Start | Kontakt | Impressum
 
 
 

Aktuell & Nützlich

 
 

RSS-Feed
abonnieren

 
 
 

Unternehmer als kluge Investoren – Teil 3

Die vorangegangen Beiträge dieser Reihe sind auf die Situation von Unternehmern auf ihrer Suche nach Investitionsalternativen und auf einige Grundlagen der Kapitalanlage eingegangen (Teil 1) und haben sogenannte "Rentenwerte", also Zinspapiere wie Anleihen, Bundesschatzbriefe und Schuldverschreibungen behandelt (Teil 2). Wir wollen Ihnen heute ein paar Gedanken zu Dividendenpapieren näherbringen (Teil 3) und diese Reihe demnächst mit einem Beitrag über die Verwaltung von Wertpapieren in Ihrem Unternehmen, ihre Bilanzierung und steuerliche Merkmale (Teil 4) abschließen.

Einer Aktie verleiht ihrem Eigentümer das Recht auf Mitbestimmung im Unternehmen, das diese Aktie emittiert hat, denn sie stellt den Bruchteil an dessen Grundkapital dar. Bei dem emittierenden Unternehmen kann es sich auf dem deutschen Markt um eine Aktiengesellschaft (AG) bzw. ihre europäische Variante Societas Europaea (SE) oder um eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) handeln. Diese Unternehmensformen sind privatrechtliche Körperschaften, deren Leitung die Aktionäre den Organen ‚Vorstand' und ‚Aufsichtsrat' überlassen.

In der Regel werden die Wertpapiere heute nicht mehr "in effektiven Stück" überreicht, sondern in einer Globalurkunde erklärt und im Girosammelverfahren bei Clearstream International S.A., der Nachfolgeorganisation der Deutsche Börse Clearing AG (früher Deutscher Kassenverein AG) hinterlegt. Im Jahre 2015 hat Clearstream 138 Millionen Transaktionen abgewickelt und Bestände von durchschnittlich 13,3 Billionen Euro verwahrt.

Wichtiger als technische Kriterien erscheint Unternehmern jedoch die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Aktien. Durch ihre Beteiligung am Grundkapital verbrieft eine Aktie auch das Recht auf Beteiligung am Gewinn der investierten Gesellschaft, der sogenannten "Dividende". Diese wird vom Vorstand der emittierenden Gesellschaft vorgeschlagen und in der Hauptversammlung durch einfache Mehrheit beschlossen. Zwar werden im Schnitt nur etwa 41 % der Gewinne als Dividende ausgeschüttet, aber in Zeiten niedriger Zinsen trägt die Dividende zur Rendite häufig mehr bei als die Verzinsung eines Rentenpapiers (siehe Teil 2 dieser Beitragsreihe).

Noch interessanter ist die Entwicklung des Marktpreises einer Aktie. Dieser wird durch ihren "Kurswert" wiedergegeben, währenddessen der "Nennwert" einer Aktie nur deren Anteil am Grundkapital entsprechend der Buchführung des emittierenden Unternehmens wiedergibt. Die historisch einmalige Emission einer Aktie (Primärhandel) geschieht zum Ausgabepreis und jeder weitere Handel in diesem Titel (Sekundärhandel) wird an der Börse zum Marktpreis abgewickelt, den man Kurswert nennt.

Investoren sollten Stammaktien von Vorzugsaktien, Inhaberaktien von Namensaktien, Nennwertaktien von Stückaktien und Junge Aktien von Alten Aktien unterscheiden können. Während Stammaktien das oben erwähnte Mitbestimmungsrecht gewähren, statten Vorzugsaktien ihre Inhaber mit keinem Stimmrecht aus, sondern zum Ausgleich mit dem Anspruch auf eine höhere Dividende.

Inhaberaktien stellen in Deutschland die Mehrheit aller Aktien dar, da sie die Rechte auf Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung einfach dem aktuellen Inhaber verbriefen und ohne Umstände auf den nächsten Inhaber übertragen werden können. Namensaktien, die vor allem in angelsächsischen Raum der Standard sind, erfordern hingegen, dass ihre Inhaber im Aktienregister der emittierenden Gesellschaft mit Namen, Geburtsdaten und Adressen hinterlegt ist.

Als Sonderform existiert auch die Vinkulierte Namensaktie, die sich dadurch auszeichnet, dass ihrer Übertragung auf einen anderen Inhaber seitens der emittierenden Gesellschaft zugestimmt werden muss. Dies kann dann sinnvoll sein, wenn unerwünschte Aktionäre wie zum Beispiel Konkurrenten ausgeschlossen bleiben sollen oder spezifische Regeln zu erfüllen sind. Auch emittiert die Deutsche Lufthansa AG stets Vinkulierte Namensaktien, um eine Anforderung des Luftverkehrsnachweissicherungsgesetzes zu erfüllen. Sie sieht vor, dass Lufthansa-Aktien mehrheitlich in deutschen Händen bleiben, damit geltende Luftverkehrsrecht eingehalten werden.

Der Unterschied zwischen Nennwertaktien und Stückaktien besteht darin, dass ersteren ein bestimmter Nennwert zugeordnet wird (häufig 5 Euro aus einem Grundkapital von z.B. 500 TEUR), während Stückaktien nennwertlos sind und durch ihren rechnerischen Anteil am Grundkapital aufzeigen, welchen Stimmrechtsanteil sie verkörpern. Stückaktien haben sich in Deutschland zuletzt aufgrund der Umstellung auf den Euro und der damit verbundenen ‚krummen' Nennwertbeträge ausgebreitet.

Wer sich nun mit ausreichendem Hintergrundwissen ausgestattet hat, sollte zunächst beachten, dass der Markt reich an Ratschlägen, jedoch arm an objektiven Ratgebern ist. Wer beispielsweise dem Rat seiner Hausbank folgt, erfüllt die Portfolioziele dieser Bank oder trägt dazu bei, die Risiken seiner Bank abzumildern. Unabhängige Wegbegleiter lassen sich nur dort finden, wo man sich die Unabhängigkeit ins Pflichtenheft geschrieben hat. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. vertritt die Interessen der Unabhängigkeit und Freiheit von Unternehmern. Die Zahl der Mitglieder, die anderen Unternehmern mit ihrem objektiven Rat zur Seite stehen, wächst beständig.

Als erste Orientierungshilfe über Kursentwicklungen im Markt dienen Indexwerte. Sie dienen als Trendbarometer, denn sie zeigen an, welche Kursbewegung aktuell und durchschnittlich stattfindet. Wir wollen an dieser Stelle nur auf die bekanntesten Werte eingehen. So wird in den Tagesnachrichten der DAX (Deutscher Aktienindex) oft erwähnt. Er wird durch die Kurswerte der 30 größten deutschen börsennotierten Gesellschaften gebildet und oft als eine Art allgemeiner Wirtschaftsindikator verstanden. Daneben gibt es den immer wichtiger werdenden MDAX, der 50 Gesellschaften mittlerer Größe führt, den SDAX, dem weitere 50 kleine Gesellschaften angehören und den TecDAX, der die 30 bedeutendsten Technologieunternehmen führt, unter anderem übrigens die XING AG.

Neben Indexwerten gilt es, einzelne Kurse im Auge zu behalten. Am einfachsten ist es, sich in einer Börsenzeitung oder einem geeigneten Onlinemedium über historische Höchst- und Tiefstkurse einer Aktie zu erkundigen und dann zu kaufen, wenn der aktuelle Kurs niedrig liegt, und die Aktie dann wieder abzustoßen, wenn er hoch liegt.

Daneben ist empfehlenswert, Aktienkurse in sogenannten "Charts" über längere Zeiträume zu beobachten, um auf diese Weise Zyklen oder Abhängigkeiten zu erkennen. Es kann zum Beispiel in konjunkturstarken Jahren vorkommen, dass Kurse von Emittenten des Einzelhandels zur Weihnachtszeit ansteigen. Daneben wird oft beobachtet, dass Aktienkurse von Getränkeherstellern zum Sommer hin ansteigen. Auch ist zu beobachten, dass "Leitwerte" bestimmter Branchen in ihrem Trend die Aktienkurse anderer Unternehmen derselben Branche mitziehen.

Die knappen Ausführungen auch in diesem Beitrag zeigen, dass Aktien ebenfalls ein komplexes Sachgebiet ausfüllen und fachkundigen Rat und seriöse Wegbegleiter erfordern. Die angesprochene Volatilität der Aktienkurse erfordert auch, dass sich Anleger über ihre Erfahrungen direkt und ungebunden austauschen. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. unterstützt seine Mitglieder mit seinem Unternehmernetzwerk gerade in Ihrem Interesse an unabhängigem Experten- und Erfahrungswissen.

Die Reihe "Unternehmer als kluge Investoren" in unserer Rubrik "Aktuell & Nützlich" schließt in den nächsten Wochen mit einem Beitrag über die Verwaltung dieser Werte in Ihrem Unternehmen, ihre Bilanzierung und deren Versteuerung.

18. Mai 2016