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Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Geld allein macht nicht glücklich – ein etwas anderer Ausblick auf das Jahr 2015

Die Sparer sitzen auf einem Berg von Geld und zahlen alle längst negative Zinsen. Sie merken es nur noch nicht. Das zeigt: Geld allein macht nicht glücklich. Es ist an der Zeit, etwas zu ändern – drei Thesen, nicht nur für das Jahr 2015.

These 1: Geld allein macht nicht glücklich

Die Sparer stehen seit geraumer Zeit vor einem immensen Problem: Sie haben einen Großteil ihres Geldes in niedrig verzinsten Anlageformen wie dem Sparbuch und Anleihen hoher Bonität investiert – im Falle Deutschlands sind es ca. 40 % des gesamten Bruttogeldvermögens – und die Sparer zahlen faktisch alle bereits negative Zinsen. Sie merken es nur nicht unmittelbar, da die Wirkung der Inflation auf dem Kontoauszugsdrucker nicht sichtbar wird. Mit der Einführung negativer Einlagezinsen für Banken hat die Europäische Zentralbank im Juni 2014 aber eine neue Stufe der finanziellen Repression eingeläutet. Die Folge: Vereinzelt haben Banken begonnen, ab bestimmten Sparguthaben von ihren Kunden negative Zinsen zu verlangen. Von der Wirkung ist das kaum anders als der (unsichtbare) Kaufkraftverlust durch die Inflation. Aber die Wogen der Diskussion schlagen hoch. Die Erkenntnis: Geld allein macht nicht glücklich, besonders nicht, wenn es auf dem Sparbuch liegt.

Wo aber hin mit dem Geld? Was sind die Alternativen? Dies ist eine drängende Frage, denn sicher ist: Über die letzten Jahre hat die von den großen Zentralbanken ausgehende Liquiditätsflut zwar alle "Boote" gehoben, d. h. Aktien wie Anleihen legten zu (vgl. Schaubild 1). Aber am Ende kann nur ein Szenario eintreten: Entweder die Weltwirtschaft kippt in die viel diskutierte Deflation, dann wären die Anleiheinvestoren die "Gewinner". Oder es kommt zu einem soliden Wachstum, dann hätten die Aktieninvestoren auf das richtige Pferd gesetzt. Wohin also geht die Reise?

Schaubild 1

Im kommenden Jahr 2015 ist mit einer Fortsetzung des moderaten Wachstumstrends der Weltwirtschaft zu rechnen. Die Zentralbankpolitik ebnet die Bahn und das Set an globalen, makroökonomischen Indikatoren bestätigt einen Wachstumsausblick, wenn auch die Abwärtsrisiken für den Euroraum während der letzten Monate gestiegen sind.

Staatsanleihen im Euroraum weisen mit ihren derzeitigen Renditeniveaus kaum Spielraum für weitere Kursgewinne mehr auf. Im Gegenteil: Auch bei Einberechnung der Liquiditätsprämien in die Modelle sind Staatsanleihen überbewertet. Ein unmittelbarer Handlungsdruck mag daraus noch nicht entstehen, da die Europäische Zentralbank im kommenden Jahr eine weiterhin expansive Politik betreiben wird, während die US-amerikanische Fed nur langsam beidreht. Zudem scheinen die langfristigen Inflationserwartungen fest verankert zu sein. Aber nach Abzug der Inflation zeigt sich auch bei Staatsanleihen: Sie bieten Risiko ohne Rendite. Zeit also, etwas zu ändern.

These 2: Aktienzins statt Sparzins

Besser also umsatteln. Aber welches Pferd gehört auf jeden Fall in den Stall? Es bleibt dabei: Das größte Risiko ist, kein Risiko einzugehen. Ohne Kursschwankungen geht es also nicht, nur so kann eine Risikoprämie verdient werden.
Beispiel: Aktien. Bei Aktien beteiligt sich der Anleger an Unternehmen und damit an deren Gewinnen und den unternehmerischen Risiken. Dass sich dies durchaus lohnen kann, zeigt der Blick in die Geschichte. Gemessen am amerikanischen Aktienmarkt, da dieser die längste Historie aufweist, haben Anleger in (US-amerikanischen) Aktien im Schnitt der letzten 213 Jahre eine Risikoprämie von 3,7 % p. a. gegenüber Staatsanleihen vereinnahmt. Natürlich wiederholt sich Geschichte nie, aber sie zeigt, dass Märkte Risiko am Ende entlohnen (vgl. Schaubild 2).

Schaubild 2

Dabei stammte ein Teil der Gesamtrendite aus den Kurszuwächsen, aber ein bedeutender Teil kam aus den Dividenden, also den ausgeschütteten Unternehmensgewinnen.
Im Falle europäischer Aktien trugen Dividenden über die letzten fast 35 Jahre knapp 40 % zur Gesamtrendite bei. Und sie entwickelten sich dabei deutlich stetiger als die Aktienkurse, was im Depot für Stabilität sorgte. Dazu kommt noch, dass Kurse von Unternehmen, die Dividenden zahlen, selbst wiederum weniger schwanken als Kurse von Unternehmen, die keine Dividende ausschütten. Wenn man dann noch weiß, dass die Dividendenrendite im Euroraum derzeit bei ca. 3 % liegt, stellt sich schon die Überlegung, ob der "Aktienzins" nicht doch attraktiver ist als der nicht mehr vorhandene Sparzins oder der von der Inflation geschluckte Kupon der Anleihen.

Heißt das jetzt, Anleger sollten ausschließlich auf Aktien setzen? Sicher nicht. Auf mehrere Pferde zu setzen, das gilt auch 2015 – vermutlich stärker noch als in den vorherigen Jahren. Denn die Herausforderung für 2015 lautet: steigende Volatilität. Die Schwankungen sollten zunehmen. Die Performance der letzten Jahre, die vor allem eine Aufholbewegung im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise war, dürfte sich so nicht fortschreiben. Dafür sind auch die Bewertungsfaktoren an den Aktienmärkten nicht mehr niedrig genug. Aktivem Management – "Timing" – kommt eine höhere Bedeutung zu. Aber dafür gibt es ja gute Lösungen, mit denen der Anleger diese Herausforderung delegieren kann.

Hans-Jörg Naumer ist Global Head of Capital Markets & Thematic Research
bei Allianz Global Investors

02. Januar 2015