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Bilanzrecht:
Berechnungsänderung bei Pensionsrückstellungen

Der Deutsche Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrats jüngst eine Änderung der handelsrechtlichen Vorschriften zur Berechnung der Pensionsrückstellungen beschlossen. Die Neuregelung soll noch in diesem Monat in Kraft treten.

Diese Änderung soll einer sich gegenwärtig abzeichnenden Fehlentwicklung entgegenwirken, die auf das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz zurückgeht.

Grundsätzlich gilt: Wenn ein Unternehmen eine Versorgungszusage eingeht, muss es seine Verpflichtung nicht gleich mit ihrem Erfüllungsbetrag, sondern nur in (geringerer) Barwerthöhe ausweisen. Der Barwert ist der Wert, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart besitzen. Er wird durch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen und anschließendes Summieren ermittelt. Das ist für Unternehmen grundsätzlich von Vorteil, denn der Ansatz des Barwerts anstelle des Erfüllungsbetrages entlastet – zumindest anfangs – die Passivseite der Bilanz. Zwar wächst die Rückstellung kontinuierlich durch Aufzinsung an, aber dieses Anwachsen geschieht – jedenfalls bei langen Zeitspannen – nur langsam, so dass Unternehmen grundsätzlich ausreichend Zeit haben, um sich die Mittel für die Erfüllung von Versorgungszusagen zu verdienen.

Da der Barwert über die Zeitspanne, vor allem aber über den Abzinsungs-Zinssatz bestimmt wird, haben Unternehmen ein klares Problem, wenn der anzuwendende Abzinsungs-Zinssatz gering ist. Denn dann sind der Barwert hoch, Unternehmen stärker verschuldet und die Finanzierungskosten entsprechend höher.

Und genau dieses Problem zeichnet sich nun ab, und zwar als Folge der Niedrigzinspolitik der EZB und des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes, das Unternehmen von 2009 an auf die Anwendung entsprechender Zinssätze verpflichtete (genauer gesagt auf die Anwendung eines 7-Jahresdurchschnittswerts aus laufzeitadäquaten Zinssätzen). Höhere Vergangenheitswerte zu Beginn des Einziehungszeitraums milderten bislang das Problem noch ein wenig ab. Doch diese Werte fallen allmählich aus dem Referenzzeitraum heraus.

Deshalb greift der Gesetzgeber korrigierend ein und lässt Unternehmen für alle nach dem 31.12.2015 endenden Geschäftsjahre statt mit einem 7-Jahresdurchschnittswert mit einem 10-Jahresdurchschnittswert rechnen. Unternehmen, die das wollen, können allerdings auch schon für die nach dem 31.12.2014 beginnenden Geschäftsjahre entsprechend rechnen.

21. März 2016