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Unternehmer sein im Nachbarland Frankreich

Deutschland (2015: 82 Mio. Einw., 3.026 Mrd. Euro BIP) und Frankreich (2015: 66 Mio. Einw., 2.422 Mrd. Euro BIP) sind Nachbarn, deren Wirtschaftsbeziehungen zu den nominell wichtigsten innerhalb der westlichen Welt gehören. Für Deutschland war Frankreich im Jahre 2015 mit Exporten von 170 Mrd. Euro das zweitwichtigste Abnehmerland. Zugleich stand Frankreich 2015 bei Deutschlands Importen mit einem Anteil von 68 Mrd. Euro an dritter Stelle. Selbst wenn man den sogenannten "Airbus-Faktor" und Handelsaktivitäten der bedeutenden Unternehmen der Branchen Chemie, Pharma und Nahrungsmittel unberücksichtigt lässt, ist die Wichtigkeit beider Nachbarländer füreinander unbestritten.

Doch Zahlen wie diese zeigen lediglich, wie viel Geschäft nach Frankreich hinein und aus Frankreich heraus bewegt wird. Sie zeigen nicht, inwiefern deutsche Unternehmer auch "in Frankreich aktiv" sind. Die Summe der rund 1.700 deutschen Unternehmen, die etwa 300.000 Angestellte in französischen Niederlassungen beschäftigen, legt jedenfalls den Gedanken nahe, dass weiteres Wachstum möglich ist. Denn im Vergleich beschäftigen rund 2.500 deutsche Unternehmen etwa 450.000 Angestellte in Großbritannien.

Unternehmer, die beabsichtigen, mit einer eigenen Niederlassung in Frankreich tätig zu werden, sollten sich – neben der unerlässlichen Sprache und Kultur – zunächst mit den Eigenheiten französischer Märkte befassen. Unternehmer, die im Frankreichgeschäft erfolgreich sind, verweisen gern auf drei Faktoren: Werbung, Messen und Verbände. Die Vermarktung, besonders jene der Konsumgüter, erfordert kreative Werbespots, die den französischen Humor ansprechen und in Sekunden wichtige Information liefern.

Trotz zunehmender Nutzung des Internets als Informationsquelle führen kleine, regionale Messen und Kongresse Angebot und Nachfrage vor allem mittelständisch geprägter Wirtschaftszweige zusammen. Ihr Besuch ist oft unerlässlich, um einen Überblick von regionalen Anbietern zu erhalten oder eigene Produkte in Frankreich bekannt zu machen. Jährlich finden landesweit etwa 300 Messen und in Paris allein rund 340 Messen sowie 220 Kongresse statt.

Daneben wird auch empfohlen, Fach- und Berufsverbände aufzusuchen, um in deren Veröffentlichungen und Mitgliederlisten geeignete Kooperationspartner zu finden. Vor dem Hintergrund der Historie des Landes und seines zentralistischen Aufbaus spielen Verbände in Frankreich, die vielfach ihren Sitz in Paris unterhalten, eine bedeutende Rolle. Verbände informieren bereitwillig und vielfach kostenlos über ihre Mitglieder. Soweit sie eigene Printmedien herausgeben, hat das Veröffentlichen von Annoncen schon oft zu Achtungserfolgen und Geschäftsanbahnungen geführt.

Wer schließlich all diese Vorbereitungen getroffen und entschieden hat, sich in Frankreich auch als Unternehmer zu etablieren, hat, je nach Art seines Geschäftes und abgestrebter Betriebsgröße, verschiedene Möglichkeiten. Grundsätzlich kann ein Unternehmer in Frankreich als Freiberufler (profesionnel libéral), Handwerker (artisan) oder Händler (commerçant) bzw. Handelsvertreter (représentant) tätig werden.

Rechtsformen französischer Unternehmen können neben Einzelunternehmen (entreprise individuelle) und Repräsentanzen (bureau de liaison) auch Partnerschaften (SNC, société en nom collectif), GmbH's (S.à R.L., société à responsabilité limitée; EUR, entreprise unipersonelle à responsabilité limitée im Falle der Einmann-GmbH), die verbreiteten Aktiengesellschaften (S.A., société anonyme), die vereinfachte, kleine Aktiengesellschaft (SAS, société pas actions simplifiée; SASU, société par actions simplifiée unipersonelle im Falle der Einmann-AG) oder Kommanditgesellschaften (SCS, société en commandite simple) sein.

Für Zwecke der Unternehmensgründung wird deutschen Unternehmern empfohlen, sich an die staatliche Agentur CFE, Centre de Formalités des Entreprises (www.CFE.urssaf.fr), an die APCE, l'Agence France Entrepreneur (www.AFEcreation.fr) oder an die in Paris ansässige Handelskammer l'Assemblée des Chambres Françaises de Commerce et d'Industrie (www.CCI.fr) zu wenden.

Häufig wird außer Acht gelassen, dass Unternehmer im Nachbarland Frankreich auch durch Anstellung tätig werden können. In Einzelfällen kann es sinnvoll – und gegenüber der Gründung eines zusätzlichen Unternehmens auch einfacher – sein, im Rahmen der "verlängerten Werkbank" einen französischen Kooperationspartner zu finden und mit diesem dann ein Beschäftigungsverhältnis, zum Beispiel als Geschäftsführer, Werkleiter, Bereichsleiter und Vertriebschef zu begründen. Insgesamt arbeiten in Frankreich etwa 700.000 ausländische EU-Bürger, die in Frankreich keine gesonderte Arbeitsgenehmigung benötigen, und rund 800.000 Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern.

11. Juli 2016