellt werden.

Was die ALF und ähnliche Gruppierungen alles treiben, kann man hier und hier nachlesen. Durch ihre Terroraktionen hat es die ALF in England beispielsweise geschafft, die Universität Cambridge vom Bau eines Instituts für Alzheimer- und Parkinsonforschung abzuhalten. Zahlreiche Forscher und deren Familien werden von Tierrechtlern systematisch tyrannisiert. So erging es auch der deutschen Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, die mit Zebrafischen experimentiert hatte. Ferner werden Metzger und Landwirte sowie deren Familien regelmäßig Opfer von Anschlägen auf deren Geschäfte bzw. Ställe. Da Tierschutz als gute Sache gilt, wird über den Terror nur selten berichtet. Immerhin traute sich ZEIT-Online im Jahr 2014, einen Artikel über die "Vegane Armee Fraktion" zu veröffentlichen.

Die Animal Liberation Front hat auf ihrer Homepage den vollständigen Inhalt eines Buches mit dem Titel Declaration of War online gestellt, dessen Lektüre letzte Zweifel an der Friedfertigkeit von "Tierbefreiern" beseitigen dürfte. Die ALF weist auf das Pamphlet mit der possierlichen Überschrift hin: "Killing People to save Animals and Environment". Die Autoren des Machwerks nennen sich "Liberators" ("Erlöser", "Befreier") und fordern explizit die Abschaffung der gesamten menschliche Zivilisation zugunsten der "Natur". Gewaltfreie Lösungen kämen hierbei nicht infrage, da sie ineffektiv seien. Alle Menschen, die direkt oder indirekt an der "Ausbeutung" und Tötung von Tieren beteiligt sind, sollen gewaltsam von ihrem Tun abgehalten und ggf. getötet werden.

Wer vom Wahn besessen ist, in Zeiten des Holocaust zu leben und einer tierrechtlichen Résistance anzugehören, hält es natürlich für legitim, derart drastische Mittel anzuwenden. Was die "Erlöser" wohl vom Rapper Thomas D. halten? Dieser hatte in einer ZDF-Sendung seine Auffassung kundgetan, wonach der Vergleich von "Massentierhaltung" und Holocaust noch nicht radikal genug sei. Möglicherweise bezeichnen die "Erlöser" Thomas D. als inkonsequentes Weichei, weil er den "Mega-Holocaust" nur mit pazifistischen Floskeln und veganer Ernährung bekämpfen will.

PETA, der Kinderschreck
Thomas D. wirbt in einem offiziellen PETA-Video für den Veganismus – ebenso wie der Comedian Kaya Yanar. Yanar betont in dem Video, dass er Veganer "aus Überzeugung" sei, weil seine Freundin ihn dazu "bekehrt" habe. Es ist also nicht abwegig zu vermuten, dass Yanar für McDonald's werben würde, wenn seine Freundin Burger bevorzugte.

Diese Videos richten sich vor allem an junge Leute. Sektenführer streben danach, den Fanatismus möglichst früh in menschliche Gehirne zu pflanzen, um Kritikfähigkeit und geistige Autonomie gar nicht erst entstehen zu lassen. Deshalb sind Kinder und Jugendliche die bevorzugte Beute der tierrechtlichen Menschenfischer.

PETA verbreitet Flyer, auf denen ein im Comic-Stil gezeichneter Mann mit mordlüsternem Blick zu sehen ist, der einen Fisch ausnimmt. Dein Papa tötet Tiere, lautet die Überschrift. "Erkläre deinem Papa, dass Angeln Fische tötet und Fische leben möchten. Bis Papi gelernt hat, dass Töten nicht lustig ist, halte Hund & Katzen besser von ihm fern. Er hängt daran, wehrlose Tiere zu töten. Sie könnten also die nächsten sein! Hol deinen Papa weg von der Angel! Versteck die Angel oder besser noch: wirf sie weg!" Es gibt auch ein Faltblatt "Deine Mama tötet Tiere" (Your Mommy kills Animals), auf dem eine Frau zu sehen ist, die mit geiferndem Blick ein Kaninchen ausnimmt. Dies soll den Groll gegen Frauen fördern, die Pelze tragen.

Laut Eigenauskunft von PETA werden die Flyer nicht an Jugendliche unter 13 Jahren verteilt und sind angeblich vor allem für Erwachsene gedacht. Diese dürfen sich bei PETA bedanken, wenn ihr pubertierender Nachwuchs plötzlich Muttis Kleiderschrank verbrennt, Papis Angelausrüstung verschrottet und anschließend erbittert in eine Essstörung flüchtet. Dreizehnjährige haben übrigens oft jüngere Geschwister, die ebenfalls der abscheulichen Flyer ansichtig werden können.

PETA will dafür nicht verantwortlich gemacht werden und verweist darauf, dass sie für die Kleinen eine eigene Online-Kampagne namens Petakids bereitstellt. Dort wird den Kindern das Bambi-Syndrom eingeprägt, damit sie als Jugendliche Abscheu vor jedem empfinden, der von diesem Syndrom nicht befallen ist. Käptn Iglo wird dann wohl bald an Fische verfüttert werden, die aus der Panade befreit wurden. "Bestimmt geht es dir wie vielen Kindern – du liebst Tiere über alles. Sie sind einfach süß und sobald man sie sieht, ist man gut gelaunt", heißt es bei "Petakids" unter dem Stichwort Tiere essen. Die Frage, ob ein Kind auch dann noch "gut gelaunt" ist, wenn es Schweinchen, Wölfchen oder Bärchen allein in freier Wildbahn begegnet, wird von "Petakids" natürlich nicht thematisiert. Mit der wirklichen Natur sollen die Kids möglichst nicht behelligt werden. Die wenigsten Tiere sind "süß", aktivieren also beim Menschen den Schlüsselreiz zur Fürsorge ("Kindchenschema"). 95 % aller Tierarten sind z.B. Wirbellose, die bei den vielen Menschen Ekelreaktionen auslösen. Es ist keine moralische Leistung, bestimmte Tierarten bzw. deren Jungtiere süß zu finden.

"Kinder sind von Natur aus mitfühlend und tierlieb", schwärmt PETA. Woher PETA weiß, was Kinder "von Natur aus" sind, bleibt wieder einmal im Dunkeln. Die Erfahrung lehrt allenfalls, dass Kinder ein Interesse an Tieren haben – nicht zuletzt, weil sie allgemein neugierig sind. Manche Kinder sind tierlieb, manche so là là, und manche verhalten sich ungehemmt grausam zu Tieren. Kinder haben im übrigen auch Mitgefühl mit ihren Stofftieren oder anderen unbelebten Objekten. Müssen sie deshalb zur Ehrfurcht vor den Wollmäusen erzogen werden?

"Kinder betrachten Tiere als Mitlebewesen und haben noch nicht die kulturellen und gesellschaftlichen Prägungen wie Erwachsene", lobt die Erziehungswissenschaftlerin Janine Louis, Leiterin der "Petakids"-Kampagne, in einem Interview. Aber eben weil Kinder sich in Bezug auf Tiere eher als Gleiche unter Gleichen fühlen mögen; weil sie "kulturell und gesellschaftlich" noch nicht gelernt haben, Tiere aus moralischen Gründen zu berücksichtigen, reißen sie Spinnen die Beine aus, quälen sie Kleinsäuger, blasen sie Frösche auf und laufen anschließend nach Hause, um ihre Stofftiere zu knuddeln. In der als "Unschuld" gefeierten moralischen Unbedarftheit ähneln Kinder Tieren mehr als Erwachsene. Kleinen Kindern fehlt meist genau jene Art von Sentimentalität, die PETA ihnen einblasen will. Indem PETA behauptet, Kinder seien von Natur aus tierlieb, erklärt sie Mädchen und Jungen, die an Tieren wenig interessiert sind, implizit zu kleinen "Perverslingen". Da hilft wohl nur die Einweisung ins PETA-Bootcamp, um das "widernatürliche Verhalten" der renitenten Blagen abzustellen.

Tier-Religion als Schulfach
Wer glaubt, die Tierrechts-Ideologie sei ein marginales Phänomen ohne Einfluss auf Schulkinder, hat den Schuss nicht gehört. "Die große Nachfrage nach PETAkids-Unterrichtsmaterialien zeigt, wie grundlegend das Thema Tierrechte in den Schulen angekommen ist", frohlockt Janine Louis auf der PETA-Homepage. Sie wird weiter mit den Worten zitiert: "Kinder und Jugendliche lernen anhand der passgenau zugeschnittenen Programme, eine umfassende Wertschätzung für Tiere zu entwickeln, um so langfristig mitfühlende Entscheidungen treffen zu können." Dass Kinder lernen, vernünftige Entscheidungen zu treffen, ist offenbar nicht Inhalt dieses "Bildungsprogramms". Zur Moral gehört aber weit mehr als bloßes (Mit-)Gefühl. Warum Kinder überhaupt lernen müssen "mitfühlende Entscheidungen zu treffen", wo sie doch angeblich schon "von Natur aus mitfühlend und tierlieb" sind, gehört zu den vielen Rätseln der tierethischen Pädagogik Marke PETA.

Es ist an deutschen Schulen ausdrücklich erwünscht, dass Tierrechtler mit ihrer Mitleids-Tour durch die Klassenräume ziehen. In Berlin-Brandenburgs Schulen darf z.B. seit einigen Jahren Tierschutzunterricht angeboten werden. Die Teilnahme ist bisher zum Glück noch freiwillig. Während betuliche Religionslehrer vor der Gefahr durch Sekten warnen, darf die vegane Sekte ihre Opfer mit verquaster Ideologie kröpfen und wird ausgerechnet vom Senat für Bildung, Wissenschaft und Forschung darin gefördert. Schulen in Berlin und Brandenburg haben folgendes Schreiben eines Dr. Peter Seidel erhalten:

"Sehr geehrte Direktorin, sehr geehrter Direktor! Sehr geehrte Lehrerinnen, sehr geehrte Lehrer! Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstützt das Projekt ‚Tierschutz im Unterricht', das durch speziell ausgebildete Tierschutzpädadogen betreut und in allen Schultypen angeboten wird. Es wird allen Schulleitern empfohlen, von der Einladung der TierschutzlehrerInnen Gebrauch zu machen."

Dr. Seidel und der Senat haben offenbar gebilligt, dass der Lehrstoff des Tierschutzunterrichts aus purer Propaganda besteht. Auf dem entsprechenden Faltblatt ist eine "Auswahl möglicher Themenkreise" abgedruckt. In der knappen Darstellung dieser sechs Themenkreise wird gleich zur tierrechtlichen Sache gekommen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die "speziell ausgebildeten Tierschutzpädagogen" Nutztierhaltung generell für verwerflich halten: "Welche Alternativen gibt es zur Nutztierhaltung? Was kann jeder einzelne durch sein Konsumverhalten bewirken", heißt es in dem Flyer. Wohlgemerkt: Hier ist nicht von Alternativen zu bestimmten Haltungsformen die Rede, sondern zur Nutztierhaltung als solcher. Die Alternative kann logischerweise nur der Veganismus sein.

Einer der vier auf dem Faltblatt abgebildeten TierschutzlehrerInnen ist Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Vegetarierbundes (Vebu) und nach eigenen Angaben "Trainee bei PETA". Welches Material er wohl im Unterricht verwenden? Die Schriftenreihe des renommierten Instituts für Tierschutz der Tierärztlichen Hochschule Hannover oder Videos der Marke "Petakids" und "Dein Papa tötet Tiere"?

Seine Kollegin ist ebenfalls Mitglied des Vebu, eine weitere hat für die Albert-Schweitzer-Stiftung einen "veganen Projekttag für Kinder" veranstaltet. Die vierte Tierschutzlehrerin ist offenbar für die Tierrechtsorganisation Vier Pfoten tätig. Sie alle wurden sehr "speziell" ausgebildet von der Akademie für Tier-Mensch-Beziehung (ATMB) in Graz, einer obskuren Vereinigung mit fragwürdigem Weltbild. Deren Gründerin, Charlotte Probst, beglückt Schüler und Seminarteilnehmer mit folgender Grundidee: "Zunächst haben alle Geschöpfe dieser Erde ein Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit. Das ist ein Schöpfungsrecht."

Diese selbstgeschöpfte Auffassung wird in typisch tierrechtlicher Manier begründungslos in den Klassenraum gestellt. Dass die Wörter "Geschöpf" und "Schöpfung" notwenig auf einen Schöpfer (also Gott) verweisen, scheint niemanden zu interessieren. Um ihre Behauptung zu stützen, müsste Frau Probst zumindest 1. die Existenz eines Schöpfers beweisen, 2. plausibel darlegen, woher sie weiß, welche Rechte dieser Schöpfer erlassen hat, 3. die Frage beantworten, warum sich kein Tier und keine Pflanze an diese Rechte hält, 4. erklären, wieso der Schöpfer überhaupt Rechte erlassen muss und warum er die Welt nicht so gestaltet hat, dass Freiheit und Unversehrtheit aller Lebwesen a priori gewährleistet sind.

Statt derlei unbequeme Fragen zu beantworten, legt Charlotte Probst lieber anderen Fragen vor: "Der Tierschutzlehrer", schreibt sie, "legt Kindern und Jugendlichen die Frage vor: Wie weit wollt ihr Tierrechte akzeptieren bzw. verwerfen? Wo steht ihr? Wie weit geht eure ‚Ein-Sicht'? Euer ‚Mit-Gefühl?'" Die Schüler sind gut beraten, nicht die falsche Antwort zu geben, sonst müssen sie womöglich im Eselskostüm nachsitzen, um zu erkennen, wie ähnlich ihre Bedürfnisse denen eines Huftieres sind, das seinen Peinigern gerne in ihre Hintern träte. Es ist bestürzend, mit welch haarsträubendem Unfug Kinder in der Bildungsanstalt Schule indoktriniert werden dürfen. Wie sollen sie so lernen, selbständig zu denken?

Veganismus als Parasitismus
Wenn eine praktikable Moral gesellschaftlich gefördert werden soll, müsste folgendes Desiderat des Philosophen John Leslie Mackie handlungsleitend sein: "Wir haben die Menschen zu nehmen, wie sie sind, und moralische Normen zu entwickeln, wie sie durchführbar erscheinen." (Ethik, S. 169) Mackie zufolge ist es zwar unproblematisch, wenn diese Normen mit den bestehenden Gewohnheiten und Ansichten konfligieren; sie müssen aber prinzipiell verwirklichbar und dürfen keinesfalls bloße Utopien sein.

Mackies Mahnung ist im Grunde eine erweiterte Fassung des alten römischen Rechtsgrundsatzes Ultra posse nemo obligatur: "Über das hinaus, was einer kann, ist niemand verpflichtet." Die von PETA und Co. geforderte vegane Lebensweise würde Mackie wahrscheinlich als "das beste Rezept für eine Katastrophe" bezeichnen (S. 189). Werden nämlich die "vernünftigen Gründe" aus dem Tierschutzgesetz entfernt, bleibt die Forderung übrig: "Niemand hat das Recht, einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen." Dieses Gebot charakterisiert die vegane Grundhaltung recht gut. Bestimmend für das Handeln "ethischer" Veganer ist offenbar die in Jesaja 65, 25 fürs Jenseits vorgesehene Utopie: "Wolf und Lamm sollen weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen."

Bei einer auf unerfüllbaren Geboten beruhenden Moral kann jeder jeden zu Recht als inkonsequenten "Sünder" anklagen. Deshalb gewinnen in Gruppierungen, welche durch solche Gebote zusammengehalten werden, sukzessive die Fanatiker an Macht, und am Ende wird jegliche Moral im Dienste der "guten Sache" preisgegeben. Nicht umsonst bezeichnet Immanuel Kant die "Unredlichkeit, sich selbst blauen Dunst vorzumachen", als "radikal böse" (Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Kap 1.3). Denn Selbstbetrug ist der Anfang allen moralischen Elends.

Wer aus moralischen Gründen ein bestimmtes Handeln fordert, fordert implizit, dass es möglichst von allen praktiziert wird. Daher gilt es als allgemeiner Grundsatz einer rationalen Ethik, dass moralische Normen nicht durch deren allgemeine Befolgung untergraben werden dürfen. Genau letzteres kennzeichnet aber den "ethischen" Veganismus: Würde etwa die Landwirtschaft weltweit ohne Viehhaltung praktiziert, würde sie rasch kollabieren. Ohne den aus der Viehhaltung gewonnenen organischen Dünger gäbe es keinen funktionierenden Nährstoffkreislauf mehr und die Böden würden auf Dauer ausgelaugt. Gigantische Missernten und Hungersnöte wären die Folge.

Vegane Landwirtschaft ist Raubbau, denn das, was den Böden an Nährstoffen entzogen wird, muss in anderer Form (organischer Dünger) wieder auf die Böden zurück. Auch der flächendeckende Einsatz von Mineraldünger ("Kunstdünger") würde diesen Raubbau nur forcieren. Mineraldünger ist eine endliche Ressource und muss möglichst sparsam verwendet werden. Als Ergänzung zum organischen Dünger entfaltet er seine optimale Wirkung. Auch die viehlose Landwirtschaft arbeitet daher in der Regel mit zugekauftem organischem Dünger (Gülle, Mist).

Da vegane Landwirtschaft in der Realität so gut wie nicht praktiziert wird, lebt jeder Veganer de facto von der Ausbeutung und Verwertung der Tiere, sofern die von ihm konsumierten Pflanzen nicht ohne tierischen Dünger produziert worden sind. Fast alle Veganer lassen sich also von "Tierausbeutern" ernähren. Allein deshalb haben sie kein Recht, sich über Viehhalter zu erheben. Indem sie es trotzdem tun, erweisen sie sich als moderne Manichäer.
Die meisten Tierrechtler lehnen überdies Tierversuche rigoros ab. Wie oben geschildert, tyrannisieren "Tierbefreier" Forscher und zerstören deren Labore. Aber die medizinischen Mittel und Therapien, die auf Tierversuchen basieren, werden trotzdem gerne genutzt. Neil Lea, Gründungsmitglied der Animal Liberation Front, lebt mit einer transplantierten Niere. Er profitiert also von einer medizinischen Technik, die mit Hilfe von Tierversuchen entwickelt worden ist. Das von Tierrechtlern massiv angegriffene Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik hat in einem sehr lesenswerten Einführungstext aufgelistet, welche medizinischen Errungenschaften es ohne Grundlagenforschung an Tieren nicht geben würde. Diese Liste ist lang und trotzdem unvollständig.

Selbstverständlich sind Tierversuche weiter unerlässlich, um Krankheiten zu heilen oder deren Symptome zu lindern. Aufgabe des Tierschutzes ist es, hier für restriktive Regelungen zu sorgen. Diese sind in Deutschland bereits vorhanden. Wer aber den gänzlichen Verzicht auf Tierversuche fordert, handelt unverantwortlich. Wenn er dann nicht wenigstens darauf verzichtet, von den betreffenden medizinischen Segnungen zu profitieren, setzt er sich auf Kosten anderer moralisch in Szene.

Manche Tierrechtler behaupten, vegane Landwirtschaft werde in Zukunft universell praktikabel sein und Medizin könne auch ohne Tierversuche auskommen, sobald sich die Forschung nur darauf konzentriere, entsprechende Lösungen zu entwickeln. Doch selbst wenn dies stimmte, träfe die Tierrechtler das Verdikt Mackies, eine bloße Utopie als im Hier und Jetzt praktikable Norm auszugeben. Wer glaubt, Menschen seien moralisch dazu verpflichtet, ohne technische Hilfsmittel zu fliegen, wird auch dann nicht ernst genommen, wenn er beteuert, die Genforschung könne den Menschen bald Flügel verleihen.

Die von Tierrechts-Organisationen wie PETA, Animal Peace, Animal Equality und anderen propagierte vegane Lebensweise taugt nicht zum allgemeinen Vorbild, denn sie beruht notwendig darauf, dass sie von den meisten Menschen nicht praktiziert wird. Veganismus ist eine bizarre Variante des moralischen Parasitismus. Er schmarotzt bei der Norm, dem Selbsterhaltungsinteresse des Menschen Vorrang einzuräumen, indem er dieses Schmarotzen selber zur Norm macht.

Fazit
Nur wer seinen Verstand still stellt und sich dem Bambi-Syndrom hingibt, kann die tierrechtliche "Ethik" für intellektuell hochstehend halten. In Wirklichkeit kippt sie bei jeder Gelegenheit aus den Pantinen und stolpert in Quatsch. An Vernunft und kritischen Verstand wird an keiner Stelle appelliert. Statt dessen wird alles Mögliche behauptet und mit dem Verweis auf "Natur" künstlich aufgeblasen. Die von PETA und ähnlichen Organisationen betriebene Propaganda trägt zur Förderung der Allgemeinheit nichts bei, sondern begünstigt bloß die allgemeine Verwahrlosung auf "geistigem und sittlichem Gebiet".

Die tierrechtlichen Aktionen richten aber auch erheblichen materiellen Schaden an. Landwirte, Metzger und andere Menschen, die ihren Lebensunterhalt verdienen, indem sie Tiere nutzen, werden von den "Tierbefreiern" in ihrer Existenz bedroht. Abermillionen Menschen sind beruflich von der Tierhaltung abhängig. Ihre Interessen zählen aber für Tierrechtler nicht, obwohl jene Menschen gemäß tierrechtlicher Weisheit auch nur Tiere sind. Stalleinbrüche, Brandanschläge, Beschädigung von Schaufenstern u.ä. sind hierzulande an der Tagesordnung und verursachen hohe Kosten. Manche Metzger mussten schon ihr Geschäft aufgeben, weil ihnen ständig die Scheiben eingeschlagen und die Wände beschmiert wurden.

Fanatische Tierrechtler sabotieren mit ihren Aktionen die wissenschaftlich-technische Forschung. Dies kann zur Folge haben, dass die betreffenden Wissenschaftler das Weite suchen und in Ländern forschen, die keine Probleme mit veganen Aktivisten haben, z.B. China oder Indien. Ganze Forschungszweige könnten hierzulande verdorren. Die Einbuße an wissenschaftlichem und technischen Know-How könnte drastische ökonomische Konsequenzen haben. Würden etwa die Forderungen der Tierrechtler nur in Deutschland verwirklicht, würde den Bürgern sehr schnell klar, was der Begriff "Standortnachteil" bedeutet.

Nach alldem ist erneut zu fragen, warum Organisationen wie PETA, Animal Peace, aber auch Animal Equalitiy oder Animals' Angels hierzulande als gemeinnützige Organisationen anerkannt sind. Welchen allgemeinen Nutzen hat es, wenn der Landwirtschaft Fläche für "Kuhaltersheime" oder "Gnadenhöfe" entzogen wird? Warum wird die verbissene Verblendungsarbeit der Tierrechtler auch noch steuerlich gefördert? Es ist mit Bezug auf das geltende Tierschutzgesetz durchaus möglich, sich z.B. gegen die Sportfischerei zu engagieren, ohne Angler gleich mit Mördern gleichzusetzen und perfide Kampagnen zu fahren.

Der Tierschutz erfüllt eine wichtige korrektive Funktion. Tierrechtler sind hingegen keineswegs besonders konsequente Tierschützer, sondern Sektierer, die Selbstbetrug und Selbsterhöhung mit Moral verwechseln. Tiere dienen ihnen dabei nur als emotionales Nutzvieh. Es ist höchste Zeit, Veganismus und "Tierbefreiung" als politische Gefahr zu begreifen.

Klaus Alfs ist ausgebildeter Landwirt und Diplom-Sozialwissenschaftler

18. März 2015