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Die "mittelständische SE"
Ein Schritt in die richtige Richtung

Deutschlands Wirtschaft wird von einem starken Rückgrat gehalten, für das sie weltweit geschätzt wird. Mehr noch als das bekannte "made in Germany" weiss die Welt von uns, wie sehr unsere Unternehmenslandschaft von mittelständischen Betrieben geprägt ist. Die Sicherheit der rechtlichen Rahmenbedingungen und die gewachsene Historie dieses Unternehmerischen Mittelstandes prägen den Eindruck, der deutschen Maschinenbauern auf internationalen Messen vorauseilt.

Schon vor einem Jahr wurde im Beitrag "Gut in Form" in dieser Rubrik gezeigt, dass Unternehmern die reiche Auswahl an den Rechtsformen AG, gAG, AG & Co. KG, AG & Co. KGaA, e.K., e.V., GbR, GbRmbH, GmbH, gGmbH, GmbH & Co. KG, GmbH & Co. KGaA, GmbH & Co. OHG, InvAG, KG, KGaA, Ltd., Ltd. & Co. KG, OHG, Partenreederei, PartG, Part GmbH, G-REIT, Stiftung, Stiftung & Co. KG, Stiftung & Co. KGaA, Stiftung GmbH & Co. KG, Stille Gesellschaft, UG (haftungsbeschränkt), UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG und VVaG sowie der in der EU ebenfalls möglichen EWIV, SCE und SE zur Verfügung steht. Statistisch richtet sich gestern, heute und sicher auch in Zukunft der Fokus aller Gründer auf die GmbH. Gesellschaften mit beschränkter Haftung können mit einfachstem organisatorischen Aufbau errichtet und finanziert werden und sind in vielen Geschäften ein Grundpfeiler des Vertrauens.

Dennoch werden seit fast elf Jahren, basierend auf einer Verordnung der EU aus dem Jahre 2001, vermehrt Unternehmen in die Rechtsform der SE (Societas Europaea), überführt oder als SE gegründet. Prominente Beispiele sind Bertelsmann, Fresenius, Allianz, MAN, BASF, E.ON und Klöckner sprechen ebenso dafür wie viele mittelgroße und kleinere Unternehmen. Wir wollen in diesem Beitrag Überlegungen anregen, welche Motive mittelständische Familienunternehmen zur Gründung als SE oder Umwandlung in eine SE bewegen können.

Zunächst ist auf die rechtliche Nähe der Societas Europaea (SE) zur Aktiengesellschaft (AG) einzugehen. Damit eine SE betrieben werden kann, waren auf Grundlage der SE-Verordnung (SE-VO) neue Gesetze namens SE-Ausführungsgesetz (SEAG) und ein weiteres Arbeitnehmerbeteiligungs-Gesetz (SEBG) nötig. Diese sind neben den weiterhin geltenden Gesetzen wie Handelsgesetzbuch (HGB) oder Aktiengesetz (AktG) seitens der in Form der SE unterhaltenen Unternehmen einzuhalten. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. steht seinen Mitgliedern mit Rat und Spezialistenwissen zur Seite, wenn es um die Anwendung auch dieser neuen Gesetze geht.

Im Unterschied zur AG ist eine SE mit einem Grundkapital von 120 TEUR (AG: 50 TEUR, Stammkapital GmbH: 25 TEUR) auszustatten. Sie wird, ebenso wie die AG, von den Organen Vorstand und Aufsichtsrat geführt und hat ihre Hauptversammlung mit Feststellung des Jahresabschlusses bereits innerhalb von sechs statt acht Monaten abzuhalten. Neben diesen Verschärfungen eröffnet die neue Rechtsform der SE dem deutschen Mittelstand jedoch einige interessante Vorteile.

Schon die zunehmende Vernetzung mit Lieferanten und Kunden in Nachbarländern zeigt, dass der internationale Auftritt eines Unternehmens durch den Namenszusatz "SE" vor allem innerhalb der EU profitiert, denn in allen EU-Ländern breitet sich diese Rechtsform mehr und mehr aus. Für Unternehmen in Grenzgebieten vereinfacht die SE-Form daneben grenzüberschreitende Verlegungen des Unternehmenssitzes ebenso wie alle im üblichen Unternehmerleben eintretenden Nachfolgeaktivitäten wie Verkauf, Übernahme, Fusion und Aufspaltung. Erwähnt sei jedoch, dass der Gesetzgeber die rein rechtliche Verlegung eines Unternehmenssitzes in ein anderes Land zu Zwecken der Ausnutzung toleranterer Vorschriften verhindert hat. Der Verwaltungssitz und Satzungssitz einer SE müssen sich in ein und demselben Staat der EU befinden.

Ein wahrscheinlich noch bedeutenderer Vorteil des Unterhaltens einer SE besteht in der vereinfachten Organisation ausländischer Zweigniederlassungen. Die damit verbundene Minderung von Verwaltungskosten auf Seiten der Unternehmen ebenso wie auf Seiten der öffentlichen Bürokratie gilt als das Ursprungsmotiv der Europäischen Kommission, die Societas Europaea vorzuschlagen. Innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes ist es nun möglich, Zweigniederlassungen einheitlich und direkt unter dem Dach einer gemeinsamen SE auftreten zu lassen. Die Bildung von Landes-Kapitalgesellschaften oder Zwischen-Holdings und der Unterhalt aller damit verbundenen Anstrengungen wie Landesgeschäftsführungen, Vertretung von Gesellschafterinteressen und alle mit dem Betrieb einzelner Buchungskreise verbundenen Ballaste entfällt für eine SE.

Auch der unternehmerischen Entfaltung bietet die Rechtsform SE einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu bisherigen Rechtsformen. Bekanntlich ist der Aufsichtsrat einer Kapitalgesellschaft bei Überschreiten der Beschäftigtenzahl von 500 Arbeitnehmern laut Drittelbeteiligungsgesetz zu einem Drittel und bei Überschreiten der Schwelle von 2000 Arbeitnehmern gemäß Mitbestimmungsgesetz sogar zur Hälfte von Vertretern der Arbeitnehmerseite zu besetzen. Die Arbeitnehmer-Mitbestimmung ist nach Umwandlung in eine SE zwar fortzuführen, wird jedoch auf dem vor der Umwandlung bestehenden Niveau "eingefroren". Da die vorgenannten Mitbestimmungsregelungen für die SE nicht gelten, ist bei weiterem Wachstum des Unternehmens die Mitbestimmung nicht anzuheben. Demnach ist der Betrieb einer SE vor allem für Unternehmer interessant, die ihre Unternehmen vergrößern wollen und sich aktuell noch unterhalb bestimmter Schwellenwerte befinden.

Daneben dürfte vor allem Familienunternehmer die Möglichkeit überzeugen, eine SE nicht "dual" mit Vorstand und Aufsichtsrat, sondern "monistisch" mit nur einem Organ zu führen. Diese in angelsächsischen Wirtschaftsräumen und in der Schweiz herrschende Organisationsform sieht die Führung durch einen Verwaltungsrat vor, der für operative Aktivitäten einen Geschäftsführenden Direktor bestellt. Je nach der Zielvorstellung eines Unternehmers, sein Unternehmen schlank und direkt in Form dieser auch als "One-Board-System" bekannten Aufstellung zu führen, kann die monistische Organisation seiner SE eine Lösung sein.

Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ist mittlerweile als "die" liberale Stimme des unternehmerischen Mittelstandes bekannt und führt Mitglieder der unterschiedlichsten Rechtsformen. Auch hier zeigt sich der Vormarsch der Societas Europaea. Ob die SE das richtige Modell für jede Leserin und jeden Leser unserer Webseite ist, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Sicher ist aber, dass nur der unabhängige Erfahrungsaustausch im unternehmerischen Netzwerk den besten Rat bietet. Das ist es, was wir Ihnen bieten: Deutscher Arbeitgeber Verband e.V.


11. Februar 2015