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Assets kaufen oder besser leasen

Des einen Freud, des andern Leid

Jeder Unternehmer steht im Verlaufe der Zeit mehrfach vor Entscheidungen über den Ersatz oder die Erweiterung seiner Anlagen oder seines Fuhrparks. Hat er grundsätzlich die Notwendigkeit der Beschaffung eines Investitionsgegenstandes festgestellt, geht es ihm nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie dieser Beschaffung.

Wir wollen Ihnen an dieser Stelle keine Rechenbeispiele aufzeigen, die Sie auch kompetent von Ihrer Hausbank erhalten oder in Lehrbüchern finden. Uns geht es um einige praxisrelevante Anregungen, die man sich generell vor Augen halten sollte.

Der Kauf hat gegenüber dem Leasing Vorteile in der Gestaltung von Betriebsergebnissen und Steueraufwendungen, da der Unternehmer die Abschreibungen im Rahmen der Gesetzgebung frei entscheiden kann. Falls er – was durchaus üblich ist – die erworbene Anlage über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer hinaus nutzt, erwachsen ihm außerdem Vorteile durch stille Reserven, die den Wert des Unternehmens erhöhen. Diesen Vorteil der Flexibilität bietet Leasing nur in geringerem Maße, da Leasingmodelle auf vielen Rahmenbedingungen aufbauen.

Erfolgt der Kauf aus Barmitteln, verursacht der Unternehmer einen Abfluss liquider Mittel, der, je nach Umfang der Beschaffung und Position des Unternehmens in seiner (voraussichtlichen) Entwicklung, zu einem Liquiditätsengpass führen kann, den man durch Leasing vermieden hätte. Gerade in Situationen optimistischer Planung kommt es häufig dazu, dass Unternehmer sich für aktuelle Investitionen zu sehr verausgaben und das nötige Polster für die anstehende Expansion vernachlässigen. Der geplante Geschäftserfolg wird somit durch die Investition, die ihn herbeiführen sollte, gefährdet.

Wenn der Kauf einer Anlage hingegen aus Kreditmitteln erfolgt, führt dies zunächst zu einer Prüfung der Kreditwürdigkeit mit jenen Folgen, die wir in unserer Rubrik "Aktuell & Nützlich" schon im Beitrag "Basel III und der deutsche Mittelstand" beschrieben haben. Je nach Zusammenstellung des Vermögens und der schon vorhandenen Schulden eines Unternehmens kann das geplante Beschaffungsvorhaben das Rating des Unternehmens verschlechtern, denn die kreditgebende Bank ist vor allem verpflichtet, den Kredit als Risiko zu bewerten. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Kredit über die zu kaufende Anlage hinaus zu besichern ist, beispielsweise durch eine Hypothek auf privaten Grundbesitz der Unternehmerfamilie.

Das Abschließen eines Leasingvertrages belastet die Kreditwürdigkeit des Unternehmens dagegen nicht, da das Leasingunternehmen die betreffende Anlage erwerben und in der Regel kreditfinanzieren und damit auch besichern wird. Die Beschaffung strapaziert also allein die Kreditwürdigkeit des Leasinggebers.

Leasing ist nicht gleich Leasing

Allgemein sollte man wissen, dass Leasing trotz häufig vermeintlich verlockender Angebote nicht günstiger ist als Finanzierung. Erst am Ende einer Leasinglaufzeit, wenn auch die Abschlusszahlung feststeht, kann ein Leasingverhältnis vollständig mit einem Finanzierungsangebot, das dem Unternehmer zu Beginn der Laufzeit unterbreitet wurde, verglichen werden.

Weiterhin ist es nicht möglich, die geleaste Anlage aus dem Leasingvertrag während dessen Laufzeit herauszukaufen, denn Sondertilgungen sind im Leasing nicht vorgesehen. Solange ein Ankaufsrecht nicht von vorneherein vereinbart wurde, setzt das Leasingverhältnis ohnehin voraus, dass die geleaste Anlage nach Ablauf der Laufzeit in das Eigentum des Leasinggebers übergeht.

Wenn ein Ankauf zum Ende der Leasinglaufzeit vereinbart wurde, trägt der Leasingnehmer ein Restwertrisiko. Die Restwertabrechnung setzt einen bestimmten Zustand und eine vorausberechnete Laufleistung in Betriebsstunden oder gefahrenen Kilometern voraus. Wird der Zustand bemängelt oder wurde die Anlage umfangreicher genutzt als vorhergesehen, wird die Abschlussrate entsprechend ungünstiger. Schon zu Beginn einer Laufzeit an das Ende zu denken, sollte daher die Parole des Unternehmers sein.

Dies gilt in noch stärkerem Maße, wenn der Leasingvertrag ein Andienungsrecht enthält. Hier ist der Leasingnehmer verpflichtet, dem Leasinggeber die Anlage abzukaufen, wenn der Leasinggeber sie ihm "andient", also aufzwingt. Mit dem erwähnten Ankaufsrecht des Leasingnehmers ist eine solche Situation nicht zu vergleichen, denn der Leasinggeber dürfte dem Unternehmen die Anlage nicht andienen, wenn sie anderweitig verwertet werden kann. Beispielsweise im Falle eines Technologiewechsels ist das Andienungsrecht des Leasinggebers ein Risiko für den Unternehmer.

Daneben gibt es auch Leasingverhältnisse, die auf reiner Abrechnung von Laufleistungen wie Betriebsstunden oder Kilometern beruhen und keine Risiken in Form des Restwertes oder des Andienungsrechtes enthalten. Abrechnungsmodelle gehen bei der Ermittlung von Anfangs-, Leasing- und Abschlussraten von einer vorausberechneten Nutzung aus. Hat die Anlage am Ende mehr Stunden auf dem Zähler oder hat das Fahrzeug mehr Kilometer auf dem Tacho, wird eine Nachzahlung fällig.

Im Falle eines solchen Abrechnungsmodells sollten Sie als Unternehmer auf Freibeträge oder Freigrenzen achten, die ein Leasingangebot beinhalten kann. Freibeträge stellen eine bestimmte Toleranz an Nutzungsüberschreitung gebührenfrei. Nur der Anteil oberhalb eines Freibetrages wird in die Nachzahlung einbezogen. Freigrenzen belassen ebenfalls die Toleranz gebührenfrei. Deren Überschreitung führt jedoch dazu, dass die gesamte Abweichung inklusive der Toleranz in die Berechnung der Nachzahlung einfließt.

Unser Angebot

In der Praxis werden Ihnen natürlich Mischungen der zuvor genannten Vertragstypen angeboten. Daneben sind viele weitere Kriterien zu berücksichtigen, um den Kauf und die Kreditfinanzierung einer Anlage mit dem möglichen Leasing dieser Anlage zu vergleichen. Dies sind vor allem Besonderheiten des Vertragsabschlusses, der Widerrufsrechte, der Haftung für Mängel an der Anlage und des Vorgehens bei Unfällen oder Wertminderung durch Fremdeinfluss.

Letztlich wird es der Erfahrungsaustausch unter Unternehmern sein, der Ihnen ermöglicht, die besten Entscheidungen zu treffen. Diesen Erfahrungsaustausch bietet den Unternehmern das Netzwerk Deutscher Arbeitgeber Verband e.V., das all diejenigen miteinander verbindet, die ihr Unternehmen auch in Zukunft weiter erfolgreich führen werden.

14. März 2016