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Der virtuelle Überfall

"Hände hoch – Geld ' raus!" Wie häufig haben wir diesen Satz gehört, ob im Film oder in der Realität? Mit diesem Beitrag wollen wir aktuelle Fakten der kriminellen Gefährdung, der Internetnutzer heute ausgesetzt sind, aufzeigen, ohne jedoch darauf hinauszuwollen, dass sie "klassische", sozusagen "physische" Verbrechen ersetzt. Vielmehr ergänzen Gefahren im Internet mehr und mehr das bekannte Spektrum an Bedrohungen (die vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse ohnehin nicht geringer werden).

Verbrechen gegen Unternehmer, die für Zwecke ihres Betriebes das Internet nutzen, können grob in folgende Kategorien zusammengefasst werden:

  • Betrug
  • Ausspähung
  • Erpressung
  • Sabotage
  • Kontenmanipulation
  • Datendiebstahl
  • Geheimnisverrat
  • Verletzung der Urheberrechte

Insgesamt hat eine Befragung für die deutsche Wirtschaft als repräsentativ angesehener Unternehmen durch TNS Emnid aus Bielefeld unlängst ergeben, dass im Jahr 2014 rund 40 % aller Unternehmen zu Opfern von Internetkriminalität wurden, während im Jahr 2013 nur 25 % betroffen waren. Laut derselben Studie geht dieses besorgniserregende Wachstum von "e-Crime" offenbar mit einer eher lässigen Auffassung von Unternehmern einher. Währenddessen fast alle Befragten e-Crime ganz allgemein für eine große Gefahr halten, glauben weniger als die Hälfte dieser Unternehmer, selbst Opfer von e-Crime werden zu können.

Sei es nun die Überschätzung der eigenen Sicherheitsvorkehrungen oder die innere Verdrängung von Gefahren, sehen wir hier zunehmend Beratungsbedarf. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. bietet seinen Mitgliedern auch auf diesem komplexen Gebiet den unabhängigen Erfahrungsaustausch, den Unternehmer benötigen, um ihren Weg sicher fortsetzen zu können.

Hinsichtlich ihrer statistischen Bedeutung spielten Betrugsdelikte im Jahr 2014 mit 37 % die Hauptrolle, gefolgt von Ausspähung (32 %) und Kontomanipulation (29 %). Weniger häufig waren Datendiebstahl (15 %), Geheimnisverrat (12 %) und Urheberrechtsverletzung (11 %) zu beklagen. Völlig anders, unter anderem auch angetrieben von Presseberichten über einzelne Vorfälle, fällt jedoch die Wahrnehmung dieser Risiken aus. Während über 80 % derjenigen Unternehmer, die es für möglich halten, Opfer von e-Crime zu werden, befürchten, über das Internet betrogen zu werden, befürchten ebenso viele Befragte, auch Opfer von Datendiebstahl zu werden. Dagegen glauben weniger als die Hälfte der Unternehmer, einer Manipulation ihrer Kontodaten ausgesetzt sein zu können, obwohl diese Verbrechensart auf Platz drei in der Statistik kommt.

Dass deutschen Unternehmern durch Internetverbrechen erhebliche wirtschaftliche Schäden entstehen, ist bekannt. Allerdings macht e-Crime mittlerweile den größten Anteil der Wirtschaftskriminalität aus, denn es kam in den Jahren 2013 bis 2014 auf 54 Milliarden Euro, während Wirtschaftsdelikte insgesamt im Zeitraum 2012 bis 2014 rund 80 Milliarden Euro Schaden verursacht haben.

Pro Fall belief sich der Schaden über alle Deliktsarten hinweg auf rund 370 Tausend Euro, wobei er je nach Art des Verbrechens stark variierte. Währenddessen die relativ häufigen Fälle des Betruges mit rund 200 Tausend Euro oder der Ausspähung mit rund 250 Tausend Euro Schaden zu Buche schlugen, wirkten sich die eher seltenen Fälle der Verletzung von Betriebsgeheimnissen oder von Urheberrechten mit rund 600 Tausend Euro heftiger aus.

Aus Sicht des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. ist auch wissenswert, von welchen Individuen im näheren oder weiteren Umfeld der Unternehmer Gefahren des e-Crime ausgehen können. Dem Verband ist natürlich wenig daran gelegen, Unternehmer Misstrauen gegenüber Geschäftskontakten und Belegschaft zu lehren. Dennoch zeigt die oben genannte Studie, dass nach der sogenannten Organisierten Kriminalität vor allem Online-Kunden, ehemalige Angestellte, Leiharbeitnehmer und Teilzeitbeschäftigte zu denjenigen Personen gehören, von denen Gefahren des e-Crime ausgehen.

Demnach ist neben gewissenhafter Erteilung und Beendigung von Zugriffsrechten auf Systeme und Betriebsinformationen auch das Berechtigungskonzept in IT-Systemen der Unternehmen ein zentraler Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg in der Abwehr virtueller Straftaten entscheidet. Das Nichterkennen erster Anzeichen von (versuchten) Straftaten und das Fehlen einer Unternehmenskultur, die auch eine Sicherheitshaltung und Sanktionen einschließt, begünstigen e-Crime zuweilen.

Internetsicherheit gehört zu den Themen, die Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. aktuell untereinander diskutieren. Verbrechen und deren Abwehr gehören mehr und mehr zum unternehmerischen Alltag. Ebenso erwachsen daraus neue Chancen, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die die Sicherheit der Internetnutzung für Unternehmer verbessern, die aber zugleich auch erklärungsbedürftig sind und daher klug vermittelt werden sollten. Wir sind gespannt, welche weiteren Anregungen die Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. vorbringen, und werden sie in künftigen Beiträgen in der Rubrik AKTUELL & NÜTZLICH vortragen.

16. November 2015