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Der Jahresabschluss steht vor der Tür
Teil 5: Der Unternehmenswert

Wir, die Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V., wissen nicht, wie viele der etwa 2,3 Millionen Unternehmer Deutschlands sich nach der Fertigstellung eines Jahresabschlusses fragen, welche Werte Fremde Dritte ihren Unternehmen beimessen. Sicher ist für uns nur, dass die Frage der Unternehmensbewertung mindestens zweimal in den Lebenszyklus eines Unternehmens fällt, nämlich bei Erwerb oder Errichtung und bei Veräußerung oder Schließung.

Aus eigener unternehmerischer Erfahrung sind uns aber auch eine Reihe weiterer Gründe und Ereignisse bekannt, anlässlich derer wir den Wert unserer Unternehmen ermitteln. Dies können angestrebte Kooperationen, Übernahmen, Fusionen, Spaltungen, sogar geplante Börsengänge oder einfach nur ein Wechsel der Bank oder der Versicherung sein. Ein besonders schlecht verlaufenes Geschäftsjahr ebenso wie ein besonders gutes kann uns dazu veranlassen, den Wert unserer Unternehmen zu überdenken. Auch Streit zwischen Gesellschaftern oder eine Vermögenssicherung unter Ehegatten kann ein Motiv sein, diesen Wert herzuleiten.

Wenn wir annehmen, dass ein seiner Art nach durchschnittlich betriebenes Unternehmen kleiner oder mittlerer Größe innerhalb seines rund 30-jährigen Lebenszyklus, also etwa binnen einer Inhabergeneration, aufgrund jedes dieser 13 vorgenannten Anlässe nur ein einziges Mal bewertet wird, ergeben sich daraus deutschlandweit fast 30 Millionen Bewertungen in einem 30-Jahres-Zeitraum oder auch eine Million Bewertungen pro Jahr. Über diese Zahl kann sich trefflich streiten lassen, da sich die Mehrheit dieser Vorgänge unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielt. Offensichtlich ist jedoch die hohe Bedeutung des Themas Unternehmensbewertung für jede Unternehmerin und jeden Unternehmer.

Über Gründe, Bedingungen, Vorgehensweisen und Auswirkungen der unterschiedlichen Arten der Unternehmensbewertung, über ihre gesetzlichen Grundlagen und die handels- und steuerrechtlich korrekte Wiedergabe von Bewertungen gibt es heute Literatur, die allein ganze Bibliotheken füllt. Grob zusammengefasst und für den Mittelstand relevant ist die Einteilung in Substanzwert-, Ertragswert- und Praktikerverfahren.

Im Substanzwertverfahren besteht die Möglichkeit, alle Vermögenswerte eines Unternehmens zu addieren und die dazugehörigen Schulden abzuziehen. Die Werte lassen sich nur bedingt der letzten Bilanz entnehmen, da Marktwerte statt der bilanzierten Buchwerte anzusetzen sind. Besonders Grundstücke und Gebäude, aber auch bereits abgeschriebene Anlagen führen oft zu Werterhöhung. Zugleich darf das nicht wirklich betriebsnotwendige Vermögen wie beispielsweise ein länger ungenutzt gelassenes Grundstück nicht in die Substanzbewertung einfließen.

Daneben hat vor allem die deutsche Wiedervereinigung eine Substanzbewertung nach "ersparten Aufwendungen" aufleben lassen. Käufer ehemaliger Staatsbetriebe haben den Barwert der künftigen Ausgaben der Betriebe, an denen sie interessiert waren, mit dem Barwert der Ausgaben für ein gedachtes, völlig neu zu errichtendes Unternehmen verglichen und danach entschieden, ob sie kaufen oder "auf der grünen Wiese" gründen.

In Ertragswertverfahren werden Einnahmen und Ausgaben künftiger Jahre nach Maßgabe bisheriger Einnahmen und Ausgaben auf einen bestimmten Zeitpunkt bezogen zusammengerechnet. Hier sind künftige Einnahmen und Ausgaben abzuzinsen, um sie zu realistischen Werten der Gegenwart umzurechnen. Die Höhe dieser Einnahmen und Ausgaben kann eine Fortschreibung bekannter Zahlen bisheriger Jahre sein. In den meisten Fällen sind jedoch vor allem geplante Einnahmen das Ergebnis "gewünschter" künftiger Entwicklung vor dem Hintergrund unternehmerischer Phantasie. Ertragswerte sind daher oft ein Grund zu streiten und zeigen uns als Deutscher Arbeitgeber Verband den Bedarf nach fundiertem Erfahrungsaustausch, wie wir ihn unseren Mitgliedern bieten.

Letztlich haben sich neben Substanzwert- und Ertragswertverfahren in der Realität gewisse Praktikerverfahren durchgesetzt. Diese bestehen vor allem aus Multiplikatoren, die auf Ertragswerte von Unternehmen oder einfach auf deren durchschnittliche Jahresumsätze angewandt werden. Aussprüche wie zum Beispiel "Meinen Laden habe ich für ein Multiple von eins Komma sechs abgetreten" (gemeint ist das 1,6-fache des Jahresumsatzes) sind daher im heutigen Alltag prägend. Die in der Praxis angewandten Multiplikatoren enthalten als eine Art versteckter Intelligenz alle Vorüberlegungen zu Zinsen, Chancen, Risiken und zu Angebot und Nachfrage des bewerteten Unternehmens. Investmentbanken und andere Institutionen bieten Branchen-Multiplikatoren an, die der Orientierung dienen.

Ausnahmslos alle Methoden der Unternehmensbewertung berücksichtigen den Einfluss von Geschäftsführung und Gesellschaftern auf die Funktionsweise des zu bewertenden Unternehmens. Genauer gesagt: Sie bewerten den Einfluss negativ. Jede Bewertung enthält einen sogenannten "Betafaktor", der desto höher liegt, je größer der Einfluss des beherrschenden Individuums ausfällt. Je wichtiger beispielsweise der Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH aufgrund seiner persönlichen Verbindungen und nicht aufgezeichneten Kenntnisse ist, desto wertloser sind die Anteile an seiner GmbH, und sei sie noch so erfolgreich. Ist sie völlig von ihm abhängig, so sind seine Anteile im Extremfall völlig wertlos.

Wir mussten oft beobachten, dass Unternehmer sich in den letzten Jahren ihrer aktiven Mitwirkung im Unternehmen, sozusagen auf der Zielgeraden vor dem wohlverdienten Ruhestand, durch ihre Bemühungen unentbehrlich machten. Ihr Ziel war es, den Betrieb auf Vordermann zu bringen und ihn letztlich als wertvollen Schatz an die Folgegeneration weiterzureichen oder meistbietend zu vermarkten. Was sie jedoch erreichten, war die Maximierung des Betafaktors statt der Maximierung des Unternehmenswertes. Viel zielführender wäre es in diesen Fällen gewesen, das Unternehmen so aufzustellen, dass es mehr und mehr ohne die bisherige Führung arbeitet und Gewinne erwirtschaftet.

Frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und den besten Wert für das eigene Unternehmen zu entwickeln, erfordert den richtigen Erfahrungsaustausch in einem unabhängigen Netzwerk zur rechten Zeit. Das ist es, was der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. allen gängigen Beratern voraus hat und ihm seinen ungebrochenen Zustrom an Mitgliedern sichert.

01. Februar 2016