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Dirk Maxeiner, Mitgründer des Blogs "Achse des Guten"

Deutschland im Reptilien-Modus

Die Dinosaurier sind unter uns. Oder besser gesagt: In jedem von uns steckt ein kleines Reptil. Das liegt am ältesten und tiefstliegenden Teil unseres Gehirns, dem sogenannten Reptiliengehirn. Seine Ursprünge lassen sich mühelos bis zum T-Rex zurückverfolgen. Es fungiert als Kontrollzentrum unbewusster, roboterähnlicher Programme, die aufs Überleben ausgerichtet sind. Wenn hinter uns plötzlich ein schwarzer Schatten auftaucht, dann ducken wir uns instinktiv und überlegen nicht erst, ob es sich um die Ehefrau oder einen Tiger handelt. Ganz gut beobachten lässt es sich auch bei Rasern auf der Autobahn. Mit zunehmender Geschwindigkeit verlieren die jüngeren, größeren und zur Differenzierung geeigneten Teile des Gehirns an Einfluss. Es herrscht der schiere Jagdreflex. Alles andere wird ausgeblendet, beispielsweise Verkehrsschilder.

Nun ist es offenbar so, dass nicht nur einzelne Individuen in den Reptilien-Modus verfallen, sondern auch ganze Gruppen. Zum Beispiel die Medien. Sie werden häufig von sehr schlichten Reflexen geleitet. Der Blick verengt sich, es gibt kein Abwägen mehr, nur noch schwarz und weiß, Freund und Feind. Hysterien wie BSE oder Vogelgrippe lassen sich so ganz gut erklären. Das schrille Panikorchester zum Atomunfall im fernen Fukushima fällt ebenfalls in diese Kategorie. Auch in wirtschaftlichen Dingen schnappt die Medien-Maschinerie gern instinktiv zu, egal ob es nun um ein Freihandelsabkommen oder vorgebliche Steuerhinterzieher geht, die zur Strecke gebracht werden müssen. Die grassierende Political Correctness mit der reflexhaften Reaktion auf unerwünschte Worte und Gedanken passt ebenfalls ausgezeichnet zur Funktionsweise des Reptilien-Gehirns.

Das Abwägen zählt eben nicht zu den Stärken von Reptilien – und auch nicht mehr zu denen von Medien.  Zögern war in grauer Urzeit meist tödlich, weil es zu lange dauerte. Doch inzwischen hat der Mensch ein großes vorgelagertes Primatenhirn, das ihm beim differenzierten Betrachten helfen könnte. Leider wird es gerne abgeschaltet.

Das liegt zum einen daran, dass es im Laufrad des Livetickers wieder ganz schnell gehen muss. Ganze Schwärme von Redakteuren sind in erster Linie damit beschäftigt, Schlagzeilen für die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen zu optimieren – für Recherche oder gar eine zweite Meinung bleibt da wenig Zeit. Hinzu kommt, dass der Meinungspluralismus in Deutschland arge Schlagseite bekommen hat. Im ursprünglichen Sinn liberale Medien, wie es sie zu Beginn der Bundesrepublik viele gab, sind rar geworden. Der Leser kann gar nicht mehr zwischen verschiedenen Positionen abwägen, weil der Zeitgeist hegemonial geworden ist. Wie sagte schon Goethe: "Wenn eine Seite nun besonders hervortritt, sich der Menge bemächtigt und in dem Grade triumphiert, dass die entgegengesetzte sich in die Enge zurückziehen und für den Augenblick im Stillen verbergen muss, so nennt man jenes Übergewicht den Zeitgeist, der dann auch eine Zeit lang sein Wesen treibt."

Unternehmer und Manager beklagen sich gern über ein Meinungs-Klima, das  feindlich und von Voreingenommenheit geprägt sei, wenn es um Marktwirtschaft und freies Unternehmertum gehe. Aber die Beteiligten sollten sich auch einmal fragen, ob sie nicht selbst Teil des Problems sind. Denn in den Top-Etagen der Wirtschaft entwickelt sich geradezu übermächtig der Wunsch, auch einmal zu den Guten zu gehören, endlich Applaus für moralische Hochleistung zu ernten. Die These des Nobelpreisträgers Milton Friedman, wonach Unternehmen nur dann verantwortlich handeln, wenn sie Gewinne erwirtschaften, gilt heute nicht mehr als salonfähig. Kapitalismus und Profit gehören in Unternehmensbroschüren schon seit längerem zu den schmutzigen Wörtern. Wer zum "World Economic Forum" nach Davos reist, sollte mindestens einen Moraltheologen im Gepäck haben. Unternehmen und Manager verwechseln gerne das Wegducken vor harten Auseinandersetzungen mit gesellschaftlicher Verantwortung. Die Unternehmensführer vergessen dabei, dass es auch zur Zivilcourage gehört, Panikmache und Hysterie in der Öffentlichkeit laut und deutlich entgegenzutreten.

Das Hohelied der Öffentlichkeitsarbeiter lautet in solchen Fällen stets: bloß nicht anecken, bloß raus aus den Schlagzeilen. Und sich im Zweifelsfall entschuldigen, auch wenn es gar nichts zu entschuldigen gibt. Jedes Unternehmen für sich genommen ist diese Taktik nachvollziehbar und auch rational. Für alle zusammen wird es aber höchst problematisch, weil die Öffentlichkeit den Eindruck gewinnen muss, dass es gar keine anderen Argumente oder Sichtweisen mehr gibt. Engagierte kleine Gruppen dominieren auf diese Weise den öffentlichen Diskurs, mit ihren gegen Konsum, Wachstum,  Marktwirtschaft und westlichen Lebensstil gerichteten Attacken. Wenn Unternehmer im Gegenwind des öffentlichen Diskurses lieber den Kopf einziehen, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie sich selbst zu Schildkröten machen.

Dirk Maxeiner ist einer der Herausgeber der ACHSE DES GUTEN. Der Autorenblog "Die Achse des Guten" gehört zu den wichtigsten Verfechtern marktwirtschaftlicher und liberaler Positionen im Netz. Seit der Gründung vor zehn Jahren erschienen 40.000 Beiträge. Heute verzeichnet der Server eine Million Besuche pro Monat und drei Millionen Seitenaufrufe. Laut Berliner Zeitung ist die Achse der "einflussreichste deutsche Autorenblog" und die tageszeitung sieht "eine feste liberale Gegenöffentlichkeit im Netz". Damit die "ACHSE DES GUTEN" weitermachen kann braucht sie Paten, die dieses einmalige publizistische Projekt unterstützen.

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05. November 2014