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Der Jahresabschluss steht vor der Tür
Teil 3: Kommunikation

Kommunikation ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts

Unser Beitrag "Bilanz für 2015, Teil 2 – nichts umsonst" hat gezeigt, dass wir in einer idealen Welt keine Jahresabschlüsse zu erstellen bräuchten, denn unsere Salden- und Inventarlisten ergäben unsere Jahresabschlüsse ja schon automatisch. Allen Unternehmern blieben Kosten der Erstellung und Prüfung des Abschlusses erspart.

Nun ist nicht nur das Handelsgesetzbuch mit den Verlautbarungen seines dritten Buches Grund genug, das vergangene Geschäftsjahr mit einem aussagefähigen Jahresabschluss zu dokumentieren und zu kommunizieren. Unsere Jahresabschlüsse stoßen auf das Interesse einer Lesergemeinschaft, die ihre eigenen Schlussfolgerungen aus ihnen ziehen und gegebenenfalls Konsequenzen ergreifen, die unseren Unternehmen nutzen oder schaden können.

Unternehmer sollten vorwegnehmen können, wie ihre Leistungsdaten, die Bewertung ihrer Vermögen und Schulden, ihr Investitions- und Expansionsverhalten von Kunden, Lieferanten, Investoren und Banken aufgenommen werden (siehe auch unser Beitrag "Basel III und der deutsche Mittelstand" in dieser der Rubrik).

Soweit ein Unternehmen Fördermittel der öffentlichen Hand wie EU-Gelder oder Investitionshilfen, die durch Landesbanken verwaltet werden, genießt, sollte auch deren "Lesart" eines Jahresabschlusses und eventuell sogar die Sichtweise einer Ratingagentur bei der Gestaltung des Jahresabschlusses berücksichtigt werden.

Letztlich ist also ein Jahresabschluss kein Zahlenwerk, das zufällig auch kommuniziert werden muss. Ein Jahresabschluss ist nichts anderes als Kommunikation. Er ist vor allem eine solche Kommunikation, die im Geschäftsjahr nur einmal erfolgt, da es nicht möglich ist, eine Art korrigierten Jahresabschlusses in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. empfiehlt, (auch) diese Unternehmenskommunikation ganz im Sinne eines jeden Unternehmers zu optimieren.

Interessen der Leser begegnen statt ihnen auszuweichen

Vor allem Gesellschafter-Geschäftsführer mittlerer oder kleiner Kapitalgesellschaften und
Unternehmer von Personengesellschaften wie der in Deutschland weit verbreiteten GmbH & Co. KG neigen dazu, in ihren Jahresabschlüssen nur Angaben zu veröffentlichen, die das Handelsrecht unmittelbar von ihnen verlangt.

Größenabhängige Erleichterungen werden in Anspruch genommen, um gerade zu vereiteln, dass Kunden, Lieferanten, Investoren und Banken ihre eigenen Schlüsse ziehen. In vielen Fällen kommen Befürchtungen der Überinformation von Konkurrenten und der erschwerten Preisverhandlung an der Kunden- und der Lieferantenfront hinzu.

Dadurch werden Jahresabschlüsse veröffentlicht, die oft nur aus einer verkürzten Bilanz bestehen, dies je nach Einzelfall gegebenenfalls noch ergänzt durch eine ebenfalls verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung, die nicht einmal den Umsatz zeigt, da sie mit dem Rohertrag beginnt.

Dennoch werden sich vor allem Lieferanten, Investoren und Banken dafür interessieren, wie vorsichtig oder euphorisch der einzelne Unternehmer seine Vermögensgegenstände beurteilt und inwieweit zum Beispiel Risiken in seinen Rückstellungen vorweggenommen wurden.

Sie werden auch Wege finden, die Anlagenintensität eines Unternehmers zu ermitteln, um festzustellen, wie innovativ das Unternehmen agiert. Sie werden Eigenkapitalquoten, Kapitalgearing, Deckungsbeiträge, Umsatzrenditen und Kapitalrenditen errechnen, auch wenn das bilanzierende Unternehmen dafür keine Informationen bereithält.

Die Stakeholder eines Unternehmens ermitteln all diese Werte auf Basis von Daten, die für sie erreichbar sind, seien es Angaben im Jahresabschluss, veraltete Daten einer Unternehmensdatenbank oder Durchschnittswerte irgendeiner Branchenstatistik. Im Zweifel wird ein Unternehmen – und damit auch sein Unternehmer – eher schlecht bewertet, damit Risiken, die schon in dieser Bewertung liegen, bereits abgedeckt sind.

Was liegt da näher als dem Informationsinteresse entgegenzukommen statt es zu erschweren? Vielleicht ist es in vielen Fällen klüger, neben dem eigentlichen Jahresabschluss nach vereinfachtem Vorbild börsennotierter Unternehmen eine Jahrespräsentation zu erstellen und diese regelmäßig der Hausbank, den Gesellschaftern und den wichtigsten Lieferanten zuzusenden und sie daneben auf der Internetseite des eigenen Unternehmens zu veröffentlichen.

Die Kennzahlen des eigenen Unternehmens wie Kapitalquoten und Renditen können in einer solchen Präsentation ebenso gezeigt werden wie Grafiken bereits gemeisterter wie auch geplanter Geschäftsverläufe. Dies alles kann mit Texten und Angaben ausgestaltet werden, ohne dass an handels- oder steuerrechtliche Gestaltungsgrenzen gedacht werden muss. Transparenz ganz so, wie Sie es als Unternehmer wünschen.

Wie machen es andere?

Soweit zu unserem heutigen Vorschlag, die Folgen bisheriger Intransparenz durch bewusste und gesteuerte Transparenz zu vermeiden. Aber aufgrund der vorgenannten Neigung, möglichst wenig nach außen zu tragen, werden viele Unternehmer den Gedanken verwerfen. Es gibt für den Einfluss auf die Beurteilung, die uns Kunden, Lieferanten, Investoren und Banken zuteilwerden lassen, kein Benchmark.

Auf eine Umfrage zu diesem Thema unter Privatunternehmern würde voraussichtlich keine Rückmeldung erfolgen. Als einziges Mittel des Erfahrungsaustausches (auch) auf diesem Gebiet verbleibt der persönliche Kontakt zu anderen Unternehmern im Netzwerk Deutscher Arbeitgeber Verband. Dies ist der ideale Weg, sich wertvollen Rat von erfolgreichen Unternehmern unverbindlich und direkt geben zu lassen und mit einem solchen Rat auch anderen Unternehmern bei Bedarf zur Verfügung zu stehen.

18. Januar 2016