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Familienunternehmen
mit Auslandsgeschäft
– kein Rennen ohne Hindernisse

Internationale Konzerne machen weltweites Big Business – Familienbetriebe vierdienen ihr Geld hier vor Ort. Sieht so der deutsche Mittelstand aus? Mitnichten. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. beobachtet seit Jahren eine stetige Zunahme internationaler Aktivität und Unternehmensaufstellung von deutschen Familienunternehmen. Dieser Beitrag soll einige Gedanken ansprechen, die auf der (ertrag-)steuerlichen Seite mit der Globalisierung im Mittelstand verbunden sind.

Unter den vielen möglichen Rechtsformen, die Privatunternehmen zur Verfügung stehen (siehe unsere Beiträge "Hinweise zum Jahresabschluss (4) – Gut in Form" und "Die "mittelständische SE" – ein Schritt in die richtige Richtung" in dieser Rubrik), dominieren Personengesellschaften nach wie vor den Markt. Der bisherige Erfahrungsaustausch im Unternehmernetzwerk des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. zeigt, wie viel dem Mittelstand am Modell der GmbH & Co. KG gelegen ist, damit Vorteile der Repräsentation und Haftungsbeschränkung mit jenen der Privatheit in Veröffentlichungsfragen vereint werden können.

Eine Familienkonzernmutter in Form einer Personengesellschaft hält Tochterfirmen im Ausland entweder als direkte Beteiligung, oder – was immer häufiger zu beobachten ist – indirekt über eine Beteiligungs-Holding in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft, zumeist einer GmbH. Gewinne, die in den Auslandsgesellschaften entstehen, können im Verlaufe des Geschäftsjahres nicht zusammengeführt und innerhalb des Unternehmens reinvestiert werden, da diese Konstruktion von Gesellschaften steuerlich nicht in der Form einer Organschaft unterhalten werden kann. Es ist vielmehr erforderlich, diese Gewinne an die Holding und von dort an die Personengesellschaft auszuschütten.

Damit ist nicht nur die administrative Ereignisserie von festgestellten, beschlossenen Jahresabschlüssen und Gesellschafterversammlungsprotokollen verbunden. Es führt auch dazu, dass diese Gewinne nach den persönlichen Steuersätzen der Unternehmer versteuert werden müssen. Dies gilt auch dann, wenn die Gewinne auf der obersten Ebene, also etwa von einer GmbH & Co. KG aus, nicht ausgeschüttet, sondern thesauriert und daher nur den Kapitalkonten der Unternehmerfamilie gutgeschrieben werden. Nur der verbleibende Nettoüberschuss steht dann für die Reinvestition und damit für die weitere Entwicklung des Familienbetriebs zur Verfügung.

In den letzten Jahren konnte beobachtet werden, dass Mutter-Personengesellschaften vermehrt neben der Zwischenholding eine weitere (inländische) Beteiligungsgesellschaft unterhielten. Beide Holdingfirmen waren in diesen Fällen Gesellschafter einer im Ausland, beispielsweise in der Schweiz oder in Luxemburg ansässigen Holding, die wiederum die Beteiligungen an den operativen Auslandsgesellschaften hielt. Die zweite (inländische) Beteiligungsgesellschaft trat als stiller Gesellschafter der Auslandsholding auf, sodass sie einen Gewinnabführungsvertrag mit der Mutter-Personengesellschaft schließen und damit die Gewinne aus dem Familienkonzern in der Konzernspitze direkt verfügbar machen konnte.

Neben diesem und weiteren Modellen besteht seit einiger Zeit bekanntlich die Möglichkeit für (inländische) Mutter-Personengesellschaften, ihre Stützpunkte im Ausland nicht als Kapital-, sondern ebenfalls als Personengesellschaften und damit steuerlich als Teilbetriebe zu unterhalten. In diesen Fällen kann die Besteuerung im Inland und Ausland je nach betreffendem Doppelbesteuerungsabkommen optimiert werden. Sprich Gewinne werden dort besteuert, wo Steuersätze niedrig liegen. Seit den neunziger Jahren hat der Gesetzgeber derartige Asymmetrien jedoch erkannt und betreffende Doppelbesteuerungsabkommen vermehrt durch Inlandsbesteuerung unter Anrechnung ausländischer Steuern ergänzt.

Auch ist zu beobachten, dass einige Überseestaaten vermehrt um ihr Steueraufkommen kämpfen und diese Abkommen dahingehend ändern, dass Gewinne der in ihren Ländern geführten Betriebsstätten nicht steuerfrei bleiben. Empirisch ist die Lösung, eine Mutter-Personengesellschaft im Inland mit einer internationalen Organisation aus weiteren Personengesellschaften zu unterhalten, daher eher unbedeutend.

Mitglieder des Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. haben neben den vorgenannten und weiteren Gestaltungsalternativen ihrer Familienunternehmen aufgrund der Komplexität der Besteuerung häufig die Familien-Kapitalgesellschaft als einfachste Alternative diskutiert. Damit kann das steuerliche Schachtelprivileg in Anspruch genommen werden und die Gesamtstruktur bleibt transparent und handhabbar. Ausschüttungen aus der Konzernspitze, sofern beabsichtigt, würden nach dem Teileinkünfteverfahren oder mit Abgeltungsteuer behandelt.

Der eingangs erwähnte Vorteil der Privatheit in Fragen der Veröffentlichung würde allerdings verlorengehen. Er kann in solchen Fällen nur dadurch aufrechterhalten werden, dass die Familienmitglieder ihre Anteile an der Muttergesellschaft in eine (neue) Personengesellschaft einbringen und diese neue Firma neben dem Halten der Beteiligung eine weitere, eigene Geschäftsaktivität entwickelt.

Die Globalisierung von Unternehmen des Mittelstandes ist, wie man sieht, kein einfaches Thema. Dieser Beitrag geht nur auf einige ertragsteuerliche Gesichtspunkte ein, die in unternehmerischen Entscheidungen sicherlich nicht die einzigen – oft nicht einmal die wichtigsten – Aspekte darstellen. Ein Familienunternehmen für die Zukunft zu rüsten, ist eine schwierige Aufgabe, die der unabhängigen Beratung und des vertrauensvollen Erfahrungsaustausches bedarf. Der Deutscher Arbeitgeber Verband e.V. bietet seinen Mitgliedern im Unternehmernetzwerk die besten Grundlagen für jede weitere erfolgreiche Entwicklung.

12. Oktober 2015