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Manager werden Unternehmer
– MBO und MBI

Basierend auf Überlegungen, die in dieser Rubrik auch zu Vermögensnachfolge und Unternehmensbewertung geäußert wurden, richtet sich dieser Beitrag an all jene Managementmitglieder, die erwägen, den Schritt zum Unternehmertum zu wagen und an Gesellschafter, die im Gegenzug einen Verkauf ihrer Anteile an die Geschäftsführung im eigenen Haus in Betracht ziehen.

Ein Management-Buy-Out (MBO) beschreibt den Transfer der Anteile an Führungskräfte, die bereits im Unternehmen tätig sind, während ein Management-Buy-In (MBI) den Verkauf an externe Kräfte, die dadurch für das Unternehmen tätig werden, anspricht. Statistisch häufiger ist der Fall des MBO. Dieser Beitrag wird in daher der Folge die Abkürzung MBO verwenden und dadurch stets beide Konzepte abdecken.

Das aktuelle Umfeld des deutschen Mittelstandes begünstigt den MBO faktisch und kulturell. Die faktische Begünstigung ergibt sich einerseits aus der Notwendigkeit, denn weniger als die Hälfte aller Familienunternehmen gehen in die Hände der nachfolgenden Generation(en) über. Sie ergibt sich andererseits aus den heutigen Möglichkeiten der Finanzierung, denn aufgrund der öffentlichen Förderung des MBO, die vielfach der Förderung von Existenzgründungen gleicht, können Führungskräfte "Ihr" Unternehmen mit begrenzten Eigenmitteln erwerben. (Über Fördermittel erfahren Sie mehr in einem unserer künftigen Beiträge in dieser Rubrik.)

Die kulturelle Begünstigung des MBO erwächst aus dem heutigen Erfahrungswissen, dass Führungskräfte, die bereit sind, ihr eigenes Vermögen in das Unternehmen einzubringen, selbst Risiko zu tragen und sich unter Umständen für lange Jahre ihres Lebens dafür zu verschulden, die besseren Manager sind. Es wird zugleich davon ausgegangen, dass sie ihren Markt (noch) besser einschätzen und ihr Unternehmen (noch) besser führen können, da sie diesen Schritt sonst nicht vorgenommen hätten. Darüber hinaus wachsen Manager durch den Erwerb des Unternehmens im Ansehen bei ihren Kunden und ihrer Belegschaft deutlich mehr als nur durch ihre gute Managerleistung.

In der Planungsphase zu einem angestrebten MBO sei jeder Führungskraft nahegelegt, die eigenen Voraussetzungen ebenso auf den Prüfstand zu stellen wie die Eigenschaften des zu erwerbenden Unternehmens. Schließlich gilt auch für Manager, die "sich in die Firma einkaufen", dass sie zugleich Exit-Szenarien im Auge behalten müssen. Die eigene Lebensplanung und die Fortführbarkeit des Unternehmens legen nahe, schon vor der Übernahme die spätere Weitergabe einzukalkulieren.

Zu den Voraussetzungen der übernehmenden Führungskraft gehört in erster Linie die kaufmännische Kompetenz im unternehmerischen Alltag. Wir, die Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V., haben Fälle beobachtet, in denen Geschäftsführer, die sich bis dato auf den Vertrieb oder die Technik konzentrierten, als Unternehmer aufgrund ihrer Qualität als Kaufleute versagten. Ebenso kennen wir Fälle, in denen ehemalige Kaufmännische Geschäftsführer nach der Übernahme in kommerziellen Gebieten wie Einkaufsverhandlungen, Preisvereinbarung und Vertrieb scheiterten.

Neben diesen Gesichtspunkten der kaufmännischen Kompetenz spielen auch "weiche" Faktoren eine Rolle, denn die Innenwirkung eines Gesellschafter-Geschäftsführers ist erheblich höher als jene eines reinen Geschäftsführers. Die Qualität des Auftretens im eigenen Hause wird (noch) bedeutsamer dafür sein, ob diejenigen Mitarbeiter(innen), die aufgrund ihrer Qualifikation den Arbeitgeber wechseln können, dem neuen Unternehmer auch in Zukunft die Stange halten. Zugleich ist das familiäre Umfeld zu prüfen, da Familien von Unternehmern stets einer wesentlich höheren Belastung ausgesetzt sind als solche von Managern, die letztlich "nur" angestellt sind und in ihrer Freizeit entsprechend abschalten können. Ein Unternehmer ist, unabhängig von der Größe des Unternehmens, eigentlich selbständig und somit nicht umsonst "selbst" und "ständig".

Es ist bekanntlich schwierig, sich in seiner Sach- und Verhaltenskompetenz und in seinen persönlichen Rahmenbedingungen selbst einzuschätzen. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ist eine ideale Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Rat und bietet gleichzeitig schon jetzt das Netzwerk zur Identifikation geeigneter Berater für diesen speziellen Bedarf.

Neben all den Eigenschaften des erwerbenden Unternehmers sind jene des zu erwerbenden Unternehmens zu prüfen und zur Fortführung eventuell notwendige Maßnahmen von vorneherein in das Übernahmekonzept einzukalkulieren. Dazu gehört zu allererst die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Absatz- ebenso wie dem Beschaffungsmarkt vor dem Umfeld der Kunden, Lieferanten und Konkurrenten. Häufig wird übersehen, dass auch Kunden und Lieferanten Konkurrenten sind. In vielen Industrien erwerben Firmen einen Teil ihrer Kunden oder Lieferanten, um Vorteile der Wertschöpfung durch vertikale Integration zu heben.

Auch der Zustand des Unternehmens gehört auf den Prüfstand, bevor an einen Transfer der Anteile gedacht wird. Dies betrifft die Betriebsanlagen und Gebäude mit Zustand, Kapazität und Alter und es betrifft die Belegschaft mit ihrer Altersstruktur, Qualifikation, Motivation und der bestehenden Aufbau- und Ablauforganisation. Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. haben bereits von ihrem Gedankenaustausch über Checklisten profitiert, die Manager erstellen, um ihr Unternehmen sozusagen mit Auge eines gedachten fremden Dritten zu beurteilen. Empfehlenswert erscheinen Checklisten als Gedankenstütze in den Feldern Märkte, Kunden, Lieferanten, Wettbewerber, Preise, Produktionsprogramm, Produktpalette, Entwicklungsstand, Personal, Wirtschaftslage, Vertragsumfeld, Behörden/Genehmigungen/Berater und Finanzierungen.

Themen der auf die Planungsphase eines MBO folgenden Unternehmensbewertung haben wir in unserem Beitrag "Hinweise zum Jahresabschluss (5) – Was bin ich wert?" ausgeführt. Was auf die Planung und Bewertung folgt, ist die Verhandlung. Dem veräußernden (Alt-) Unternehmer geht es im Mittelstand in der Regel um das Erzielen eines Preises, der seine Lebensleistung angemessen würdigt und zugleich um die Entlohnung all seiner finanziellen und persönlichen Investitionen. Daneben geht es nach unserer Erfahrung vielen Unternehmern, die in den Ruhestand wechseln, um Gewißheit über die Fortführung ihres Lebenswerkes. Das reine "Cash-out und tschüß" an einen Investoren, der das Unternehmen nur erwirbt, um es nachher stillzulegen und den Wettbewerb besser zu beherrschen, bleibt die Ausnahme.

Dem erwerbenden (Jung-) Unternehmer geht es hingegen darum, einen auch aus seiner Perspektive angemessenen, also möglichst niedrigen Preis zu erzielen. Er wird neben allen bestehenden Verbindlichkeiten die erkennbaren Risiken und stillen Lasten in die Kalkulation einbeziehen und diese Themen, trotz aller Errungenschaften bisheriger Unternehmergenerationen, in die Verhandlung einbringen müssen.

Als Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. geben wir unseren Mitgliedern zwar keinen Verhaltensleitfaden als Lehrbuch mit, aber wir stehen mit unserem Erfahrungswissen zur Verfügung und können mitteilen, wie frühere Verhandlungen verlaufen sind und daraus Schlüsse ziehen, die für Unternehmenstransfers bedeutsam sind.

16. März 2016