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Eva Quistorp, ex-Europaabgeordnete der GRÜNEN

Ein europäischer Islam ist dringend nötig

Nach den grauenhaften, doch vorhersehbaren Massakern in Paris an Künstlern und Journalistinnen der Satirezeitung Charlie Hebdo, an Juden und Polizisten, die sie zu schützen versuchten, und der erhebenden Massendemonstration von Millionen Franzosen mit ihren Kindern und Buntstiften und der Marseillaise für Presse, Satirefreiheit und Republik, scheint auch in einigen deutschen Zeitungen langsam das Nachdenken zu beginnen: Über den Zusammenhang des globalen islamistischen Terrors mit den islamistischen Propagandamaschinen im Internet, ausreichender Sicherheitsdienste, islamischem Religionsunterricht, islamischer Seelsorge in Gefängnissen und der Frage, warum so viele junge Männer sich von der rigidesten Form des Islam fasziniert fühlen, die geistig zurück in die Wüste des 7. Jahrhundert will. Mit High Tech und bösester Barbarei bewaffnet, mit Krieg in Irak, Syrien und Libyen und mit Selbstmordattentaten gegen sogenannte Ungläubige, Frauen, Kinder, Journalisten, Christen, Jesiden, moderate Muslime, Kulturdenkmäler.

Als Antwort darauf spricht Frau Merkel nun, wie Herr Wulff einige Jahre vorher: "Der Islam gehört zu Deutschland."

Welch eine Einsicht! Es ist sicher gut gemeint gegen ausländerfeindliche Stimmungen und gegen zu viele Flüchtlinge, und es wärmt auch die Seelen vieler Muslime in Deutschland, doch gleichzeitig ist es banal, zu simpel und ein falsches Signal in den Krisen, in denen Europa sich befindet.

Denn es geht seit Jahren darum, welcher Islam, welche islamische Theologie, welcher islamische Religionsunterricht, welche islamischen Sitten und Gebräuche aus welchen Jahrhunderten und welche Kleiderpolitik zu Europa und Deutschland gehören. Die wahabitische Saudi Arabiens und die der Theokratie im Iran doch hoffentlich nicht und auch nicht die der Muslimbrüder und Salafisten.

Daher fand ich es gut, dass nicht alle CDU/CSU-Abgeordneten diese doch allzu schlichte Beruhigungs- und Belobigungsformel für die Islamvereine durch die Königin des Euro-Europas beklatscht haben.

Es war ein deutlicher Rückfall hinter die Reden von Johannes Rau und von Präsident Gauck zum Thema Integration und kulturelle und religiöse Vielfalt, denen beiden ich durch gemeinsame protestantische Traditionen verbunden bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Gründerin der Grünen und deren Vordenkerin für Reformbündnisse und die Wiedervereinigung Europas auch immer eine Querdenkerin in den Grünen war und nicht jeden Schwachsinn oder jede mangelnde Weltsicht mitgemacht habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich dem simplen Spruch nicht folgen will, ebenso wie Herr Bosbach und der kluge Herr Lammert, weil ich nicht nur wie Frau Merkel Pastorentochter bin, sondern auch Theologie der Befreiung studiert und das erste Netzwerk feministische Theologie mitgegründet habe, 1979. Das war das Jahr der Afghanistan-Invasion der UDSSR, und die USA begannen, die Islamisten. incl. Osama bin laden, dagegen zu finanzieren und ihnen logistisch zu helfen. Auch dem Sieg der Mullahs in der iranischen Revolution.

Wie wichtig Religionskritik ist , die ja ruhig, stilvoll und höflich sein kann, aber auch kämpferisch sein muss, wenn nötig, habe ich - aus einer Hugenottenfamilie kommend - als Differenzierung zwischen den christlichen Kirchen und Lehren, als Tochter aus der Bekennenden Kirche, als 68erin und als frühe Feministin gelernt. Mein Wissen um die Vielfalt christlicher Kirchen und mein religionsgeschichtliches Wissen habe ich nicht nur durch Bücher und Musik, sondern bei Studienreisen nach Lateinamerika und Afrika erweitert , wo ich Coretta King und Allende, Desmond Tutu, Mandela, und Arbeiterpriester in Chile und Peru, Ernesto Cardenal und liberale Juden in Berkeley und Tel Aviv begegnete. Auch das politische Nachtgebet mit Dorothee Sölle oder die Kirche von unten in der DDR, mit Schwertern zu Pflugscharen und den Frauen für Frieden, waren ja nicht "das Christentum" oder einfach eine Religion oder religiös, wie heute geredet wird, sondern eine spezifische, historische, auf die Krisen der Zeit eingehende Form.

Also nehme ich doch den Islam und die Vielfalt der Muslime nur ernst, wenn ich auch auf ihren inneren Streit, auf die notwendigen Reformen im Islam in Europa zumindest eingehe und nicht anfange, wie jetzt auch in den Medien üblich, Deutschland in Muslime und Nichtmuslime einzuteilen und so zu spalten, wie es Pegida nicht besser kann. Wir müssen schärfer zwischen liberalen, moderaten, rechten und rechtsextremen Islamvereinen und –formen unterscheiden - die es alle durcheinander und nebeneinander, teils miteinander verfeindet und miteinander konkurrierend um Geld, Medien und Politikeinfluss gibt. In meinem Essay im Perlentaucher vom 14.1.habe ich Thesen zur notwendigen Religionskritik und eben auch Islamkritik in Europa aufgestellt. Eine Islamkritik, die in globalen Medien vermittelt werden muss, wo Europa lernen muss sich zu erklären und sich zu verteidigen gegen allerlei Feinde der Freiheit und der demokratischen, sozialen, ökologischen Vernunft.

Religionskritik oder Kritik am Alltagsverhalten einiger Jungmännerbanden, die sich mit einem selbstgebastelten Fundi-Islam schmücken und Macht über andere aufbauen, der zwischen Bushido, Gangstarap und Salafisten, world of warcraft und Waffenspielen mixt, dürfen nicht einfach mit dem Schlagwort Islamophobie in die rechte Ecke gestellt und damit tabuisiert werden. Ich erkenne eben in dem Islam nicht wie viele Mulitkultis das Andere, das Fremde, sondern mir kommt aus der christlichen Geschichte vieles bekannt vor. Sowohl die Achtung für Schönheit und Güte in Lebenserfahrungen und die Dankbarkeit für die Schöpfung sind zu finden - aber auch die zu strengen Sitten gegen die Sünde und was als Sünde erklärt wird, die Schattenseiten des brutalen Patriarchates und des unbarmherzigen Kampfes gegen Andersgläubige, als auch Ansätze zum eigenen Umdenken, zur Umkehr. Auch wegen der Ähnlichkeiten der Religionen bin ich mit Alice Schwarzer und Lale Akün von der SPD und Julia Klöckner von der CDU für ein Burka- und NIqabverbot, mit Bischof Huber gegen das Kopftuch für Lehrerinnen, mit Frankreich gegen das Kopftuch an Schulen und für gleiche Regeln im Sexualkunde und Sportunterricht, auch wenn es nicht immer Koedukation sein muss.

Wir müssen in Medien, Politik und Wissenschaft einen europäischen, deutschen liberalen, sozialliberalen, aufgeklärten Islam fördern, was gerade auch die meisten Talkshows und auch Parteien und Universitäten in den letzten Jahrzehnten sogar blockiert haben.

Der liberale, progressive, aufgeklärte Islam, der zu Europa und Deutschland gehört und wirklich bereichert, ist vorhanden, wenn auch recht schwach und er wird von Professor Bassam TIbi seit langem gefordert. Der übrigens lange nicht mehr in Talkshows eingeladen wurde. In Ansätzen ist er da in dem historisch kritischen Grundlagenwerk von Abu Zaid, der im Exil in Leyden lehrte, in Büchern von Hamed Abdel-Samad aus Ägypten, Abdel Wahab Meddeb aus Tunesien, Nevad Kermani aus dem Iran, Seyran Ates aus der Türkei, die eine sexuelle Revolution im Islam fordert und endlich liberale Moscheen, wie von Necla Kelek, die die verlorenen Söhne der muslimischen Familien beschreibt. Auch von Prof Kourchide aus dem Libanon am Lehrstuhl in Münster, und viele andere in ihrem Alltag, die auch ohne Kopftuch und Bart und Burka mit einem Glas Wein und Tanz fromm sein können,

Doch die beiden liberalen islamischen Theologen in Münster, vielleicht auch der in Freiburg, wurden von der DItib bedrängt, von rechtskonservativen Muslimverbänden und Lobbies aus der Türkei und Saudi Arabien, auf muslimischen Webseiten bedroht oder von der Universität getrieben. Gerade jetzt müsste der Lehrer eines barmherzigen und weltoffenen Islam, Prof Kourchide, die curricula des islamischen Religionsunterrichtes und die Talkshowdebatten mitprägen können. Statt dessen wurde von Sabine Christiansen ausgerechnet Pierre Vogel, von Anne Will als medialer Tabubruch ausgerechnet eine Eiferin im giftgrünen Vollschleier eingeladen, von Jauch der plappernde Iman aus Marrokko und nun gestern bei Illner ausgerechnet ein Konvertit und Gefängnisseelsorger im islamischen Langgewand und Langbart und exotischer Mütze, als lebten wir in der Wüste vor einigen hundert Jahren und als gäbe es keine islamischen Seelsorger ohne Bart, die auch gegen die Burka sind. So stärken die Medien die Verwirrung in den Köpfen junger Muslime.

Als Vorbild für junge muslimische Männer hätten die Medien und Politik auch Männer wie Ahmoud Mansour, der schon lange auf die Gefahr des Islamismus und der rechten Muslimverbände hinweist und seit Jahren an Prävention gegen islamische Radikalisierung und für einen sinnenfrohen Islam im Alltag in Europa arbeitet, einladen können. Dass große Teile der islamischen Welt sich in Richtung eines Islamofaschismus bewegen mit Hilfe von Milliarden Öldollars aus Saudi-Arabien oder Katar und den Golfstaaten so wie mit den Waffen von Ghaddafi, davor hat rechtzeitig der Deutschägypter Hamed Abdel-Samad gewarnt, der auch merkwürdig wenig in deutsche Talkshows oder Feuilletons oder an Unis eingeladen wird.

Es sollte zur Grundbildung derer, die im Fernsehen und Radio über den Islam reden gehören, Abu Zaid gelesen zu haben , die "women under muslim law" zu kennen, die französische Kampagne "ni poutain, ni soumi", den Tunesier Abdel Mewab, der von der Krankheit des Islam spricht und den Algerier Said, der den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt.

Sie alle haben, neben vielen Unbekannten und einfachen, lebensfrohen Muslimen, den Weg bereitet, sei es in einer von den Islamisten auch in Mali und Nigeria bedrohten liberalen, sinnenfrohen Volksfrömmigkeit mit starken, freien Frauen oder in der linksliberalen Kultur, Bildungs- und Politikszene der Türkei, Ägyptens, Tunesiens oder Berlins.

Als Europaabgeordnete habe ich mich für die bosnischen Muslime unter Lebensgefahr engagiert und bin 1991 nach Marokko, Algerien, Israel und Palästina in der Zeit des zweiten Golfkrieges gefahren. In Algerien musste ich von Samuel Schirmbeck und afrikanischen Feministinnen früh lernen, bei Besuchen von Moscheen, wie in Algier und Rabat, dass sich islamistische Gruppen, die zu Banden wurden, global vernetzen, bewaffnet und auf der Basis brutaler islamistischer Ideologie, die ihnen Männerherrschaft verspricht und von Mordlust und Reden gegen die Korruption der Politik begleitet ist . So wurde in vielen islamischen Ländern die liberale Elite zwischen Islamisten und Regierung eingezwängt, wie es der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Said mutig beschreibt. Daniel Cohn-Bendit predigte damals noch in der taz: "Wir müssen mit den Islamisten reden." Ich habe das als Verrat an den Berbern und als vollkommen naiv empfunden, sozusagen alle heftigen Konflikte, hinter denen geopolitische Interessen stehen, durch Reden lösen? Erst seit dem Massaker an seinen Freunden in Paris spricht er von Islamofaschismus, hat sich nun auch für die französischen Militäreinsätze in Mali und Libyen eingesetzt.

Dass islamistische Hassprediger in der Moschee in Hamburg die Al Qaida-Truppe des 9.11.2001 geistig und moralisch jahrelang gedrillt haben für ihr brutales Mordgeschäft mit den Suren des Koran. Schon den Algerienkrieg der 90ger Jahre sollten wir doch alle nicht vergessen haben, in dem Frauen mit Kindern auf den Armen abgeschlachtet wurden wie Tiere und 200 000 Menschen umkamen!

Doch diese erschreckenden Tatsachen des global agierenden Islamismus, die ja seit 2001 spätestens die öffentliche Debatte über Moscheepredigten
hätte anstoßen müssen und über die islamischen Religionsbücher und muslimischen Internetseiten, wurde von der Mehrheit der Medien und Politik stillschweigend - selbst bei dem Massaker in Paris - verdrängt.

Die europäische Bürgergesellschaft darf aber nicht religionsanalphabetisch sein und muss gegen Hass und Gewaltvideos, gegen sexistischen Gangstarap und Egoshooterspiele, in denen das Töten trainiert wird, Gesicht zeigen. Wie es in Paris so wunderbar am 11.1., auch jenseits der Demonstrationen, im Alltag, getan wurde.

Die Vielfalt in einer Bürgergesellschaft braucht gemeinsame Regeln auch der Religionskritik und der gesellschaftlichen Reflexion, die über allem Lob von Differenzen nicht verloren gehen dürfen. Zu viel political correctness, zu viel abgehobene Identitätsdiskurse haben für Verwirrung gesorgt.

Jede und jeder, die es wagen, den Islam nach denselben Maßstäben zu kritisieren wie die mangelnden Reformen im Christentum, wurde bisher schnell der Islamophobie bezichtigt oder sofort in die rechte Ecke gestellt. Wie auch Heinz Buschkowsky oder die Richterin Kirsten Heisig aus Neukölln. Man berauscht sich und spiegelt sich in der Verehrung des angeblich Anderen, des angeblich Fremden und an Multikultiträumen statt nüchtern einige Alltagsrealtiäten zu betrachten und zu versuchen, sie auch zu lösen.

Da ich für die Frauenquote und für den Atomausstieg und ein buntes Deutschland in einem wiedervereinigten Europa schon auf dem Gründungsparteitag der Grünen 1980 eingetreten bin, bin ich über einige Erfolge der Grünen auch zur Einwanderungspolitik und Frauenrechte froh. Doch bin ich damals nicht mit Petra Kelly und Winfried Kretschmann als Kulturrelativistin angetreten im "anything goes im life style" von Frauen und Männern. Wir waren nie für eine rechtskonservative katholische Kirche eingetreten mit ihren dunklen Geldkanälen oder ihrer Sexualitäts- und Frauenpolitik. Warum sollten wir dann heute für die konservativen, islamischen Vereine, Behörden, Prediger und deren Geldgeber eintreten?

Wenn die Grünen und die Groko, ebenso wie Wirtschaftsverbände und Medien weiter vor allem die konservativen und machtorientierten Islamverbände fördern, und immer nur wiederholen, dass weitere Zuwanderung für angeblich alle nur eine Bereicherung sei und Alltagsprobleme bei Bildung und Kriminalität verschweigt, und wer an Polizisten, Lehren und Sozialarbeitern spart, braucht sich auch über Radikalisierungen von Muslimen einerseits, über die AFD und Pegida andererseits nicht zu wundern. Es wurde zu lange "übersehen", wie sich muslimische Gruppen radikalisiert haben. Dazu gehört auch ein neuer Antisemitismus, der sich in muslimischen Milieus in Europa gebildet hat - der Morde, Gewalt und Demütigungen von Juden in Frankreich verursacht hat und auf viele europäische Länder übergreift.

Schon in meiner Zeit im Büro der Friedensbewegung in Bonn in den 80ern ist mir aufgefallen, dass sich kaum ein Journalist oder Integrationsforscher um die Fahd Akademie Saudi Arabiens kümmerte und einmal hinter die Kulissen schaute, geschweige denn die Bürger aufklärte. Der Beitrag dieser Akademie Beitrag zur Verschleierung von immer mehr muslimischen Mädchen und Frauen, die Bartzunahme und die rechtsextreme Radikalisierung von jungen Muslimen ist bedeutsam und keineswegs eine Antwort auf Diskriminierung, wie es bei uns gern diskutiert wird.

Auch die propagandistische Arbeit für den Wahabismus der Abdullah Akademie in Wien, die Millionen für den interreligiösen Dialog spendieren und so viele Islamwissenschaftler und Religionsvertreter auf schicke Konferenzen und Hotels gelockt hat, wäre seit Jahren einige kritische Recherchen bei Monitor oder Jauch, bei Illner oder Maischberger, bei Augstein und Blome und auch in der taz wert gewesen. Vielleicht wachen sie jetzt auf angesichts der Proteste von amnesty international und vielen anderen gegen die Folter an dem blogger aus Riad, der nur zu fordern wagte, dass alle Religionen und alle Menschen sind gleich und frei sind.

Mit dem Abwehrschlagwort Islamophobie wurden auch diese Propagandainstitutionen Saudi-Arabiens in ihrem antidemokratischen Wirken gedeckt. Sie haben an Parlaments- und Medienkontrolle vorbei in den letzten Jahren 15 Milliarden in die kriminelle Logistik für den wahabitischen, faschistoiden Islam gesteckt, und zur geistigen Korruption Europas beigetragen. Daran waren auch die Waffenexporte in die Golfstaaten beteiligt ebenso wie Wirtschaftsvertreter, Architekten, Museumsleute und Fußballer und Islamwissenschaftler, die zu dem barbarischen Regime der Religionspolizei und den grausigen Menschenrechtsverletzungen zum Beispiel in Saudi-Arabien geschwiegen und nichts dagegen unternommen haben. An der weltweiten Öl und Waffenwirtschaft hängt eben viel Blut und Bigotterie, Heuchelei und Doppelmoral vieler Staaten, nicht nur des Westens oder der USA.

Wir brauchen keine Reden für "die guten Muslime gegen die wenigen bösen", wir brauchen eine Bildungsoffensive für einen europäischen Islam, eine aufgeklärte Islamkritik, eine intelligente Zuwanderungs- und Sozialpolitik, die sich gemeinsamen Regeln der Demokratisierung, der Frauen- und Minderheitsrechte in den Religionen und allen Freiheiten des Grundgesetzes stellt.

In der konkreten Anwendung des Grundgesetzes bezogen auf die Religions-, Kunst- und Meinungsfreiheit und der Gleichstellung von Frau und Mann dürfen keine anderen Standards für Muslime in Deutschland gelten - weder im Sportunterricht, noch in angeblich religiösen Kleiderzwängen. Ich bin vom Kulturrelativismus gerade in der linken und grünen Szene, die mit ihren Wahlerfolgen und ihren Sympathien in den Medien nun 40 Jahre nach 68 heute bis in die CDU hineinreicht, schwer enttäuscht und sehe darin auch
einen Verlust klaren Denkens, wie es auch Alain Finkelkraut in Frankreich festgestellt hat oder der Philosoph Zizek erkannt hat.

Welcher Islam gehört zu Deutschland und Europa, Frau Merkel, Herr de Maiziere, Frau Roth?

Da Frau Merkel mutig gegenüber dem Papst war, als es um Antisemitismus in der katholischen Kirche ging und neulich auch volkserzieherisch von oben meinte, in die kalten Herzen von Pegidademonstranten schauen zu können, kann man wohl von ihr erwarten, auch gegenüber den muslimischen Gelehrten und Muslimverbänden mutig zu sein. Das hat die Islamkonferenz auch versäumt, es ging immer mehr um Anerkennung und Macht
und Gleichstellung der Muslimverbände mit den Kirchen, statt erst mal eine demokratische Repräsentanz auch der liberalen Muslime und die Förderung von Selbstkritik der Vereine und einer kritischen islamischen Theologie, wie sie Prof Kourchide in Münster entwickelte und dafür von Ditibvereinen und "muslim world" Webseiten beschimpft wurde – es wird sogar explizit Lobbyarbeit gegen ihn betrieben gegenüber der NRW-Regierung.

Also, Frau Merkel, erklären sie, wie sehr gerade dieser Professor zu Deutschland als dem Lande der Reformation gehört und zu einer Bildungsrepublik Deutschland und fordern und fördern sie zusammen mit Wissenschaft und Medien notwendige Religionskritik, demokratiefreundliche Satire und einen europäischen Islam!

Eva Quistorp ist eine Mitbegründerin und Aktivistin
der deutschen Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung.
Die evangelische Theologin und Politologin ist
Gründungsmitglied der Grünen und ehemaliges
Mitglied des Europäischen Parlaments

25. Januar 2015