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Unternehmer als kluge Investoren – Teil 1

Nach Einschätzung des DIW, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, wird die derzeitige Niedrigzinsphase noch zwei bis drei Jahre anhalten. "Im Umfeld niedriger Zinsen hortet die Mittelschicht nicht einfach nur das Geld, sondern investiert auch wieder, sei es in ein eigenes Unternehmen, in den Aktienmarkt oder in eine Beteiligung an anderen Sachwerten", so Thomas Grüner im April 2016 gegenüber dem Handelsblatt. Demnach beobachtet er sogar einen langfristigen Trend fallender Zinsen seit 1980.

Der erst im März 2013 gegründete Ausschuss für Finanzstabiliät sieht in der aktuellen Niedrigzinsphase auch Risiken, denn niedrige Zinsen setzen Anreize zur Finanzierung größerer Kreditsummen, was die Nachfrage nach Immobilien und damit deren Preise erhöhen kann. Daneben belastet das Niedrigzinsumfeld die Zinsmarge der Banken und kann sie dazu verleiten, ihre Eigenkapitalrendite durch Engagements in riskantere Geschäftsfelder zu erzielen. Schließlich, so der Ausschuss, erschwert das anhaltende Niedrigzinsumfeld den Lebensversicherern, ihre Leistungsversprechen ein

Den Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. beschäftigt vor diesem Hintergrund eher die Frage, auf welche Handlungsalternativen Unternehmer, die ihr Vermögen zielsicher und gewinnbringend anlegen möchten, in diesen Zeiten zurückgreifen können. In unserer Initiative, auch in Fragen der Unternehmensnachfolge Hilfestellung zu geben, haben wir bereits Unternehmer gesprochen, die ihr wertvolles Unternehmen nur deshalb nicht verkaufen, weil sie für die Verwendung ihres Vermögens keine geeignete Alternative gegenüber der Investition in ihr eigenes Unternehmen finden.

Aus Sicht des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. erscheint die alternative Investition in Gold nicht zielführend. Zwar dient auf lange Sicht das Investieren in Gold der krisen- und inflationssicheren Aufbewahrung von Vermögen, vermehrt wird es dadurch zur Zeit jedoch nicht. Der globale Jahresdurchschnittspreis einer Feinunze Gold (1 oz = 31,103 g) entwickelt sich zeitweise positiv (2010: 1.406 USD, 2011: 1.531 USD, 2012: 1.658 USD; jeweils Jahres-Schlusskurse).

Innerhalb des Jahres 2013 jedoch wies Gold jedoch eine (negative) Performance von -29 % auf und erinnerte damit an die verlustreichen späten 90-er Jahre. Seitdem entwickelt sich der Goldpreis eher unstet mit einer negativen Tendenz (2013: 1.205 USD, 2014: 1.206 USD, 2015: 1.060 USD und zum Zeitpunkt dieses Textbeitrags (28.04.2016) wieder 1.272 USD Schlusskurs je Feinunze).

Die beständig niedrigen Zinsen und der Wertverfall von Edelmetallen lassen den Blick des Unternehmers, der sein schwer erarbeitetes Kapital – und sei es zu Beginn der Investition noch so gering – wachsen sehen möchte, um so für die Zukunft vorzusorgen oder auch kurz- und mittelfristig Gewinne verzeichnen zu können, auf Wertpapiere fallen.

Doch welche Wertpapierarten werden am Markt angeboten und welche sind für Unternehmer relevant? Einen ersten Überblick soll Ihnen der heutige Beitrag liefern, damit wir in den künftigen Beiträgen dieser Reihe auf einzelne Wertpapierarten und die Vorgehensweise des Unternehmers als Investor näher eingehen können.

Grundsätzlich ist ein Wertpapier eine Urkunde, mit der ein Recht verbrieft wird. Eine solche Urkunde kann physisch existieren, wird aber im Zuge der Modernisierung immer mehr durch Globalurkunde mit Girosammelverwahrung oder durch Schuldbucheintrag ersetzt.

Auf Seiten der Legislative finden Wertpapiere im Kreditwesengesetz (KWG), das banktechnische Ziele verfolgt, und im Depotgesetz (DepotG), das die Zusammenarbeit von Kreditinstituten und Bundesbank regelt, Eingang. Daneben bezieht die Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung (RechKredV) den Wertpapierbegriff auf alle an einer Börse zum Handel im regulierten Markt zugelassenen Titel. Generell verkörpern Wertpapiere Forderungsrechte (Anleihen), Stimmrechte und Vermögensrechte (Aktien), Sachenrechte (Schuldbrief) oder Optionenrechte (Option bzw. Optionsschein).

Entgegen landläufiger Meinung sind übrigens Banknoten keine Wertpapiere, sondern ein Zahlungsmittel. Ausweise sind keine Wertpapiere, da sie eine öffentlich-rechtliche Pflicht der Identifizierung verbriefen. Und Quittungen gehören ebenfalls nicht dazu, da sie nur eine Beweisfunktion erfüllen.

Wertpapiere sind neben ihrer Verbriefung von Rechten verkehrsfähig und handelbar. Ihre Verkehrsfähigkeit besagt, daß sie je nach Art mehr oder weniger leicht von einem Inhaber zum nächsten gereicht werden können. Die verkehrsfähigsten Wertpapiere sind laut KWG handelbar, können also im Namen Dritter gekauft, verkauft und verwahrt werden. Auf sie richtet sich diese Beitragsreihe. Sie werden auch als "Effekten" bezeichnet und nach Art ihres Ertrages in Zinspapiere und Dividendenpapiere unterteilt.

In den nächsten Wochen lesen Sie in unserer Rubrik "Aktuell & Nützlich" Ausführungen zu Zinspapieren wie Anleihen, Bundesschatzbriefe und Schuldverschreibungen und zu Dividendenpapieren wie Stamm- und Namensaktien, Genussscheine und Optionen. In jedem dieser Beiträge wollen wir auch darauf eingehen, wie man sich über den Markt dieser Wertpapiere informiert und daraus seinen besten Nutzen zieht. Abschließend erhalten Sie einen Beitrag über die Verwaltung dieser Werte in Ihrem Unternehmen und deren Behandlung im Rechnungswesen.

Das Börsenumfeld bietet viele Berater, die Unternehmern in Fragen ihrer Investition zur Seite stehen. Viele von ihnen sind in ihren Ratschlägen jedoch an Ziele ihres Portfolios gebunden. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ist ein Unternehmernetzwerk, das seine Mitglieder vollkommen neutral und unabhängig unterstützt und bei Bedarf nach wirtschaftlichem oder rechtlichem Expertenwissen den geeigneten Partner für jeden Unternehmer findet. Zugleich bieten wir unseren Mitgliedern den unabhängigen Meinungs- und Erfahrungsaustausch, mit dem nur ein Verband dienen kann, der sich dem liberalen Unternehmertum so eindeutig verschrieben hat wie der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V.

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01. Mai 2016