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Lukas Walangitang. Vorstand DAV

Quo vadis, "Basel III"?

Unternehmerische Risiken sind im Laufe der Zeit Veränderungen unterworfen, die aus vielerlei Richtungen auf Unternehmer einwirken. Daher wird nun unter den Zentralbanken der 27 Mitgliedstaaten des Basler Ausschusses diskutiert, das seit einem Jahrzehnt bestehende "Basel III" durch ein "Basel IV" zu ersetzen.

Das neue Regelwerk soll bewirken, dass Banken ihre Kreditrisiken – und damit auch ihren Kapitalbedarf – nicht mehr nach ihren eigenen Vorstellungen berechnen. Dies soll stattdessen nach einem standardisierten Verfahren erfolgen, von dem angenommen wird, dass es den Kapitalbedarf der Banken erhöht. Aus Sicht des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. könnte dies bedeuten, dass Kredite teurer werden oder dass es für Unternehmer schwieriger wird, ihre Unternehmen über Darlehen zu finanzieren.

"Basel IV" wird vor allem von den USA gefordert, da amerikanische Banken bereits seit 2010 aus gesetzlichen Gründen zu einer besseren Eigenkapitalunterlegung ihrer Risiken gezwungen sind. (Das "Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act" entstand durch die Finanzmarktkrise des Jahres 2007.) Im internationalen Diskurs wenden sich Deutschland und auch Frankreich dagegen, weil sie Wettbewerbsnachteile durch ein "Basel IV" befürchten. Vor einigen Tagen hat sich Wolfgang Kirsch / DZ Bank als erster prominenter Vorstand einer großen deutschen Bank öffentlich zu diesem Thema geäußert, indem er einen Abbruch der Verhandlungen um "Basel IV" einforderte.

Diese aktuellen Ereignisse veranlassen uns dazu, den praxisrelevanten Hintergrund für "Basel III" für Unternehmer zusammenzufassen.

Begriff "Basel"

"Basel" ist allen Unternehmern ein Begriff, denn daraus entstand ein Regelwerk, mit dem Banken Unternehmen gewisse Anforderungen abverlangen, ohne deren Erfüllung keine Kredite vergeben werden können. Aber was bedeutet dies wirklich?

Der "Basler Ausschuss für Bankenaufsicht", angesiedelt bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, wurde im Jahre 1974 von den G10-Staaten (später G20) gegründet. Seit 2009 gehören ihm Zentralbanken und Einrichtungen der Bankenaufsicht aus 27 Ländern an, da neben den G20 unter anderem auch die Schweiz, Hongkong und Singapur mitwirken. Deutschland ist durch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vertreten.

Entwicklung

Der Basler Ausschuss definiert Kriterien für Geschäftsbanken, um ihre Risiken zu begrenzen. Kredite an Unternehmer und Unternehmen werden als risikobehaftet angesehen und es geht in Basel darum, die Sicherheit einer Bank nicht durch den Ausfall der Kredite, die sie vergibt, zu gefährden.

So wurde mit "Basel I" im Jahre 1988 vorgegeben, dass Banken 8 % ihrer (gewichteten) Risikoaktiva (Kreditforderungen) als haftendes Eigenkapital vorhalten. Hintergrund war offenbar der Zusammenbruch eines Kölner Bankhauses. Weitere Unternehmenskrisen zu Beginn unseres Jahrhunderts haben dann im Jahre 2007 zu "Basel II" geführt. Seitdem ist mehr Transparenz der einzelnen Kreditrisiken gefordert, was vor allem zum Rating führte. Finanzkrisen der Jahre 2007 bis 2009 haben schließlich "Basel III" hervorgebracht. Dies ist ein Regelungswerk, das die Kapitalausstattung und Liquidität der Banken betrifft und schrittweise in den Jahren 2013 bis 2018 greift.

Mittelstandspraxis

Da "Basel III" das vertraute "Basel II" nicht ablöst, sondern ergänzt, ist zunächst wichtig zu wissen, was "Basel II" für den deutschen Mittelstand bedeutet. Es bedeutet im Wesentlichen, dass Banken seit 2007 ihre Kreditrisiken einzeln bewerten müssen und hier zu dem Instrument des Kundenratings greifen.

Seitdem ist es für Unternehmer noch vorteilhafter, selbst auf solides Eigenkapital verweisen zu können oder ihre Kredite durch Sicherheiten zu untermauern. Startups haben es besonders schwer, wenn, wie so oft, Kapital und Sicherheiten fehlen. Dann werden die Konditionen ungünstig oder es wird kein Kredit gewährt. Dies kann dazu führen, dass ein erfolgversprechendes Vorhaben nicht durchstartet oder die Einwerbung von Investoren erschwert.

Glücklicherweise ist kleinen und mittleren Unternehmender "Mittelstandskompromiss" geblieben, nach dem Kreditvolumen von insgesamt weniger als einer Million Euro eines Kreditnehmers geringer risikogewichtet werden. Daneben darf nicht vergessen werden, dass es sich auch heute günstig auf Konditionen auswirkt, Bank- und möglichst auch Versicherungsgeschäfte bei ein- und demselben Finanzdienstleister zu bündeln.

Gesprächsbedarf

Banken müssen seit Inkrafttreten von "Basel III" (noch) mehr Eigenkapital und Liquidität bereithalten, um Einzelrisiken leichter abfangen zu können und zugleich gemeinsam, als Finanzsystem eines Landes, krisensicherer zu sein. Die höhere Flexibilität, die eine Bank künftig aufweisen muss, führt bei den einzelnen Bankkunden zu geringerer Flexibilität.

Künftig wird es problematisch sein, die Laufzeit eines Kredites zu verlängern oder eine kurzfristige Einlage als Anzahlung eines langfristigen Darlehens einzusetzen, falls dadurch die neuerdings für Banken geltenden Fristenregelungen verletzt werden. Auch kann es, völlig unabhängig von der Solvenz eines Unternehmens, dazu kommen, dass dieses Unternehmen keinen Kredit erhält, weil die betreffende Bank ihre eigene Verschuldungsgrenze überschreiten würde.

"Basel III" führt also für Unternehmer und Unternehmen zu mehr Gesprächsbedarf. Die Transparenz, die der Basler Ausschuss anstrebt, bewirkt beim einzelnen Unternehmer zugleich eine Erhöhung seines Informations- und Beratungsbedarfs. Seine Bonität mag noch so gut sein und das Verhältnis zu Ansprechpartnern seiner Hausbank noch so fest gewachsen.

Zur Beurteilung seiner Chancen als Kreditnehmer benötigt er künftig Kenntnisse über den Stand seiner Hausbank insgesamt und zugleich über Alternativen, die ihm sein Netzwerk bietet. Als Netzwerk zwischen Unternehmern versteht sich der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. und verbindet all diejenigen miteinander, die ihr Unternehmen auch in Zukunft weiter erfolgreich führen werden.

15. Mai 2017

   


Lukas Walangitang

Lukas Walangitang arbeitet als Direktor Internal Audit für einen börsennotierten Konzern. Er bringt seine langjährigen Erfahrungen als Finanzmanager und Aufsichtsrat in seine Arbeit als Vorstand des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ein und begleitet Unternehmer auch in strategischen Fragen.