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Unternehmer als kluge Investoren – Teil 2

Nachdem der vorangehende Beitrag dieser Reihe auf die Situation von Unternehmern auf ihrer Suche nach Investitionsalternativen und auf einige Grundlagen der Kapitalanlage eingegangen ist, folgen diesmal, wie bereits angekündigt, Ausführungen zu Zinspapieren wie Anleihen, Bundesschatzbriefe und Schuldverschreibungen.

Zinspapiere werden im Sprachgebrauch auch "Rentenwerte" genannt, da auf ihren Nominalwert zu festgelegten Zeitpunkten – in der Regel halbjährlich oder jährlich – eine zugesagte Verzinsung ähnlich einer Rente erfolgt. Emittenten (Herausgeber) von Rentenwerten sind Staaten, Banken, Versicherungen und große Unternehmen. Für sie sind die von ihnen emittierten Rentenwerte Fremdkapital, was für den Anleger bedeutet, dass er gegenüber dem Emittenten zum Gläubiger wird und nicht, wie zum Beispiel bei einer Aktie, Eigentum und Stimmrechte oder eine Beteiligung am Gewinn des Emittenten erwirbt.

Investitionen in Rentenwerte erfolgen häufig im Rahmen mittel- bis langfristiger Planung und eher mit dem Ziel der Vermögenserhaltung statt der Vermögensmaximierung. Dies vor allem vor dem Hintergrund des geringen Anlagerisikos der Rentenwerte. In den meisten Fällen reicht die Rendite festverzinslicher Wertpapiere gerade die Inflation aus zuzüglich eines geringen Gewinns. Insoweit Unternehmer jedoch über ihr Kapital kurzfristig verfügen wollen, sind Termingelder oder Geldmarktfonds eher ratsam.

Als geläufigste Form festverzinslicher Titel gilt die Anleihe, die auch Obligation, Bond oder Schuldverschreibung genannt und fest oder variabel verzinst wird. Anleihen werden in der Regel langfristig begeben, können vom Anleger, also vom Gläubiger jedoch auch während dieser Laufzeit zurückgereicht werden. Seit einigen Jahrzehnten dienen Anleihen ihren Emittenten oft zur Finanzierung bestimmter, auch öffentlich bekannter Vorhaben. Beispielsweise werden viele Übernahmen durch eine Kombination aus Kapitalerhöhung und Begebung von Anleihen finanziert.

Als Sonderformen der Anleihen werden am Markt Genussscheine, Wandelanleihen, Optionsanleihen und Aktienanleihen gehandelt. Genussscheine offerieren ihren Anlegern zwar eine Art Dividende, also eine Gewinnbeteiligung, nicht jedoch ein Stimmrecht am Emittenten wie bei Aktien. Wandelanleihen ermöglichen ihnen innerhalb bestimmter Fristen den Eintausch gegen Aktien derselben Emittenten und damit die Chance, risikolos an deren Aktienkursentwicklung teilzuhaben. Optionsanleihen sind damit vergleichbar, bestehen jedoch aus der Anleihe und dem davon unabhängig handelbaren Optionsschein. Dieser verbrieft das Recht auf Erwerb von Aktien, während der Anleiheanteil der Optionsanleihe nach Ablauf der Laufzeit ausgezahlt wird.

Neben diesen Vorteilen ist bei Optionsanleihen jedoch ein Risiko zu beachten. Die getrennt handelbaren Optionsscheine entwickeln ihre Börsenwerte mit steigenden Kursen der zugrundeliegenden Aktien. Fallen diese Kurse, sind die betreffenden Optionsscheine wertlos.

Da sie die Chance des Erwerbs von Aktien enthalten, sind Optionsanleihen niedriger verzinst als konventionelle Anleihen. Für Emittenten sind sie deshalb oft eine kostengünstige Finanzquelle. Zugleich bleibt die Ausübung der Option als eine Art Kapitalerhöhung für den Emittenten ohne Auswirkung auf die Liquidität.

Wandelanleihen und Optionsanleihen bieten demnach ihren Investoren Wahlrechte zum Wandel in Aktien oder zum Handel mit dem Erwerbsrecht auf Aktien. Gewissermaßen in der Umkehrform enthalten Aktienanleihen ein Andienungsrecht ihrer Emittenten. Hier kann das emittierende Unternehmen zum Laufzeitende die Anleihe ausbezahlen oder gegen Aktien eintauschen. Bezugsmenge und Ausübungspreis dieses Wahlrechtes werden zu Beginn der Laufzeit vereinbart. Falls der zeitgleiche Aktienkurs unterhalb dieses Ausübungspreises liegt, wird der Emittent den Tausch gegen Aktien vornehmen. Der Investor geht also ein Kursrisiko ein.

Wenn der Staat als Emittent auftritt, begibt er öffentliche Anleihen, die aufgrund der hohen vermuteten Werthaltigkeit und Sicherheit der Rückzahlung bei den bedeutenden Ratingagenturen (Standard & Poor's, Moody's, Fitch) regelmäßig Bestnoten erhalten. Sie teilen sich auf in Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen. (Die ebenfalls bekannten Tagesanleihen, Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze laufen aus, da keine neuen Anteile dieser Wertpapierarten seit dem 31.12.2012 begeben wurden.)

Bundesanleihen haben Laufzeiten von zehn, zwölf, fünfzehn oder dreißig Jahren, während Bundesobligationen nur jeweils fünf Jahre laufen. Ihre Emission erfolgt dreimal jährlich als Auktion. Während Banken für den Erwerb von Bundesobligationen und Bundesanleihen Gebühren erheben, können sie bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH in Frankfurt am Main kostenlos erworben werden. Vierteljährlich und mit einer Laufzeit von nur zwei Jahren werden Bundesschatzanweisungen ebenfalls als Auktion über die Finanzagentur herausgegeben, denn sie dienen eher kurzfristigem Finanzierungsbedarf des Staates.

Die knappen Ausführungen in diesem Beitrag zeigen, dass Rentenwerte ein komplexes Sachgebiet ausfüllen. Die Investition vor allem in Wandelanleihen, Optionsanleihen und Aktienanleihen erfordert fachkundigen Rat und seriöse Wegbegleiter. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. unterstützt seine Mitglieder mit seinem Unternehmernetzwerk und findet bei Bedarf nach Expertenwissen mit den geeigneten Partnern. Verlassen Sie sich auf unabhängigen Meinungs- und Erfahrungsaustausch, mit dem nur ein Verband dienen kann, der sich dem liberalen Unternehmertum so eindeutig verschrieben hat wie der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V.

In den nächsten Wochen folgt in unserer Rubrik "Aktuell & Nützlich" ein Beitrag zu Dividendenpapieren wie Stamm- und Namensaktien und schließlich ein weiterer über die Verwaltung dieser Werte in Ihrem Unternehmen und deren Angabe in der Bilanz.

09. Mai 2016