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Unternehmer als kluge Investoren – Teil 4

Mit den vorangegangenen Beiträgen dieser Reihe sind wir auf einige Grundlagen eingegangen. Während Teil I die Situation von Unternehmern auf ihrer Suche nach Investitionsalternativen, Teil II die festverzinslichen Rentenwerte und Teil III die Dividendenpapiere besprach, gehen wir heute auf Grundzüge der Rechnungslegung für Wertpapiere ein.

Zunächst ist – logischerweise vor, aber spätestens bei Erwerb eines Wertpapiers und unabhängig von der Art des Wertpapiers – durch den investierenden Unternehmer festzustellen, ob die Wertpapieranschaffung seinem Unternehmen dauerhaft oder nur vorübergehend dienen soll. Unterscheidungskriterien sind die Haltedauer – ob mehrjährig oder nur einjährig bzw. gar unterjährig – und vor allem die Zweckbestimmung der Investition.

Soll die Investition dem Unternehmen dauerhaft dienen, bewirkt sie einen Zugang zum Finanzanlagevermögen. Dieses muss zwar nicht über seine Laufzeit abgeschrieben werden wie andere Gegenstände des Anlagevermögens, aber es ist an einen gegebenenfalls niedrigeren Marktwert anzupassen, falls eine Wertminderung nachhaltig eintritt.

Soll jedoch die Investition dem Unternehmen nur vorübergehend dienen, da von vorne herein beabsichtigt ist, das investierte Wertpapier bei entsprechender Kursentwicklung wieder zu verkaufen, gehört es zum Umlaufvermögen. Damit unterliegt es dem strengen Niederstwertprinzip und ist stets bilanzaktuell an entsprechend niedrigere Marktwerte anzupassen, auch wenn diese sich gleich nach dem Bilanzstichtag wieder erholen.

Ob Anlage- oder Umlaufvermögen, in beiden Fällen ist zu beachten, dass steigende Kurse die Werte in der Bilanz niemals über die eigenen Anschaffungskosten hinaus wachsen lassen können. Anders als im internationalen Rechnungswesen, ist es nach deutschem Recht nicht erlaubt, Gewinne auszuweisen, solange sie sich nicht realisiert haben. Falls sich die Kurse Ihrer Wertpapiere nach dem Erwerb und der ersten Bilanzierung nach oben bewegen, entwickeln sich für Ihr Unternehmen daher sogenannte "stille Reserven", die im Einzelfall den Unternehmenswert erhöhen.

Unabhängig davon sollten Unternehmer im Auge behalten, dass alle Erträge wie etwa Kursgewinne oder Dividenden und alle Aufwendungen wie etwa Kursverluste oder Depotgebühren in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung ebenso wie in allen unterjährigen Betriebswirtschaftlichen Auswertungen in das Finanzergebnis münden werden.

Die routinemäßigen Monats- oder Quartalsberichte des Steuerberaters oder der eigenen Buchhaltung werden erfolgreiche Wertpapiergeschäfte daher in der Regel nicht so prominent in den Vordergrund rücken, wie es vielleicht gewünscht ist. Zugleich wird ein Anstieg der Depotgebühren oder ein Weiterverkauf unter Verlusten das operative Betriebsergebnis des Unternehmens unbeschadet lassen.

Daneben kann das Führen werthaltiger Titel im Finanzanlagevermögen – gerade in Zeiten von Basel III – bei Vorlage der Jahresbilanz gegenüber der Hausbank vorteilhaft sein, zumal Wertpapiere als Sicherheit dienen, da sie belastbar sind. Keine Bank wird je den Wert eines Finanztitels, der eventuell auch Bestandteil ihres eigenen Portefeuilles ist, bei einem Kreditkunden anzweifeln.

Soweit ein Unternehmer die Buchhaltung seines Betriebs einem Steuerberater oder Buchführungsbüro in die Hände gibt, sollte er geeignete Belege zusammentragen, damit die Bestände, Erträge und Aufwendungen aus dem Wertpapiergeschäft eines Jahres rationell verarbeitet werden können. Häufig bieten Banken Depotauswertungen an, die auf übersichtliche Art die wesentlichen Eckdaten eines Wertpapierdepots darstellen. Handelswerte, Depotgebühren und Steuerbeträge können somit leicht abgelesen werden und sind nicht mühsam zusammenzusuchen.

Detaillierte Ratschläge sollen an dieser Stelle nicht erteilt werden, da sie eher von der individuellen Situation, in der sich ein Unternehmer befindet, abhängen. In Fragen der Bank- und Bilanzpolitik gibt es ohnehin nicht besseres als den direkten und unabhängigen Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmern, wie ihn der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. bietet.

25. Mai 2016