DAV: Hochrangige Militär- und Osteuropakenner fordern politische Strategie für Ukrainekrise

Endlich! Endlich wieder, nach erzwungener Corona-Abstinenz, ein Unternehmerabend, endlich wieder Gäste empfangen, endlich wieder persönliche Gespräche mit interessanten Gästen.

Am 21. April war es so weit. Im Oldtimermuseum in Kastel lud der Verband zu einem Vortrag „Krieg in der Ukraine – Perspektiven für Deutschland und Europa“. Unsere Gäste hatten die Möglichkeit, nicht weniger als vier angesehene Kenner der Lage persönlich zu befragen.

General a.D. Harald Kujat, ehemals Generalinspekteur der Bundeswehr und Leiter des NATO-Militärausschusses führte zunächst die (zeit-)historischen Fakten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nüchtern zusammen, auch in der jeweiligen Wahrnehmung dieser Fakten im Osten wie im Westen. Seine unmissverständliche Forderung an die Politik: eine Strategie entwickeln, wie eine europäische Friedensordnung nach dem bald erhofften Ende des Ukraine-Krieges aussehen kann. Diese Friedensordnung müsse auch Russland zwingend einschließen.

Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, langjährige Leiterin des ARD-Studios Moskau und seit 2000 im Führungskreis des Petersburger Dialogs, gab interessante Einblicke in die Haltung und Situation der russischen Bevölkerung zum Krieg und teilte Ihre Beobachtungen aus Moskau.

Vizeadmiral a.D. Kay Schönbach, bis Ende Januar 2022 Inspekteur der Marine, ging intensiver auf die militärische Strategie Russlands ein und zeigte auf, dass diese zunächst gut aufging, sich dann aber offensichtlich Führungsfehler häuften. Der Nachschub der kämpfenden Truppe kam zeitweise zum Erliegen. Massaker an der Zivilbevölkerung seien, so führte er aus, ein Anzeichen für Undiszipliniertheit und Führungsschwäche, die es in modernen Armeen sonst nicht mehr gebe.

Oberst a.D. Ralph Thiele, Präsident der Politisch-Militärischen Gesellschaft, bestätigte diese Ausführungen. Mit einem Budget in der Größenordnung der italienischen Armee hätte Russland hochmoderne Waffensysteme entwickelt, die in Teilen westlichen Waffensystemen überlegen seien. Als Beispiel nannte er Überschall-Raketen, die auch atomar bewaffnet werden könnten, derzeit im Ukraine-Krieg aber mit konventionellen Sprengköpfen bestückt waren. Andererseits aber gäbe es Mängel in der Ausbildung der russischen Soldaten.

Einmütig waren alle der Ansicht, dass ein Sieg der Ukraine gegen eine der mächtigsten Militärmächte der Erde nahezu ausgeschlossen sei und alle internationalen Bemühungen auf eine diplomatische Lösung zulaufen müssten.

Gegen 23:30 Uhr ging dieser denkwürdige Abend zu Ende. Sicher ist: Der Verband wird an dem Thema dranbleiben.

22. April 2022

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