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Investorentipp bei Niedrigzinsen

Wo befinden sich die Zinssätze aktuell? Tief, tiefer, am tiefsten – oder unter null? Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. sieht diese Entwicklung sehr kritisch, denn sie zeigt eine der Auswirkungen, die eine aus wirtschaftspolitischen Erwägungen fehlgeleitete Geldpolitik in Europa hervorbringt.

An dieser Stelle soll es jedoch nicht um Politik oder Europakritik, sondern um einen praktischen Hinweis gehen, der sich an Unternehmer richtet, die das derzeit so günstige Zinsumfeld zur darlehensfinanzierten Investition nutzen möchten. Nichts kann, wenn die Bedingungen günstig genug sind, so sehr befürwortet werden wie die Investition in das eigene Unternehmen.

Jedem Unternehmer leuchtet zunächst ein, dass neben dem geringen Zinssatz eine niedrige Tilgung zu einer angenehm geringen Belastung auf der Zahlungsmittelebene führt. Diese Vorgehensweise verlängert jedoch die Rückzahlungsdauer der Annuitäten und mindert dadurch den Unternehmenswert, falls nach einer Anzahl von Jahren nach wie vor ein Schuldposten bilanziert wird – zumal ein solcher, der eventuell den bis dato teilweise abgeschriebenen Wert der Investition übersteigt. Außerdem wird das Unternehmen ein höheres Zinsänderungsrisiko tragen müssen, da Zinssätze nur selten länger vereinbart werden als zehn Jahre.

Finanzen 100 verweist auf diesen Effekt in einem Onlineartikel durch ein einfaches Zahlenbeispiel: Werden 100 TEUR mit 2 % Zinsen und 1 % Anfangstilgung aufgenommen, so fallen im ersten Jahr 2 TEUR Zinsen und 1 TEUR Tilgung an. Bei gleichbleibender Annuität von 3 TEUR sind dies im zweiten Jahr 1.980 Euro Zinsen und 1.020 Euro Tilgung. Es verbleibt nach zwei Jahren ein Schuldsaldo von 97.080 Euro. Wenn nun statt der 2 % die Zinsen 4 % betragen und ebenfalls mit 1 % Anfangstilgung geleistet wird, ergeben sich im zweiten Darlehensjahr zwar 3.960 Euro Zinsaufwendungen, aber eine Tilgung von 1.040 Euro, sodass nach zwei Jahren nur Schulden von 97.060 Euro bilanziert werden müssen.

Mit zunehmender Laufzeit wird dieser Abstand immer größer bzw. es wird immer unwirtschaftlicher, das niedriger verzinste Darlehen bei zugleich niedrigen Raten weiterzuführen. Im vorliegenden Beispiel benötigt ein Unternehmer nur drei Viertel der Gesamtlaufzeit des mit 2 % verzinsten Darlehens, um das mit 4 % verzinste Darlehen vollständig zu tilgen. Daraus kann man die einfache Lehre ziehen, dass es zwar sinnvoll ist, das derzeit so günstige Zinsniveau für neue Verschuldung zu nutzen. Zugleich sollten Unternehmer aber mit höheren Tilgungsraten einsteigen und, soweit dies realistisch erscheint, Sondertilgungen mit ihrer Bank vereinbaren. Nur so wird aus der vermeintlich günstigen Situation keine zeitlich versetzte Schuldenfalle.

Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. unterstützt seine Mitglieder durch den Erfahrungsaustausch in seinem unabhängigen Unternehmernetzwerk auch in Fragen der Investition, Finanzierung und Risikovorsorge.

02. Mai 2016